Donnerstag, 8. November 2007
Lena Chamamyan, 7.11.07, Porgy&Bess
Lena Chamamyan, 7.11.07, Porgy&Bess **

Lena Chamamyan ist eine in Damaskus geborene Sängerin mit armenischen Wurzeln. Sie studierte Ökonomie, ab 2002 am Konservatorium von Aleppo klassischen orientalischen Gesang und begann, sich parallel dazu für Jazz und traditionelle armenische Musik zu interessieren. Ihr erstes Album "Hal Asmar Ellon" erschien 2006, für die dort zu hörende Mischung aus orientalischer Musik und Jazz-Elementen bekm sie in Amman einen "Orient Music Award".

Klingt doch gut, dachte ich - noch unter dem lebendigen Eindruck meiner Syrienreise vom September. Aber es war wie beim griechischen Wein, der in Griechenland am besten schmeckt: Der arabesk-verschnörkelte Gesang aus dem Lautsprecher unseres Reisebusses auf der Fahrt durch die syrische Wüste klang deutlich besser als das, was gestern im Porgy live zu hören war: Die brave Lena mit dem armenischen Familiennamen sang leidenschaftsarm, wenig nuanciert, überraschungsfrei. Und das passt einfach nicht zu Syrien, dachte ich, als ich mit Freund Norbert das Konzert vorzeitig verließ.

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Dienstag, 23. Oktober 2007
Khaled
Khaled, Konzerthaus, 23. November 2007**

Khaled, der "Roi du Raï" (König der algerischen Raï-Musik) ist auch mehr als 20 Jahre nach Beginn seines Exils in Frankreich ein arabisches Idol. Wenn er auftritt, singen seine Fans inbrünstig Hits wie "Aisha" oder "Didi" mit, tanzen mit Schlangenarmen und sind nur mit größter Mühe davon abzuhalten, auf die Bühne zu klettern und den Meister zu küssen oder sich mit ihm via Handy-Kamera zu verewigen. So auch am Montagabend in Wien, wo Khaled mit zehnköpfiger Band im ehrwürdigen Konzerthaus seinen explosiven Mix aus orientalischer Volksmusik, Reggae, Rock und Funk entfachte - und dies im Rahmen der Konzertreihe "Salam Orient", die muslimische Musik unterschiedlichster Provenienz nach Wien bringt.

Der 47-jährige Meister zeigte sich trotz Verkühlung stimmlich und als Performer auf der Höhe und blieb auch vielgeküsst in bester Laune. Auch seine vor allem aus Maghreb und aus Frankreich stammenden Begleitmusiker war bestens disponiert, die Arrangements überzeugten. Sehr zu wünschen übrig ließ jedoch der Klang. Die beiden Tontechniker schafften es während des gesamten Konzerts nicht, den aus den Lautsprechern strömenden Sound-"B'Raï" zu bändigen, der virtuos gespielte Oud unterlag folglich dem viel zu lauten Schlagzeug, die Bläsergruppe hörte sich hohl an, das Keyboard "bontempi-mäßig" und selbst die Zwischenansagen Khaleds waren schwer verständlich. Und das ist ärgerlich, wenn man - wie ich - z.B. von Khaleds Erfolgs-CD "Sahra" weiß, wie mitreißend sein Rai-Pop klingen kann.

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Mittwoch, 17. Oktober 2007
"Klassische Verführung: Beethovens Siebente"
"Klassische Verführung: Beethovens Siebente", 11. Oktober 2007, RadioKulturhaus Wien.****

So macht Klassik auch einem bisher weitgehend Unbedarften wie mir Spaß: Die imposante 7. Symphonie Beethovens wird zunächst im Zwiegespräch des fachkundigen "Presse"-Musikus Wilhelm Sinkovicz mit dem Radio-Symphonieorchester unter Bertrand de Billy erläutert - und dabei der Entstehungskontext (Beethoven empfand die eigenhändige Kaiserkrönung Napoleons als Verrat an den Idealen der französischen Revolution) nachvollziehbar, Details wie die Holzbläser im 3. oder die Pauke im 4. Satz hörbar gemacht. Spannend war z.B. die unterschiedliche Wirkung des wunderbaren 2. Satzes "Allegretto" als langsames oder rhythmisch-schnelles Stück, das über Jahrzehnte hinweg stets temporeduziert als Trauermusik interpretiert wurde.

Dann Pause. Und dann die ganze Symphonie in einem Guss, was ich - musikwissenschaftlich aufgerüstet und in der ersten Reihe in unmittelbarer Nähe der Musiker - jetzt so richtig genießen konnte.

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