Dienstag, 23. September 2008
"Ich und Kaminski"
"Ich und Kaminski", Anna Maria Krassnigg, Salon5, 17.9.2008 ****

Anna Maria Krassnigg hatte gute Ideen, als sie Daniel Kehlmanns Roman "Ich und Kaminski" (2003) in Form eines Theaterstückes im Salon5 umsetzte: (Buchstäblich!) Eingangs findet sich das Publikum in einer Vernissage wieder, betrachtet mäßig gelungene Bilder, nippt an Getränken, fragt sich, wann's losgeht. Aber das ist es schon, denn unter die Wartenden hat sich ein Paar gemischt, das sich als die Hauptdarsteller des Abends erweisen sollte: Die greise Malerlegende Kaminski (gespielt von einer Frau, Isabella Wolff) und der Kulturjournalist Sebastian Zöllner (Daniel Frantisek Kamen), der durch die Biographie des ersteren berühmt werden will. "Ich bin mit Kaminski hier", wendet sich Zöllner an mich, "kennen Sie ihn?" Und schon wuselt er zum Nächsten, fast schon karikaturhaft in seiner oberflächlichen Umtriebigkeit.

Dann verlagert sich das Geschehen einen Stock höher, in einen minimalistisch ausgestatteten Theaterraum, in dem die Zuschauer ganz nah am Bühnenrand sitzen. Dem enthüllungsgeilen Zöllner kommen allmählich seine Knüller abhanden, die Geheimnisse rund um den heruntergekommenen, erblindeten Maler entpuppen sich als nicht vermarktenswert. Denn Therese, die unglücklich gescheiterte Liebe aus jungen Jahren, die Kaminski in eine Krise stürzte und sein weiteres Schaffen prägte, erweist sich nicht wie angenommen als tot, sondern als Teil eines biederen Ehe-Idylls auf dem Lande. Bei einer Reise in die Vergangenheit kann sich Therese kaum an die Details des damaligen Geschehens erinnern und bietet lediglich Kuchen und lauwarmes Willkommen. Das reißerisch beginnende Stück endet mit berührender Nachdenklichkeit über die Frage: Was bleibt und was zählt am Ende, wenn Banalität die längst vergangenen "besten Momente" und die ungelebten Sehnsüchte überwuchert?

Erzähltext und Dialoge sind wörtlich Kehlmanns Roman entnommen, und nur drei Schauspieler treten leibhaftig auf. Miguel Herz-Kestranek, Otto Tausig, Erni Mangold als Therese, Ernst Stankovski, Maria Urban erscheinen in Filmausschnitten - fiktive Interviews des Journalisten, die unterhaltsam die Selbstbespiegelungen und Eitelkeiten des Kunstbetriebes verdeutlichen. Größter Pluspunkt in Krassniggs Inszenierung ist aber das fesselnde Spiel von Isabella Wolff, die Kaminski und dessen Tochter Miriam in beeindruckender Wandlungsfähigkeit darstellt.

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Donnerstag, 28. August 2008
Günter Grass: "Das Treffen in Telgte"
Günter Grass: "Das Treffen in Telgte". (1979, SPIEGEL-Edition Band 2, 2006) **

Im Nachkriegsdeutschland des Septembers 1947 rief Hans Werner Richter, dem diese Erzählung gewidmet ist, erstmals einen Kreis von Autoren, Kritikern und Gästen zusammen, die sich fortan "Gruppe 47" nannte. Man las einander Unveröffentliches vor, kritisierte, kommentierte ,verlieh sich später Preise und stritt darüber, was aus den noch rauchenden Trümmern Nazideutschlands, durch Literatur genährt, emporwachsen könnte und sollte.

Grass verlegt dies um 300 Jahre zurück ans Ende des Dreißigjährigen Krieges, das eine ähnliche Zäsur in der Deutschen Geschichte darstellte wie das Jahr 1945. In einer eigentümlichen, aber jedenfalls sprachmächtigen Mischung aus Gegenwartsanalyse und Literarhistorie verarbeitet Grass seine Erfahrungen mit der "Gruppe 47" mit einem fiktiven Treffen von über 20 Dichtern, Verlegern und Kritikern aus der Barockzeit - es kommen u.a. Gryphius, Grimmelshausen, Gerhardt, Hofmannswaldau, Scheffler (später Angelus Silesius), aber auch der Komponist Heinrich Schütz als Zwischendurchgast vor; allesamt sehr unterschiedliche und teilweise eitle Persönlichkeiten.

Als die Zusammenkünfte zunehmend orgiastische Züge annehmen, gekennzeichnet durch Völlerei und Ausschweifungen mit Mägden, und der ungeladene Schütz die unrechte Requirierung von Schweinen und Gänsen durch Grimmelshausen anprangert, wird den Anwesenden die Tragik ihres Tuns klar. Obwohl die Dichter schuldlos sein wollen an den Verwüstungen des Krieges, verstricken sie sich in Schuld: "Derweil das Vaterland zerrissen" ist und die Mächtigen den Westfälischen Frieden vorbereiten, führen die Poeten als arglose Nutznießer des Krieges wirkungslose Debatten. Sie ringen sich zwar zu einer Friedensresolution an die Kriegsparteien durch, doch wird diese durch ein Feuer auf dem Wirtshof vernichtet: Sie war zwischen "den Gräten des Fischgerichtes" vergessen worden.

Grass schildert im barockeskem Sprachduktus Zusammenhänge, die wohl nur wenigen LeserInnen klar sind - außer, sie sind mit den Verhältnissen während des 30jährigen Krieges und mit der Literaturtheorie des Barock vertraut. Aber wer ist das schon. Insofern ermüdet das Buch zunehmend und wirkt heute wie eine Stilübung, mit der überambitionierte Deutschlehrer ihre Schüler ärgern könnten. Ich Ex-Germanist brach die Lektüre nach zwei Dritteln ab.

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Cormac McCarthy: "Kein Land für alte Männer"
Cormac McCarthy: "Kein Land für alte Männer" (No Country for Old Men). USA 2007 ****

Früher war das Hauptproblem in Schulen noch, dass die jungen Leute auf dem Gang gerannt sind oder Kaugummi gekaut haben; heute geht es um Vergewaltigung oder Drogen. Überlegungen wie diese bringen den mit festen moralischen Werten ausgestatteten, alternden Sheriff Ed Tom Bell zur Überzeugung, dass er mit seiner Arbeit höchstens Tropfen auf den heißen Stein bewirken kann, weil er sich mittlerweile in einem Land wiederfindet, das nichts für alte Männer wie ihn ist. Bell fühlt sich der Entwicklung von Kriminalität und Gesellschaft nicht mehr gewachsen und quittiert seinen Dienst, betroffen über die irrsinnige und sinnlose Brutalität seines Berufsalltags.

Im neuen Buch des Kulturpessimisten McCarthy hinkt die Staatsgewalt den allerorts wie ein Krebsgeschwür aufkeimenden Verbrechen stets hinterher, chancenlos gegen skrupellose Killer wie Anton Chigurh, der keine Konflikte hat, weil etwaige Opponenten kein langes Leben haben. Er jagt den Vietnam-Veteran Llewelyn Moss, der in der texanischen Wüste zufällig mehrere Leichen, von Kugeln durchsiebte Autos mit Heroinspuren und einen Koffer mit zwei Millionen Dollar findet. Moss geht zu seiner Frau und sagt ihr, dass sie vorerst zu ihrer Mutter ziehen soll und dass sie nie wieder nach Hause zurückkehren werden. Dann verlässt Moss sein altes Leben, wohl wissend, dass jemand den Koffer mit dem Geld suchen wird, und dass dieser jemand niemals aufgeben wird, bis er es hat. Und obwohl Moss seine Spuren trickreich zu verwischen sucht, ist ihm Killer Chigurh bald auf den Fersen...

McCarthy schuf einen düsteren Thriller mit Western-Atmosphäre, der unter die Haut geht. Bis auf die kursiv gedruckten, eingeschobenen Reflexionen Sheriff Bells bleibt das Innenleben der Protagonisten im Dunkel, sie werden nur als nüchten planende und handelnde Männer gezeigt, die einprägsam karge Sätze sprechen.

Erst kürzlich wurde der Roman von den Brüdern Joel und Ethan Coen - wie es heißt - sehr buchgetreu verfilmt und räumte einige Oscars ab.

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Mittwoch, 23. Juli 2008
Ilija Trojanow: "Der Weltensammler"
Ilija Trojanow: "Der Weltensammler". Roman, D 2006. ***

Richard Francis Burton kam 1842, als 21-jähriger Offizier der Britischen Ostindien-Kompanie, nach Bombay. In den folgenden sieben Jahren erlernte er Hindustani, Sindhi, Persisch und drei weitere Fremdsprachen; 20 sollten es letztlich werden. 1849 kehrte Burton nach Europa zurück und lebte dann längere Zeit in Ägypten, lernte arabisch und reiste 1853 als muslimischer Pilger verkleidet nach Mekka, was für Christen damals wie heute verboten war. 1854 traf er in Aden mit John Hanning Speke und leitete 1857 gemeinsam mit seinem späteren Widersacher eine Expedition ab Sansibar, um die großen ostafrikanischen Seen und die Quellen des Nils zu finden. Burton übersetzte Werke wie die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht und das Kama Sutra ins Englische. 1890 starb er als britischer Konsul in der K.u.K.-Hafenstadt Triest.

Aus so einer Biographie lässt sich leicht ein spannendes Buch machen. Ilija Trojanow zeichnet Burton als "Weltensammler", der in andere Kulturen so tief einzutauchen vermag, dass sie Teil seiner eigenen Identität werden. Das macht ihn zum unverstandenen Außenseiter und Eigenbrötler, wie sich auf allen drei von Trojanow geschilderten Lebensstationen Bombay, beim Hadsch nach Mekka und bei der entbehrungsreichen Reise durch Afrika zeigt. Burton eigene Darstellungen (basierend auf seinen zahlreichen Veröffentlichungen) kontrastiert der aus Bulgarien stammende, selbst polyglotte und multikulturelle Autor dabei literarisch reizvoll und (allzu?) kenntnisreich mit den fiktiven Sichtweisen eines indischen Dieners, der muslimischen Obrigkeit und eines afrikanischen Führers. Mir als Leser blieb der "Weltensammler" dabei fremd, am ehesten lernte man ihn noch in Indien kennen, wo er als Liebender erscheint. Trojanow verweigert sich Fragen wie: Was trieb Burton an? Warum entfremdete er sich immer mehr seinen eigenen Wurzeln? Was war das überhaupt für ein Mensch, der all seine Abenteuer unbeschadet überstand und offenbar gelassen und - erstmals - mit einem Schuss Humor in einem Teil Kakaniens starb?

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Mittwoch, 19. März 2008
Vikas Swarup: "Rupien! Rupien!"
Vikas Swarup: "Rupien! Rupien!" ("Q and A"). Roman, Indien 2005. **

Vikas Swarup ist ein indischer Diplomat, der wohl viel Zeit hatte: Und da kam er auf die Idee, einen Roman zu schreiben. Einen, der die ganze Lebens- und Leidenswirklichkeit des Subkontinents anhand des Schicksals von Ram Mohammed Thomas (schon in diesem hindu-muslim-christlichen zeigt sich Swarups Anspruch) veranschaulicht. Ohne je eine Schule besucht zu haben, kann der mittellose 18-jährige Kellner und Überlebenskünstler alle Fragen in der Quizshow "Wer wird Milliardär?" richtig beantworten - und daraufhin als Betrüger verhaftet, weil die TV-Gesellschaft am größten Gewinn der Fernsehgeschichte nicht bankrott gehen will. Eine junge Rechtsanwältin taucht wie die gute Fee aus dem Märchen im Gefängnis auf. Ram schaut sich mit ihr die Videoaufzeichnung der Quizshow an und erzählt dabei die zur jeweiligen Frage passende Geschichte aus seinem unglaublichen Leben, die die richtige Antwort plausibel machen soll.

Als Baby aus einer Mülltonne gerettet, wird Ram von einem anglikanischen Priester aufgenommen, findet sich unter verstümmelten bettelnden Kindern wieder, wird Diener bei einem australischen Colonel (und Spion) und bei einer masochistischen alternden Filmdiva, lauscht den vermeintlichen Heldentaten eines Veteranen des indisch-pakistanischen Kriegs, wird Touristenführer am Taj Mahal, verliebt sich in eine Zwangsprostituierte... – Swarup hat aber auch wirklich gar nichts ausgelassen. So viel geballte Emotion und märchenhaftes Schicksal findet sich sonst nur in 3-stündigen Bollywood-Epen. Und auch die sind mir zu dick aufgetragen...

Doch vielen gefällts, und das inzwischen in fast 30 Sprachen übersetzte Buch soll in Kürze verfilmt werden...

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Donnerstag, 17. Januar 2008
"Schotts Sammelsurium"
"Schotts Sammelsurium", 2004 ***

Dieses Buch bekam ich von langjährigen Empfängern meiner alljährlichen Adventmails (siehe unter "Themen" auf dieser website) zum Geburtstag, und wie ich bündelt Herr Schott in seiner Sammlung nutzarmes bis -loses Wissen. British Humour at it's best.

Herrlich z.B. die surreal anmutende Liste von Todesumständen einiger burmesischer Könige - bei denen Elefanten eine besondere Rolle spielen. Oder die Wahrscheinlichkeiten von Kombinationen beim Pokern, Elizabeth Taylors Ehemänner, die detaillierte Beschreibung der Flagge von Kiribati... - all das eignet sich nicht nur als WC- oder Straßenbahn-Lektüre. Und ist in manchen Fällen wirklich lehrreich, z.B. wenn aufgelistet wird, welche lateinischen oder französischen Worte in der deutschen Alltagssprache Eingang fanden. Oder letzte Worte berühmter Persönlichkeiten. Oder die Liste der "Elf" (wo doch sonst immer nur die Top Ten aufgelistet werden).

Als Schöngeist ist mir manches ein wenig zu technisch und naturwissenschaftlich, als Österreicher zu deutsch (Weihnachtshits der deutschen Hitparade, Sportler des Jahres) oder britisch (Maßeinheiten), und manches findet sich bei wikipedia besser und ausführlicher. Dennoch: Schott bereitet Lesespaß. Und es gibt schon Nachfolgebände wie Almanache zu den Jahren 2007 und 2008 oder ein Sammelsurium zu "Sport, Spiel & Müßiggang".

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Cormac McCarthy: Die Straße
Cormac McCarthy: Die Straße (2007) ****1/2

Es kommt selten vor, dass mir am Ende eines Buches die Tränen in die Augen schießen. Auf den letzten Seiten von Cormac McCarthys trostloser Erzählung war ich aber tief berührt. Und wieder einmal (wie bei Franzens "Korrekturen", Roths "Der menschliche Makel" oder Eugenides' "Middlesex") fühlte ich mit einem mit einem Literaturreis bedachten Buch bestens bedient, ja beglückt trotz der Tragik der geschilderten Ereignisse.

"Die Straße" handelt von einem Vater und seinem Sohn, die ein postapokalyptisches Amerika durchwandern. Wir erfahren nicht, welche Katastrophe genau geschehen ist. Der Himmel ist verdunkelt, und es ist bitterkalt. Die meisten Tiere und Pflanzen sind ausgestorben. Wenige Überlebende durchstreifen das Land, ständig vom Hungertod bedroht. Manche, "die Bösen", wie die beiden namenlosen Helden sagen, schrecken auch vor Kannibalismus nicht zurück.

Der Vater erinnert sich immer wieder an die Zeit vor der Katastrophe, an die Mutter des Jungen, die einige Jahre nach dessen Geburt den Freitod dem ständigen Überlebenskampf vorzog. Auf der Flucht vor der Kälte machen sich Vater und Sohn auf den Weg nach Süden Richtung Meer. Der Mann besitzt einen Revolver mit zwei Kugeln, ihr einziges Mittel, um sich zu schützen oder eventuell das Leben zu nehmen. Auf ihrer Reise werden sie Zeugen vieler Gräueltaten: So finden sie zum Beispiel einen Keller, in dem Menschen als "Nahrungsmittelvorrat" eingesperrt sind, und überraschen einige Männer beim Verzehr eines Kleinkindes.

Als sie endlich ihr Ziel erreichen, finden jedoch nicht, was sie sich erhofft hatten. Der Vater stirbt und lässt seinen Sohn zurück. In dieser aussichtslosen Lage erscheint ein Mann, einer der "Guten", der den Jungen adoptiert. Ob sie überleben, bleibt offen.

Vor kurzem las ich Thomas Glavinics "Die Arbeit der Nacht" über das Thema letzter Überlebender in einer menschenleeren Welt. Er kann McCarthy nicht annähernd das Wasser reichen. Da schon eher "Die Wand" von Marlen Haushofer.

"Publishers Weekly" sprach von dem "dem Alten Testament am nächsten kommende Buch der Literaturgeschichte". Wenn damit die Wucht und Klarheit der Sprache gemeint ist, kann ich dem folgen. Lesenswert ist das Werk allemal.

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Daniel Gilbert: Ins Glück stolpern
Daniel Gilbert: Ins Glück stolpern. 2007 **

Das Sachbuch des Harvard-Psychologen und Glücksforschers Daniel Gilbert war eines jener Werke, bei denen ich nicht vom Fleck kam. Vorm Einschlafen noch ein paar Seiten (was sich bei rund 480 davon hinzieht), nie wirklich Lust, auf einen Schlag 50 oder zumindest 30 davon zu lesen. Dabei ist Gilberts Abhandlung, auf die ich durch einen interessanten Artikel in der "Zeit" aufmerksam wurde, grad das Gegenteil eines langweiligen Forschungsberichtes. Nein, Gilbert formuliert flott und oft witzig, anschaulich in Beispielen, bei denen man sich wiedererkennt und tlw. ertappt fühlt durch das aufgezeigte "psychologische Immunsystem", das jeder gesunde Mensch hat.

Es geht im Grunde darum, dass wir unfähig sind, unser Glück oder Unglück richtig einzuschätzen, wenn es uns nicht gerade hier und jetzt passiert. Die Vergangenheit und noch mehr die Zukunft sind durch unseren Blick fast immer verfälscht, wie der Autor anhand von (allzu) vielen psychologischen Experimenten nachweist. Gilberts Beispiel: "Ihr Verlobter brennt mit einer Folksängerin nach Marokko durch... Wenn das passiert, denken Sie bald: Ach, er passte eigentlich sowieso nicht richtig zu mir! Ihr Gehirn fängt also an, sich die Welt so zurechtzulegen, dass Sie sich besser fühlen."

Was fehlte mir also bei diesem Buch? Hm, vielleicht Philosophie, die die Unzahl an detaillierten Psychotests (Wie werde ich mich fühlen, wenn..? Wie habe ich mich gefühlt, als...? Inwieweit hat mich dabei beeinflusst, dass...?) mit SINN ergänzt hätte. Denn darum geht es doch auch, wenn von Glück die Rede ist, oder?

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Mittwoch, 29. August 2007
DU. Heft 6/2007: Donau. Fluss der Nationen.
DU. Heft 6/2007: Donau. Fluss der Nationen ****

Zeitschriften sollen hier nur in Ausnahmefällen berücksichtigt werden. Die Sommerausgabe der Zürcher Kulturzeitschrift "Du" rechtfertigt diese Ausnahme, denn hier wird Außergewöhnliches über ein für (Wahl)Wiener allzu Gewöhntes geboten: die Donau, jenen Fluss, der so viele Staaten durchfließt/streift wie weltweit kein anderer (es sind 10). Die damit verbundene Vielfalt an Kulturen, an Geschichten und Landschaften wurde mir erst bei der Lektüre dieses optischisch und erst recht textlich hervorragenden Printproduktes. Die AutorInnen und Gestalter sind Leute aus einem Lebensraum, der sich mir in den vergangenen Jahren immer mehr erschlossen hat: Mittel- und Südosteuropa, das lange Zeit hinter dem Eisernen Vorhang jenseits meines Interessenshorizonts war.

Diese "DU"-Ausgabe schildert die Donau als "Fluss der Erinnerung", zeichnet seinen Verlauf von Breg und Briesach 2888 km lang bis ins rumänisch-ukrainische Delta am Schwarzen Meer nach. Man lernt Regensburg (besser) kennen, Bratislava, die Roma und die Donauschwaben, erfährt von meterlangen Welsen und den "Donaumännchen". Sehr kurzweilig - und animierend, die Donau mal weiter entlangzuradeln als bis nach Hainburg...

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Marc Levy: Bis ich dich wiedersehe
Marc Levy: Bis ich dich wiedersehe (2006) **

Sein Leben lang hat der Kunstexperte Jonathan darauf gewartet: fünf Werke des russischen Malers Radskin, darunter auch ein verschollen geglaubtes, sollen versteigert werden. In der ausstellenden Londoner Galerie arbeitet Jonathan mit der Galeristin Clara zusammen. Beide empfinden ein verwirrendes Déjà-vu-Gefühl und empfinden immer mehr Anziehung füreinander. Das Problem: Jonathan steht kurz vor seiner Hochzeit mit der Malerin Anna.

So weit, so interessant. Aber Levy versteigt sich dann ein wenig in der These, dass sich die Liebe über alle Grenzen hinwegsetzt - auch über Leben und Tod (kein neues Levy-Thema). Es stellt sich heraus, dass Jonathan und Clara liebende Seelen aus einem anderen Jahrhundert sind, die sich neue Körper gesucht haben. Eine gaaaanz böse, ebenfalls wiedergeborene Brautmutter versucht die endgültige Vereinigung der Liebenden zu verhindern - und tatsächlich: Clara stirbt an einem "Hexengift". Aber die Liebe ist nicht totzukriegen: Flugs haben sich die füreinander Bestimmten neue Existenzen gesucht...

Das Übersinnliche und Esoterische sind in dieser Geschichte wie galoppierende Pferde, für die es kein Halten mehr gibt. Dabei ist die Liebe doch Mirakel genug. Finde ich.

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