Donnerstag, 28. Februar 2008
"There will be blood"
ikairos, 17:18h
"There will be blood", Paul Thomas Anderson, USA 2007. ***1/2
Eigentlich hat Paul Thomas Anderson alles richtig gemacht: Einen Film nach einer hochkarätigen literarischen Vorlage (Upton Sinclairs Roman "Öl!") gedreht, in wuchtigen, holzschnittartigen Bildern in einer kalifornischen Landschaft, die in ihrer Kargheit den Blick auf das Wesentliche lenkt; mit einem grandiosen Daniel Day-Lewis in der Hauptrolle, der zu Recht dafür den Oscar bekam; mit einer bemerkenswerten Filmmusik von "Radiohead" Gitarrist Jonny Greenwood; mit einer Geschichte, das den Aufstieg Amerikas aus Öl, Geld und Bibel, aus den Entbehrungen und Verhärtungen des making money, auf dem heute noch "In God We Trust" steht, veranschaulicht.
"I am an oilman", sagt Daniel Plainview berechnend, nachdem er um 1900 mit Silberfunden zu Geld gekommen ist und nun daran geht, Farmern ihr ölreiches Land abzuluchsen. Trotz mancher Rückschläge hat er Erfolg, er widersetzt sich dem Öl-Multi Standard Oil und zunächst auch dem fanatischen jungen Prediger Eli, ehe er - um eine Pipeline zum Pazifik bauen zu können - doch dessen fundamentalistischer Kirche der Dritten Offenbarung beitritt. Aber im selben Ausmaß, in dem Plainview reich wird, steigt auch sein Hass. Er schiebt den taub gewordenen Ziehsohn ab und verstößt ihn letztendlich, ermordet den schon vertraut gewordenen vermeintlichen Bruder, als sich dieser als Betrüger herausstellt, und konkretisiert schließlich den aus dem Alten Testament entnommenen Filmtitel "There will be blood" im abschließenden Show-down mit dem gedemütigten falschen Prediger. Und bleibt in seiner Residenz einsam zurück wie der Medienmagnat "Citizen Kane" in Orson Welles thematisch vergleichbarem Filmklassiker.
Und doch: Andersons Variante des American Dream beeindruckt, aber sie berührt nicht. Mir gings nach dem Abspann wie nach einem Filmkunstwerk, das "man gesehen haben muss", es tut und sich dann fragt, was denn jetzt genau so toll sein soll. Vielleicht doch zu viel mit der Spitzhacke behauener Holzschnitt, und zu wenig feine Pinselstriche...
Eigentlich hat Paul Thomas Anderson alles richtig gemacht: Einen Film nach einer hochkarätigen literarischen Vorlage (Upton Sinclairs Roman "Öl!") gedreht, in wuchtigen, holzschnittartigen Bildern in einer kalifornischen Landschaft, die in ihrer Kargheit den Blick auf das Wesentliche lenkt; mit einem grandiosen Daniel Day-Lewis in der Hauptrolle, der zu Recht dafür den Oscar bekam; mit einer bemerkenswerten Filmmusik von "Radiohead" Gitarrist Jonny Greenwood; mit einer Geschichte, das den Aufstieg Amerikas aus Öl, Geld und Bibel, aus den Entbehrungen und Verhärtungen des making money, auf dem heute noch "In God We Trust" steht, veranschaulicht.
"I am an oilman", sagt Daniel Plainview berechnend, nachdem er um 1900 mit Silberfunden zu Geld gekommen ist und nun daran geht, Farmern ihr ölreiches Land abzuluchsen. Trotz mancher Rückschläge hat er Erfolg, er widersetzt sich dem Öl-Multi Standard Oil und zunächst auch dem fanatischen jungen Prediger Eli, ehe er - um eine Pipeline zum Pazifik bauen zu können - doch dessen fundamentalistischer Kirche der Dritten Offenbarung beitritt. Aber im selben Ausmaß, in dem Plainview reich wird, steigt auch sein Hass. Er schiebt den taub gewordenen Ziehsohn ab und verstößt ihn letztendlich, ermordet den schon vertraut gewordenen vermeintlichen Bruder, als sich dieser als Betrüger herausstellt, und konkretisiert schließlich den aus dem Alten Testament entnommenen Filmtitel "There will be blood" im abschließenden Show-down mit dem gedemütigten falschen Prediger. Und bleibt in seiner Residenz einsam zurück wie der Medienmagnat "Citizen Kane" in Orson Welles thematisch vergleichbarem Filmklassiker.
Und doch: Andersons Variante des American Dream beeindruckt, aber sie berührt nicht. Mir gings nach dem Abspann wie nach einem Filmkunstwerk, das "man gesehen haben muss", es tut und sich dann fragt, was denn jetzt genau so toll sein soll. Vielleicht doch zu viel mit der Spitzhacke behauener Holzschnitt, und zu wenig feine Pinselstriche...
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Donnerstag, 21. Februar 2008
"Heimatklänge. Vom Juchzen und andern Gesängen"
ikairos, 13:33h
"Heimatklänge. Vom Juchzen und andern Gesängen". Stefan Schwietert, Dokumentation, Schweiz 2007. ****1/2
Der Schweizer Dokumentarfilmer Stefan Schwietert hat drei Landsleute und Stimmkünstler - Erika Stucky, Noldi Alder, Christian Zehnder - begleitet, die auf teils traditionelle, teils experimentelle Weise mit ihrer Stimme das musikalische Erbe ihrer Heimat bearbeiten. Er schuf einen bemerkenswerten, ja beglückenden (und inzwischen mehrfach ausgezeichneten) Film über Klangwelten, in denen improvisierend gejodelt wird, aber auch Jauchzen vorkommt, Trällern, Heulen, Brummen und was es sonst noch alles für unmittelbare Ausdrucksformen menschlicher Gefühle gibt. Durch die drei beeindruckenden, faszinierend authentischen Persönlichkeiten ist die Doku auch für Menschen spannend, die mit traditioneller Musik aus dem Alpenraum nichts am Hut haben.
Was in "Heimatklänge" zu hören, zu erleben ist, sprengt diesen Rahmen lustvoll, es weitet Horizont und Seele und stellt die Frage nach - nicht nur musikalischer - Identität: Woraus schöpfe ich? Woher komme ich? Woraus schöpfe ich? Woher komme ich? Was ist "meins" abseits des global konsumierten Kultureinheitsbreis? Christian Zehnder z.B. beantwortet diese Frage mit "kopfstimmigen" Tönen und Obertönen, die mühelos Brücken schlagen zu seinen mongolischen Freunden, den Weltmusik-Stars "Huun Huur Tu".
Und Erika Stucky meistert den Spagat zwischen ihren beiden Prägungen - der Lockerheit US-amerikanischer Flower Power ihrer ersten Kindheitsjahre und der traditionsgesättigten Bergwelt des Wallis nach ihrer Übersiedlung - auf polyglott-weltbürgerlich-humorvolle Art.
Bei der Österreichpremiere im Wiener Filmcasino saß sie hinter mir, und ich erlebte aus unmittelbarer Nähe, wie sie nach der Filmvorführung mit einer Schneeschaufel und Kochuntensilien als Rhythmus"instrumenten" eine Staunen machende Musikperformance startete, die in ein von Mirjam Jessa (Ö1) moderiertes Gespräch mit dem Publikum mündete Dabei deponierte ich das aus meiner Sicht einzige Manko des Filmes "Heimatklänge": Eine gemeinsame Improvisation der drei Sänger ist erst im Abspann und viel zu kurz zu hören. Das bedauere sie auch, sagte Erika, aber Regisseur Schwietert habe auf die Sequenz verzichtet, weil bei der Aufnahme im Freien das Licht so schlecht gewesen sei. Nur deshalb: 4 1/2 statt 5 Bewertungspunkten. Und trotzdem: ein Abend, der das Herz vor Freude jodeln ließ.
Der Schweizer Dokumentarfilmer Stefan Schwietert hat drei Landsleute und Stimmkünstler - Erika Stucky, Noldi Alder, Christian Zehnder - begleitet, die auf teils traditionelle, teils experimentelle Weise mit ihrer Stimme das musikalische Erbe ihrer Heimat bearbeiten. Er schuf einen bemerkenswerten, ja beglückenden (und inzwischen mehrfach ausgezeichneten) Film über Klangwelten, in denen improvisierend gejodelt wird, aber auch Jauchzen vorkommt, Trällern, Heulen, Brummen und was es sonst noch alles für unmittelbare Ausdrucksformen menschlicher Gefühle gibt. Durch die drei beeindruckenden, faszinierend authentischen Persönlichkeiten ist die Doku auch für Menschen spannend, die mit traditioneller Musik aus dem Alpenraum nichts am Hut haben.
Was in "Heimatklänge" zu hören, zu erleben ist, sprengt diesen Rahmen lustvoll, es weitet Horizont und Seele und stellt die Frage nach - nicht nur musikalischer - Identität: Woraus schöpfe ich? Woher komme ich? Woraus schöpfe ich? Woher komme ich? Was ist "meins" abseits des global konsumierten Kultureinheitsbreis? Christian Zehnder z.B. beantwortet diese Frage mit "kopfstimmigen" Tönen und Obertönen, die mühelos Brücken schlagen zu seinen mongolischen Freunden, den Weltmusik-Stars "Huun Huur Tu".
Und Erika Stucky meistert den Spagat zwischen ihren beiden Prägungen - der Lockerheit US-amerikanischer Flower Power ihrer ersten Kindheitsjahre und der traditionsgesättigten Bergwelt des Wallis nach ihrer Übersiedlung - auf polyglott-weltbürgerlich-humorvolle Art.
Bei der Österreichpremiere im Wiener Filmcasino saß sie hinter mir, und ich erlebte aus unmittelbarer Nähe, wie sie nach der Filmvorführung mit einer Schneeschaufel und Kochuntensilien als Rhythmus"instrumenten" eine Staunen machende Musikperformance startete, die in ein von Mirjam Jessa (Ö1) moderiertes Gespräch mit dem Publikum mündete Dabei deponierte ich das aus meiner Sicht einzige Manko des Filmes "Heimatklänge": Eine gemeinsame Improvisation der drei Sänger ist erst im Abspann und viel zu kurz zu hören. Das bedauere sie auch, sagte Erika, aber Regisseur Schwietert habe auf die Sequenz verzichtet, weil bei der Aufnahme im Freien das Licht so schlecht gewesen sei. Nur deshalb: 4 1/2 statt 5 Bewertungspunkten. Und trotzdem: ein Abend, der das Herz vor Freude jodeln ließ.
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Mittwoch, 20. Februar 2008
"Die zweigeteilte Frau"
ikairos, 12:01h
"Die zweigeteilte Frau" (La fille coupée en deux). Claude Chabrol, Fr./D. 2007. ***1/2
Die zweigeteilte Frau wird ganz am Ende von Claude Chabrols jüngstem Anti-Bourgeoisie-Film (unnötigerweise) als altbekannter Varieté-Zaubertrick gezeigt. Davor entwickelt der Regie-Altmeister eine fatale Dreiecksbeziehung, in der sich die kluge, schöne und talentierte TV-Moderatorin Gabrielle (Ludivine Saginer) zwischen dem alt werdenden Erfolgsautor und Bonvivant Charles (François Berléand) und dem arroganten und reichen Schnösel Paul (Benoît Magimel) hin und hergerissen fühlt.
Hingerissen ist sie bald von der abgeklärten Bildung und der erregenden Genusssucht von Charles; der flirtet mit der naiven Gabrielle, obwohl er mit seiner langjährigen Ehefrau und seiner verführerischen Verlegerin selbst eine offene Dreiecksbeziehung führt. Ohne jemals explizit zu werden, zeigt Chabrol, dass die junge Frau immer mehr in eine sexuelle Obsession verfällt. "Je unklarer für den Betrachter es ist, was wirklich passiert, desto eher vermutet er etwas Abartiges", so der Regisseur dazu. Wobei halt auf diese Weise nicht ganz nachvollziehbar bleibt, was Gabrielle so sehr in den Bann zieht.
So umgarnt Paul - als einziger Sohn einer schwerreichen Industriellenfamilie gewohnt, dass er bekommt, was er will - Gabrielle lange Zeit umsonst. Erst als Charles sich seiner jungen Gespielin wieder einmal auf demütigende Weise entzieht, darf sich der gutaussehende, verwöhnte junge Mann als "Retter" fühlen - und sogar als Sieger im Kampf mit dem gehassten Nebenbuhler, als Gabrielle in eine Heirat einwilligt. Eine krasse Fehlentscheidung, wie sich bald herausstellt, denn wen Gabrielle wirklich liebt, wem sie "gehört", ist Charles.
Seit fünfzig Jahren widmet sich Chabrol dem falschen Schein der Bourgeoisie (etwa 1995 in "Biester" und 2006 in "Geheime Staatsaffären"), und auch diesmal gelingt ihm eine beeindruckende Skizze der menschlichen Befindlichkeit zwischen Liebessehnsucht und Lebenssattheit.
Die zweigeteilte Frau wird ganz am Ende von Claude Chabrols jüngstem Anti-Bourgeoisie-Film (unnötigerweise) als altbekannter Varieté-Zaubertrick gezeigt. Davor entwickelt der Regie-Altmeister eine fatale Dreiecksbeziehung, in der sich die kluge, schöne und talentierte TV-Moderatorin Gabrielle (Ludivine Saginer) zwischen dem alt werdenden Erfolgsautor und Bonvivant Charles (François Berléand) und dem arroganten und reichen Schnösel Paul (Benoît Magimel) hin und hergerissen fühlt.
Hingerissen ist sie bald von der abgeklärten Bildung und der erregenden Genusssucht von Charles; der flirtet mit der naiven Gabrielle, obwohl er mit seiner langjährigen Ehefrau und seiner verführerischen Verlegerin selbst eine offene Dreiecksbeziehung führt. Ohne jemals explizit zu werden, zeigt Chabrol, dass die junge Frau immer mehr in eine sexuelle Obsession verfällt. "Je unklarer für den Betrachter es ist, was wirklich passiert, desto eher vermutet er etwas Abartiges", so der Regisseur dazu. Wobei halt auf diese Weise nicht ganz nachvollziehbar bleibt, was Gabrielle so sehr in den Bann zieht.
So umgarnt Paul - als einziger Sohn einer schwerreichen Industriellenfamilie gewohnt, dass er bekommt, was er will - Gabrielle lange Zeit umsonst. Erst als Charles sich seiner jungen Gespielin wieder einmal auf demütigende Weise entzieht, darf sich der gutaussehende, verwöhnte junge Mann als "Retter" fühlen - und sogar als Sieger im Kampf mit dem gehassten Nebenbuhler, als Gabrielle in eine Heirat einwilligt. Eine krasse Fehlentscheidung, wie sich bald herausstellt, denn wen Gabrielle wirklich liebt, wem sie "gehört", ist Charles.
Seit fünfzig Jahren widmet sich Chabrol dem falschen Schein der Bourgeoisie (etwa 1995 in "Biester" und 2006 in "Geheime Staatsaffären"), und auch diesmal gelingt ihm eine beeindruckende Skizze der menschlichen Befindlichkeit zwischen Liebessehnsucht und Lebenssattheit.
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Montag, 18. Februar 2008
"Mein bester Freund"
ikairos, 14:38h
"Mein bester Freund" (Mon meilleur ami), Patrice Leconte, Fr. 2006. ****
Der erfolgreiche Antiquitätenhändler François (Daniel Auteuil) geht mit seiner Geschäftspartnerin Catherine eine Wette ein: Bis Monatsende muss der kontaktarme workaholic einen besten Freund präsentieren, sonst verliert er eine wertvolle griechische Vase, die er gegen den Willen seiner Partnerin um 200.000 Euro ersteigert hat. Der Legende nach füllte Achilles aus Trauer um Patroklos das Gefäß mit seinen Tränen. Catherine bezweifelt, dass irgendjemand eine Träne um den ebenso überheblichen wie unnahbaren François vergießen würde. Der macht sich auf die Suche und muss bald feststellen, dass sich tatsächlich niemand zu ihm bekennen will.
Erst als Notlösung, dann zunehmend mit innerer Beteiligung öffnet sich Francois für den umgänglichen Taxifahrer Bruno (Dany Boon), der zu seinem Lehrmeister in Sachen Freundschaft wird. Und der ihn schließlich lehrt, dass dazu mehr gehört als eine gute Strategie beim Gewinnen von Wetten...
Ein wirklich netter, herzerwärmender Film. Und eine sehr nette Idee des Wiener Votivkinos fand ich, dass alle Besitzer einer Votiv-Card ihren besten Freund gratis tum Kino einladen durften. Was ich auch tat :-)
Der erfolgreiche Antiquitätenhändler François (Daniel Auteuil) geht mit seiner Geschäftspartnerin Catherine eine Wette ein: Bis Monatsende muss der kontaktarme workaholic einen besten Freund präsentieren, sonst verliert er eine wertvolle griechische Vase, die er gegen den Willen seiner Partnerin um 200.000 Euro ersteigert hat. Der Legende nach füllte Achilles aus Trauer um Patroklos das Gefäß mit seinen Tränen. Catherine bezweifelt, dass irgendjemand eine Träne um den ebenso überheblichen wie unnahbaren François vergießen würde. Der macht sich auf die Suche und muss bald feststellen, dass sich tatsächlich niemand zu ihm bekennen will.
Erst als Notlösung, dann zunehmend mit innerer Beteiligung öffnet sich Francois für den umgänglichen Taxifahrer Bruno (Dany Boon), der zu seinem Lehrmeister in Sachen Freundschaft wird. Und der ihn schließlich lehrt, dass dazu mehr gehört als eine gute Strategie beim Gewinnen von Wetten...
Ein wirklich netter, herzerwärmender Film. Und eine sehr nette Idee des Wiener Votivkinos fand ich, dass alle Besitzer einer Votiv-Card ihren besten Freund gratis tum Kino einladen durften. Was ich auch tat :-)
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Montag, 11. Februar 2008
"Darjeeling Limited"
ikairos, 14:30h
"Darjeeling Limited", Wes Anderson, USA, 2007. *1/2
Wes Anderson hat mit "Rushmore" oder "Die Royal Tenenbaums" schon besseres abgeliefert als diese schräge Komödie über ein Brüdertrio auf Selbstfindungstrip in Indien: Die drei Söhne eines jüngst verstorbenen Vaters kommen auf den Spuren ihrer als helfende Nonne (??) wirkenden Mutter fernab ihrer Heimat New York nach Indien; sie treffen sich im Erste-Klasse-Abteil des (fiktiven) indischen Luxuszugs "The Darjeeling Limited", um endlich wieder einmal ... ja, was eigentlich? Francis (Owen Wilson), der älteste, hat die anderen beiden, Peter (Adrien Brody) und Nesthäkchen Jack (Jason Schwartzman) zum Trip eingeladen, der das Brüder-Kleeblatt in neue Sphären und endlich wieder zueinander führen soll. Warum Peter und Jack das mitmachen, bleibt offen - aber man sagt nicht so einfach nein, wenn der große Bruder ruft.
So setzt sich der mächtige Zug in Bewegung, alles ist irgendwo an Bord verstaut: Neurosen, Ängste, unausgesprochene Vorwürfe und des verstorbenen Vaters überkomplettes Reisegepäck mit den schweren Schrankkoffern, alles mit Monogramm. Und mit jedem Kilometer der langen Reise geht ein Stück dieses Ballasts verloren, irgendwann auch die drei selber. So what.
Aber zwei lohnende Entdeckungen bietet der Film doch: Peter Sarstedts "Where Do You Go To (My Lovely)" als Filmmusik und der stumme Kurzauftritt Bill Murrays als gestresster Businessman.
Wes Anderson hat mit "Rushmore" oder "Die Royal Tenenbaums" schon besseres abgeliefert als diese schräge Komödie über ein Brüdertrio auf Selbstfindungstrip in Indien: Die drei Söhne eines jüngst verstorbenen Vaters kommen auf den Spuren ihrer als helfende Nonne (??) wirkenden Mutter fernab ihrer Heimat New York nach Indien; sie treffen sich im Erste-Klasse-Abteil des (fiktiven) indischen Luxuszugs "The Darjeeling Limited", um endlich wieder einmal ... ja, was eigentlich? Francis (Owen Wilson), der älteste, hat die anderen beiden, Peter (Adrien Brody) und Nesthäkchen Jack (Jason Schwartzman) zum Trip eingeladen, der das Brüder-Kleeblatt in neue Sphären und endlich wieder zueinander führen soll. Warum Peter und Jack das mitmachen, bleibt offen - aber man sagt nicht so einfach nein, wenn der große Bruder ruft.
So setzt sich der mächtige Zug in Bewegung, alles ist irgendwo an Bord verstaut: Neurosen, Ängste, unausgesprochene Vorwürfe und des verstorbenen Vaters überkomplettes Reisegepäck mit den schweren Schrankkoffern, alles mit Monogramm. Und mit jedem Kilometer der langen Reise geht ein Stück dieses Ballasts verloren, irgendwann auch die drei selber. So what.
Aber zwei lohnende Entdeckungen bietet der Film doch: Peter Sarstedts "Where Do You Go To (My Lovely)" als Filmmusik und der stumme Kurzauftritt Bill Murrays als gestresster Businessman.
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"The End of the Neubacher Project"
ikairos, 14:12h
"The End of the Neubacher Project", Marcus J. Carney, NL/Ö 2006 **
In einem mehrjährigen privaten Film- und Aufarbeitungsprojekt hat der österreichische Regisseur Marcus J. Carney die Geschichte der Familie Neubacher untersucht und dokumentiert - und damit seine eigene Herkunft - denn sein Großonkel war während der NS-Zeit Wiener Bürgermeister und sein Großvater damals Chef des Lainzer Tiergartens und Jagdgefährte von "Promis" wie Hermann Göring. Es wurde ein Film über braune Vergangenheit und eine Gegenwart voller Trauer: Die Neubachers, eine ganz "normale" österreichische Familie entpuppen sich als so durchschnittlich, dass sie ein ziemlich gutes allgemeines Beispiel für den "morbus austriacus" abgeben - für die typisch östereichische Art des Wegschauens, der Autoritätshörigkeit, der Verweigerung von Trauer und "Klartext".
Marcus J. Carney - Oberösterreicher mit einem amerikanischen Vater - wollte eigentlich einen gesellschaftspolitischen Film über seine Familie drehen, z.B. über die immergleichen Legenden um den Onkel Hermann, den Bürgermeister. Doch beim Stochern in der Familienchronik, bei Gesprächen mit seiner Verwandtschaft, stellte sich heraus, dass die eigentliche Geschichte der Familie Neubacher eine Geschichte der Trauer ist, die nie ausgelebt wurde: "Das führt in der zweiten Generation, der meiner Mutter, zu noch größerer Verdrängung oder innerer Zerfleischung."
Während der acht Jahre dauernden Dreharbeiten stirbt die Großmutter, ohne dass sie jemals ihre Schuld eingestanden hätte. Die Mutter erkrankt an Lungenkrebs, was ihr Sohn (die Lunge ist in der chinesischen Medizin das Organ der Trauer) als Ausdruck unbewältigter Vergangenheit deutet.
Die Grenzen zwischen "privat" und "öffentlich" verschwimmen zunehmend bei Carneys - das ist Stärke und Schwäche des Films zugleich. Denn wenn er sich selbst z.B. bei Telefongesprächen filmt, in denen er seine schwerkranke Mutter aus Irland zurückdirigieren will, fragt man sich schon: Muss ich das jetzt sooo genau wissen?
In einem mehrjährigen privaten Film- und Aufarbeitungsprojekt hat der österreichische Regisseur Marcus J. Carney die Geschichte der Familie Neubacher untersucht und dokumentiert - und damit seine eigene Herkunft - denn sein Großonkel war während der NS-Zeit Wiener Bürgermeister und sein Großvater damals Chef des Lainzer Tiergartens und Jagdgefährte von "Promis" wie Hermann Göring. Es wurde ein Film über braune Vergangenheit und eine Gegenwart voller Trauer: Die Neubachers, eine ganz "normale" österreichische Familie entpuppen sich als so durchschnittlich, dass sie ein ziemlich gutes allgemeines Beispiel für den "morbus austriacus" abgeben - für die typisch östereichische Art des Wegschauens, der Autoritätshörigkeit, der Verweigerung von Trauer und "Klartext".
Marcus J. Carney - Oberösterreicher mit einem amerikanischen Vater - wollte eigentlich einen gesellschaftspolitischen Film über seine Familie drehen, z.B. über die immergleichen Legenden um den Onkel Hermann, den Bürgermeister. Doch beim Stochern in der Familienchronik, bei Gesprächen mit seiner Verwandtschaft, stellte sich heraus, dass die eigentliche Geschichte der Familie Neubacher eine Geschichte der Trauer ist, die nie ausgelebt wurde: "Das führt in der zweiten Generation, der meiner Mutter, zu noch größerer Verdrängung oder innerer Zerfleischung."
Während der acht Jahre dauernden Dreharbeiten stirbt die Großmutter, ohne dass sie jemals ihre Schuld eingestanden hätte. Die Mutter erkrankt an Lungenkrebs, was ihr Sohn (die Lunge ist in der chinesischen Medizin das Organ der Trauer) als Ausdruck unbewältigter Vergangenheit deutet.
Die Grenzen zwischen "privat" und "öffentlich" verschwimmen zunehmend bei Carneys - das ist Stärke und Schwäche des Films zugleich. Denn wenn er sich selbst z.B. bei Telefongesprächen filmt, in denen er seine schwerkranke Mutter aus Irland zurückdirigieren will, fragt man sich schon: Muss ich das jetzt sooo genau wissen?
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"The band's visit"
ikairos, 13:53h
"The band's visit" (Die Band von nebenan), Eran Kolirin, Isr./Fr. 2007 ****
Bürokratie, Pech und Zufall lassen eine kleine ägyptische Polizeikapelle in Israel stranden. Statt zur Eröffnung eines arabuschen Kulturzentrum finden sie sich in einem gottverlassenen Nest mitten in der israelischen Wüste wieder. Und da es in dem trostlosen Städtchen auch kein Hotel gibt, muss die schüchterne Truppe private Quartiere für die Nacht finden. Der um Haltung und Würde bemühte Kapellmeister Tewfik (Sasson Gabai) z.B. landet bei der verführerischen Imbiss-Wirtin Dina (Ronit Elkabetz). Nicht nur er und seine Band, auch einige der einheimischen Israelis erleben eine denkwürdige, überaus bewegte Nacht.
Der Hit mehrerer Festivals ist zu Unrecht ein wenig beachteter Geheimtipp im derzeitigen Kinoangebot. "Die Band von nebenan" kreist um die kleinen Gemeinsamkeiten unterschiedlicher Menschen aus zwei Ländern, die seit langer Zeit eine Nachbarschaft des "kalten Friedens" miteinander pflegen. Eran Kolirin hat für seine Betrachtung dieses Kulturenkonflikts keine dramatische Geschichte gewählt, sondern schildert fast schon beiläufig kleine Ereignisse aus einem absurden Alltag liebevoll und augenzwinkernd gezeichneterCharaktere - mit lakonischem Humor, perfektem Timing und schwebender Melancholie.
Bürokratie, Pech und Zufall lassen eine kleine ägyptische Polizeikapelle in Israel stranden. Statt zur Eröffnung eines arabuschen Kulturzentrum finden sie sich in einem gottverlassenen Nest mitten in der israelischen Wüste wieder. Und da es in dem trostlosen Städtchen auch kein Hotel gibt, muss die schüchterne Truppe private Quartiere für die Nacht finden. Der um Haltung und Würde bemühte Kapellmeister Tewfik (Sasson Gabai) z.B. landet bei der verführerischen Imbiss-Wirtin Dina (Ronit Elkabetz). Nicht nur er und seine Band, auch einige der einheimischen Israelis erleben eine denkwürdige, überaus bewegte Nacht.
Der Hit mehrerer Festivals ist zu Unrecht ein wenig beachteter Geheimtipp im derzeitigen Kinoangebot. "Die Band von nebenan" kreist um die kleinen Gemeinsamkeiten unterschiedlicher Menschen aus zwei Ländern, die seit langer Zeit eine Nachbarschaft des "kalten Friedens" miteinander pflegen. Eran Kolirin hat für seine Betrachtung dieses Kulturenkonflikts keine dramatische Geschichte gewählt, sondern schildert fast schon beiläufig kleine Ereignisse aus einem absurden Alltag liebevoll und augenzwinkernd gezeichneterCharaktere - mit lakonischem Humor, perfektem Timing und schwebender Melancholie.
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Dienstag, 5. Februar 2008
"4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage"
ikairos, 12:48h
"4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage", Cristian Mungiu, Rumänien, 2007 ***
Beklemmend, karg, kompromisslos harter Realismus - mit Umschreibungen wie diesen würdigte die Filmkritik den 2007 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichneten Film von Cristian Mungiu über die Atmosphäre im Rumänien kurz vor dem Fall des Ceaucescu-Regimes. Und ja - man braucht einen gute Magen, um diese triste Geschichte um eine illegale Abtreibung inklusive unverstelltem Blick auf den zu entsorgenden Fötus zu ertragen.
Es geht um Otilia und Gabita, zwei Freundinnen, die sich ein Zimmer im Studentenwohnheim in einer rumänischen Kleinstadt, irgendwann Ende der Achtziger Jahre, teilen. Kinderkriegen ist staatlicherseits erwünscht, abtreiben streng verboten. Doch Gabita ist schwanger. Und sie will dieses Baby nicht.
Mühsam haben Otilia und sie genug Geld aufgetrieben, um einen illegalen Engelmacher zu bezahlen. Bis zum Eingriff tun sich jede Menge Hindernisse auf: Das Hotel, in dem Gabita telefonisch ein Zimmer reserviert hat, weist die Mädchen ab. Mr. Bebe, der Engelmacher, ist nicht zufrieden mit der Alternative, und als er merkt, dass Gabita mit ihrer Schwangerschaft schon viel weiter ist, als sie zugegeben hat, verlangt er mehr Geld – das die beiden nicht haben. Mr. Bebe fordert statt des Geldes sexuelle Gegenleistungen ("Ich bin nett zu euch, jetzt sollt ihr auch nett zu mir sein..."). Den Mädchen bleibt keine Wahl. Die Männer kommen schlecht weg in diesem Film: Auch Otilias Freund erweist sich als überfordert und wenig sensibel.
Die Geschichte von Otilia und Gabita und ihrem Höllentrip zur Abtreibung ist einer Bekannten von Cristian Mungiu genau so passiert. Mungiu wirft einen schonungslosen Blick auf ein Regime und auf das, was es aus Menschen macht. Der ohne Musik auskommende Film endet mit der Versicherung der beiden Frauen, nie mehr über das eben Erlebte zu reden. Und mit einem Abendessen in einem Hotel, in dem gerade eine Hochzeit stattfindet. Deshalb gibt es nur die dort angebotenen Gerichte. Die beiden Frauen sehen sich erschöpft und mit trostlosen Augen an. Gefeiert wird anderswo.
Beklemmend, karg, kompromisslos harter Realismus - mit Umschreibungen wie diesen würdigte die Filmkritik den 2007 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichneten Film von Cristian Mungiu über die Atmosphäre im Rumänien kurz vor dem Fall des Ceaucescu-Regimes. Und ja - man braucht einen gute Magen, um diese triste Geschichte um eine illegale Abtreibung inklusive unverstelltem Blick auf den zu entsorgenden Fötus zu ertragen.
Es geht um Otilia und Gabita, zwei Freundinnen, die sich ein Zimmer im Studentenwohnheim in einer rumänischen Kleinstadt, irgendwann Ende der Achtziger Jahre, teilen. Kinderkriegen ist staatlicherseits erwünscht, abtreiben streng verboten. Doch Gabita ist schwanger. Und sie will dieses Baby nicht.
Mühsam haben Otilia und sie genug Geld aufgetrieben, um einen illegalen Engelmacher zu bezahlen. Bis zum Eingriff tun sich jede Menge Hindernisse auf: Das Hotel, in dem Gabita telefonisch ein Zimmer reserviert hat, weist die Mädchen ab. Mr. Bebe, der Engelmacher, ist nicht zufrieden mit der Alternative, und als er merkt, dass Gabita mit ihrer Schwangerschaft schon viel weiter ist, als sie zugegeben hat, verlangt er mehr Geld – das die beiden nicht haben. Mr. Bebe fordert statt des Geldes sexuelle Gegenleistungen ("Ich bin nett zu euch, jetzt sollt ihr auch nett zu mir sein..."). Den Mädchen bleibt keine Wahl. Die Männer kommen schlecht weg in diesem Film: Auch Otilias Freund erweist sich als überfordert und wenig sensibel.
Die Geschichte von Otilia und Gabita und ihrem Höllentrip zur Abtreibung ist einer Bekannten von Cristian Mungiu genau so passiert. Mungiu wirft einen schonungslosen Blick auf ein Regime und auf das, was es aus Menschen macht. Der ohne Musik auskommende Film endet mit der Versicherung der beiden Frauen, nie mehr über das eben Erlebte zu reden. Und mit einem Abendessen in einem Hotel, in dem gerade eine Hochzeit stattfindet. Deshalb gibt es nur die dort angebotenen Gerichte. Die beiden Frauen sehen sich erschöpft und mit trostlosen Augen an. Gefeiert wird anderswo.
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"Prinzessinnenbad"
ikairos, 12:07h
Prinzessinnenbad, Bettina Blümner, D 2007 **
Richtige Berliner Großstadt-Prinzessinnen sind die drei besten Freundinnen Klara, Mina und Tanutscha. Ihr Leben findet zwischen dem legendären Berliner Sommertreffpunkt, dem Prinzenbad, Party, Tratsch, Strebern und Telefon-Flirts statt. Alle drei sind bei ihrer Mutter aufgewachsen, die Väter sind selten da oder verschwunden - auch mit deren Nachbesetzung sind die Lästermäuler nicht immer zufrieden. Nichtsdestotrotz geht Ex-Schulschwänzerin Klara brav in eine Förder-Schule, brütet Tanutscha über ihren Hausaufgaben. Mina ist gerade mit ihrer ersten großen Liebe George voll und ganz beschäftigt. Klara lässt sich von ihren wechselnden türkischen Freunden ("Die einzigen Deutschen, die ich mag, sind Türken") gerne Regeln aufstellen, die sie dann nicht einhält. Die einzige Regel, die sie von ihrer Mutter mit auf den Lebensweg bekommt: "kein Heroin und nicht schwanger werden". Was ihre Berufsziele angeht, ist sie recht vage: "Pornostar... oder Tierpflegerin".
Die typisch rotzigen Sprüche Jugendlicher - und gerade auch solcher aus dem schnoddrigen Berlin - machen einen Gutteil der Attraktivität dieser sympathischen Doku aus. Dennoch hat man als ehemals in der Jugendarbeit Tätiger ein Gefühl der Erleichterung, diesem Alter entronnen zu sein - und der oft aufgesetzten Coolness, den beengenden Ritualen des Dazugehörens mit all dem Dauer-Tschicken und Sich-Niedersaufen, dem Tussigehabe der Mädels und dem Protzgehabe der Jungs (auf das die Kreuzberger Prinzessinnen immerhin angemessen reagieren: "Jaaa, Story, Alter")...
Richtige Berliner Großstadt-Prinzessinnen sind die drei besten Freundinnen Klara, Mina und Tanutscha. Ihr Leben findet zwischen dem legendären Berliner Sommertreffpunkt, dem Prinzenbad, Party, Tratsch, Strebern und Telefon-Flirts statt. Alle drei sind bei ihrer Mutter aufgewachsen, die Väter sind selten da oder verschwunden - auch mit deren Nachbesetzung sind die Lästermäuler nicht immer zufrieden. Nichtsdestotrotz geht Ex-Schulschwänzerin Klara brav in eine Förder-Schule, brütet Tanutscha über ihren Hausaufgaben. Mina ist gerade mit ihrer ersten großen Liebe George voll und ganz beschäftigt. Klara lässt sich von ihren wechselnden türkischen Freunden ("Die einzigen Deutschen, die ich mag, sind Türken") gerne Regeln aufstellen, die sie dann nicht einhält. Die einzige Regel, die sie von ihrer Mutter mit auf den Lebensweg bekommt: "kein Heroin und nicht schwanger werden". Was ihre Berufsziele angeht, ist sie recht vage: "Pornostar... oder Tierpflegerin".
Die typisch rotzigen Sprüche Jugendlicher - und gerade auch solcher aus dem schnoddrigen Berlin - machen einen Gutteil der Attraktivität dieser sympathischen Doku aus. Dennoch hat man als ehemals in der Jugendarbeit Tätiger ein Gefühl der Erleichterung, diesem Alter entronnen zu sein - und der oft aufgesetzten Coolness, den beengenden Ritualen des Dazugehörens mit all dem Dauer-Tschicken und Sich-Niedersaufen, dem Tussigehabe der Mädels und dem Protzgehabe der Jungs (auf das die Kreuzberger Prinzessinnen immerhin angemessen reagieren: "Jaaa, Story, Alter")...
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Montag, 7. Januar 2008
"Tödliche Versprechen - Eastern Promises"
ikairos, 11:42h
"Tödliche Versprechen - Eastern Promises", David Cronenberg, GB/USA 2007. ***
Das Duo Cronenberg (Regie) und Viggo Mortensen (Hauptdarsteller) hat schon einmal - bei "A History Of Violence" - hervorragend funktioniert. Auch der neue Film des kanadischen Filmregisseurs rund um die Russenmafia in London ist spannend und effektvoll, und der Aragorn-Darsteller aus "Der Herr der Ringe" gibt einen glaubwürdigen "Fahrer" Nikolai ab, der die Drecksarbeit für seinen "Paten" Semyon (Armin Mueller-Stahl) und dessen saufenden und cholerischen Sohn Kirill (Vincent Cassel) macht. Die Szene, als ihm zwei tschetschenische Killer in der Sauna einen Kampf auf Leben und Tod liefern, ist ein z.B. Highlight, das lange nachwirkt.
Und doch: Als die Hebamme Anna (Naomi Watts) im Lokal Semyons auftaucht, weil sie eben eine sterbende Zwangsprostituierte aus Osteuropa entband und auf der Suche nach der Familie des neugeborenen Waisenkindes den Spuren in einem Tagebuch nachgeht, kommt es neben subtilem Terror auch zu Ungereimtheiten:
Nikolai stellt sich als Undercover-Ermittler heraus, der seinen Chef ans Messer liefert und selbst in der Mafia-Hierarchie ganz nach oben kommt. Ob das Gespinst aus Drogen- und Mädchenhandel aber dann duchschlagen wird, bleibt offen. Und auch dass die Tschetschenen ihrer Rache an dem Paten-Sohn nicht nachkommen können, weil sich der vermeintliche Kirill (Nikolai) auch nackt als zu wehrhaft erweist, und die Sache offenbar auf sich beruhen lassen, ist nicht nachvollziehbar.
Sehenswert ist der Film allemal, aber wer Spannung UND Stringenz sucht, ist mit "A History Of Violence" besser bedient.
Das Duo Cronenberg (Regie) und Viggo Mortensen (Hauptdarsteller) hat schon einmal - bei "A History Of Violence" - hervorragend funktioniert. Auch der neue Film des kanadischen Filmregisseurs rund um die Russenmafia in London ist spannend und effektvoll, und der Aragorn-Darsteller aus "Der Herr der Ringe" gibt einen glaubwürdigen "Fahrer" Nikolai ab, der die Drecksarbeit für seinen "Paten" Semyon (Armin Mueller-Stahl) und dessen saufenden und cholerischen Sohn Kirill (Vincent Cassel) macht. Die Szene, als ihm zwei tschetschenische Killer in der Sauna einen Kampf auf Leben und Tod liefern, ist ein z.B. Highlight, das lange nachwirkt.
Und doch: Als die Hebamme Anna (Naomi Watts) im Lokal Semyons auftaucht, weil sie eben eine sterbende Zwangsprostituierte aus Osteuropa entband und auf der Suche nach der Familie des neugeborenen Waisenkindes den Spuren in einem Tagebuch nachgeht, kommt es neben subtilem Terror auch zu Ungereimtheiten:
Nikolai stellt sich als Undercover-Ermittler heraus, der seinen Chef ans Messer liefert und selbst in der Mafia-Hierarchie ganz nach oben kommt. Ob das Gespinst aus Drogen- und Mädchenhandel aber dann duchschlagen wird, bleibt offen. Und auch dass die Tschetschenen ihrer Rache an dem Paten-Sohn nicht nachkommen können, weil sich der vermeintliche Kirill (Nikolai) auch nackt als zu wehrhaft erweist, und die Sache offenbar auf sich beruhen lassen, ist nicht nachvollziehbar.
Sehenswert ist der Film allemal, aber wer Spannung UND Stringenz sucht, ist mit "A History Of Violence" besser bedient.
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