Dienstag, 22. Juli 2008
"Bank Job"
ikairos, 18:41h
"Bank Job". Roger Donaldson, GB 2008. ****
Es beginnt mit einer Sexszene im Meer und dann zu dritt im karibischen Bettchen, die heimlich fotographiert wird. Beteiligt ist - wie man später erfährt - das Enfant Terrible des britischen Königshauses, Prinzessin Margaret. Kämen die Fotos in Umlauf, wäre ihre Schwester, Queen Elisabeth II., wie man so schön sagt "very not amused". Ein karibischer Gangster macht sich diesen Umstand zunutze, um in good old England seinen Machenschaften nachgehen zu können. Der Geheimdienst wird aktiv und setzt eine Gruppe von Kleinkriminellen auf die Schließfächer der Lloyds Bank an, in denen auch sonst so manch brisantes Material verborgen ist.
Die nichtsahnende Truppe um den Werkstattbesitzer Terry Leather gerät ins Fadenkreuz von Großkriminellen, Polizei, Geheimdienst und Politik. Als sie erfolgreich in den Tresorraum der Bank eingedringen und mit reichlich Geld, Schmuck und Dokumenten gefolhen sind, fangen ihre Schwierigkeiten erst so richtig an. Denn mit aller Gewalt wird zu verhindern gesucht, dass brisante Sexfotos hochrangiger Politiker, aber auch Aufzeichnungen über Schmiergeldzahlungen an die Polizei publik werden.
Die Handlung spielt im September 1971 und beruht zum Teil auf einem historischen Fall - nämlich dem erfolgreichsten Banküberfall der britischen Kriminalgeschichte und einem Korruptionsskandal ersten Ranges. Und von Prinzessin Margaret heißt es auf wikipedia, dass sie ihre Urlaube, oft mit außerehelichen Partnern, regelmäßig in ihrem Haus auf der Karibikinsel Mustique verbrachte.
Dies im Hinterkopf, macht es gleich noch viel mehr Spaß, dieser spannend inszenierten und mit passendem Early-70ies-Pop angereicherten Story zu folgen.
Es beginnt mit einer Sexszene im Meer und dann zu dritt im karibischen Bettchen, die heimlich fotographiert wird. Beteiligt ist - wie man später erfährt - das Enfant Terrible des britischen Königshauses, Prinzessin Margaret. Kämen die Fotos in Umlauf, wäre ihre Schwester, Queen Elisabeth II., wie man so schön sagt "very not amused". Ein karibischer Gangster macht sich diesen Umstand zunutze, um in good old England seinen Machenschaften nachgehen zu können. Der Geheimdienst wird aktiv und setzt eine Gruppe von Kleinkriminellen auf die Schließfächer der Lloyds Bank an, in denen auch sonst so manch brisantes Material verborgen ist.
Die nichtsahnende Truppe um den Werkstattbesitzer Terry Leather gerät ins Fadenkreuz von Großkriminellen, Polizei, Geheimdienst und Politik. Als sie erfolgreich in den Tresorraum der Bank eingedringen und mit reichlich Geld, Schmuck und Dokumenten gefolhen sind, fangen ihre Schwierigkeiten erst so richtig an. Denn mit aller Gewalt wird zu verhindern gesucht, dass brisante Sexfotos hochrangiger Politiker, aber auch Aufzeichnungen über Schmiergeldzahlungen an die Polizei publik werden.
Die Handlung spielt im September 1971 und beruht zum Teil auf einem historischen Fall - nämlich dem erfolgreichsten Banküberfall der britischen Kriminalgeschichte und einem Korruptionsskandal ersten Ranges. Und von Prinzessin Margaret heißt es auf wikipedia, dass sie ihre Urlaube, oft mit außerehelichen Partnern, regelmäßig in ihrem Haus auf der Karibikinsel Mustique verbrachte.
Dies im Hinterkopf, macht es gleich noch viel mehr Spaß, dieser spannend inszenierten und mit passendem Early-70ies-Pop angereicherten Story zu folgen.
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"Kung Fu Panda"
ikairos, 18:18h
"Kung Fu Panda", Mark Osborne/John Stevenson, USA 2008. ***
Und wieder so ein Animationsfilm der Marke "Für die ganze Familie"... - diesmal mit einem tollpatschigen Panda im Mittelpunkt, der die fernöstlichen Martial Arts-Streifen karikiert. Es geht um Po, der davon träumt, mit den „Furiosen Fünf“ in Gestalt einer Tigerin, eines Affen, eines Kranichs, einer Schlange und ... ähm - einer Gottesanbeterin? gegen das Böse in der Welt zu kämpfen. Sein Vater, ein betulicher Erpel, hat freilich ganz andere Pläne für den jüngsten Spross seiner Nudelverkäufer-Dynastie. Doch dann wird Po durch einen Zufall von der Kung-Fu-Großmeister-Schildkröte Oogway zum
"Drachenkrieger“ erklärt. Fortan muss sich Po dem harten Training von Meister Shifu unterziehen, der davor schon den „Furiosen Fünf“, aber auch dem späteren Bösewicht Tai Lung alles beibrachte, was ein wackerer Kämpfer so alles drauf haben muss. Shifu glaubt an eine Fehlentscheidung Oogways, muss aber dann doch erkennen, dass Po mehr zu leisten imstande ist, als man ihm und er sich selbst zugetraut hätte.
Folge deiner Bestimmung, lautet also eine Botschaft des Filmes. Und: Trau dir zu, den vorgezeichneten Weg zu verlassen und ganz du selbst zu werden. Dies ist einfach gestrickt und doch immer wieder ganz unterhaltsam, z.B. in Form des nuancenreichen Mienenspiels von Po.
DreamWorks Animation erreichte das Niveau früherer Produktionen wie „Shrek“ oder zuletzt "Madagascar" mit „Kung Fu Panda“ nicht ganz, dazu sind die Scherze zu sehr auf Pos Ungeschicklichkeit (aus der allzu plötzlich Wehrhaftigkeit wird) fokussiert und viele Figuren zu eindimensional geraten.
Und wieder so ein Animationsfilm der Marke "Für die ganze Familie"... - diesmal mit einem tollpatschigen Panda im Mittelpunkt, der die fernöstlichen Martial Arts-Streifen karikiert. Es geht um Po, der davon träumt, mit den „Furiosen Fünf“ in Gestalt einer Tigerin, eines Affen, eines Kranichs, einer Schlange und ... ähm - einer Gottesanbeterin? gegen das Böse in der Welt zu kämpfen. Sein Vater, ein betulicher Erpel, hat freilich ganz andere Pläne für den jüngsten Spross seiner Nudelverkäufer-Dynastie. Doch dann wird Po durch einen Zufall von der Kung-Fu-Großmeister-Schildkröte Oogway zum
"Drachenkrieger“ erklärt. Fortan muss sich Po dem harten Training von Meister Shifu unterziehen, der davor schon den „Furiosen Fünf“, aber auch dem späteren Bösewicht Tai Lung alles beibrachte, was ein wackerer Kämpfer so alles drauf haben muss. Shifu glaubt an eine Fehlentscheidung Oogways, muss aber dann doch erkennen, dass Po mehr zu leisten imstande ist, als man ihm und er sich selbst zugetraut hätte.
Folge deiner Bestimmung, lautet also eine Botschaft des Filmes. Und: Trau dir zu, den vorgezeichneten Weg zu verlassen und ganz du selbst zu werden. Dies ist einfach gestrickt und doch immer wieder ganz unterhaltsam, z.B. in Form des nuancenreichen Mienenspiels von Po.
DreamWorks Animation erreichte das Niveau früherer Produktionen wie „Shrek“ oder zuletzt "Madagascar" mit „Kung Fu Panda“ nicht ganz, dazu sind die Scherze zu sehr auf Pos Ungeschicklichkeit (aus der allzu plötzlich Wehrhaftigkeit wird) fokussiert und viele Figuren zu eindimensional geraten.
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Montag, 30. Juni 2008
"Dialog mit meinem Gärtner"
ikairos, 14:42h
"Dialog mit meinem Gärtner" (Dialogue avec mon jardinier). Jean Becker, Fr. 2007 ***
Ein erfolgreicher Maler in seinen Fünfzigern (Daniel Auteuil) verlässt Paris und kehrt in das Haus seiner Kindheit auf dem Lande zurück. Der in Scheidung lebende Künstler sucht per Zeitungsannonce jemanden, der sich um den vernachlässigten großen Garten des Grundstücks kümmert. Gleich mit dem ersten Bewerber begegnet ihm Léo (Jean-Pierre Darroussin) wieder, ein Klassenkamerad aus Schulzeiten und jetzt pensionierter Eisenbahner. Die beiden Männer frischen Erinnerungen auf, allmählich entwickelt sich in langen Gesprächen über Gott und die Welt eine enge Freundschaft zwischen dem Intellektuellen und dem einfachen Arbeiter mit der Leidenschaft fürs Gärtnern. "Jeder lernt vom Anderen eine neue Perspektive auf kleine und große Dinge des Lebens", heißt es in der Film-Info. "Dujardin" und "Dupinceau" (Gartenbauer und Pinselhuber), wie sich die beiden Freunde bald nur noch liebevoll spöttisch nennen, stehen sich schließlich auch in Krise und Krankheit bei.
Jean Beckers "Dialog mit meinem Gärtner" ist mit seinem manchmal etwas plakativ geratenen Loblied auf das einfache, unverfälschte Leben auf dem Lande allzu idyllisch geraten - und dennoch sehenswert. Nicht nur wegen der exzellenten Besetzung (Hat Auteuil schon mal einen wirklich schlechten Film gemacht? Mein Favorit: "Ein Herz im Winter", 1992!), sondern auch, weil er nachdenklich macht: Lohnt sich Milieuüberschreitung nicht immer wieder mal, wenn man sich auf Menschen einlässt? Muss es wirklich unüberbrückbar trennen, wenn der eine hochklassige Malerei und der andere eine Geschmacksverirrung von Pferd an der Wohnzimmerwand hängen hat? Und dabei fällt mir Onkel Peter ein, der "Mundl von Kapfenberg", der mich Jugendlichen manchmal zum Frühschoppen mitnahm und mir das Gefühl gab, wichtig zu sein...
Ein erfolgreicher Maler in seinen Fünfzigern (Daniel Auteuil) verlässt Paris und kehrt in das Haus seiner Kindheit auf dem Lande zurück. Der in Scheidung lebende Künstler sucht per Zeitungsannonce jemanden, der sich um den vernachlässigten großen Garten des Grundstücks kümmert. Gleich mit dem ersten Bewerber begegnet ihm Léo (Jean-Pierre Darroussin) wieder, ein Klassenkamerad aus Schulzeiten und jetzt pensionierter Eisenbahner. Die beiden Männer frischen Erinnerungen auf, allmählich entwickelt sich in langen Gesprächen über Gott und die Welt eine enge Freundschaft zwischen dem Intellektuellen und dem einfachen Arbeiter mit der Leidenschaft fürs Gärtnern. "Jeder lernt vom Anderen eine neue Perspektive auf kleine und große Dinge des Lebens", heißt es in der Film-Info. "Dujardin" und "Dupinceau" (Gartenbauer und Pinselhuber), wie sich die beiden Freunde bald nur noch liebevoll spöttisch nennen, stehen sich schließlich auch in Krise und Krankheit bei.
Jean Beckers "Dialog mit meinem Gärtner" ist mit seinem manchmal etwas plakativ geratenen Loblied auf das einfache, unverfälschte Leben auf dem Lande allzu idyllisch geraten - und dennoch sehenswert. Nicht nur wegen der exzellenten Besetzung (Hat Auteuil schon mal einen wirklich schlechten Film gemacht? Mein Favorit: "Ein Herz im Winter", 1992!), sondern auch, weil er nachdenklich macht: Lohnt sich Milieuüberschreitung nicht immer wieder mal, wenn man sich auf Menschen einlässt? Muss es wirklich unüberbrückbar trennen, wenn der eine hochklassige Malerei und der andere eine Geschmacksverirrung von Pferd an der Wohnzimmerwand hängen hat? Und dabei fällt mir Onkel Peter ein, der "Mundl von Kapfenberg", der mich Jugendlichen manchmal zum Frühschoppen mitnahm und mir das Gefühl gab, wichtig zu sein...
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"Herzausreißer"
ikairos, 14:42h
"Herzausreißer". Karin Berger, Ö 2008. ***1/2
Eine Doku über das Wienerlied anschauen, noch dazu im Kino, also für Geld?!? Das sei fern von mir, hätte ich wohl noch vor zehn Jahren betont. Raunzerischer Kitsch und larmayante Heurigenseligkeit - das waren meine Assoziationen, dazu eine generelle Skepsis gegenüber allen heimischen Profeten (ich hatte nie eine "Es lebe der Zentralfriedhof"-Phase, sogar Danzer hab ich nie sonderlich beachtet und Attwenger nur von sehr fern gemocht).
Doch mit zunehmendem Alter wird man (also: ich) milder, und manchmal sogar offener für neues Altes: Die in Karin Bergers informativer, unterhaltsamer und musikalisch durchaus anregender Doku versammelten Interpreten zeitgenössischer Wiener Musik lohnen allemal die Hinterfragung bisheriger ästhetischer Scheuklappen. Das trinkfest-anarchische "Kollegium Kalksburg" hab ich ja immerhin schon als CD verschenkt, aber den Wiener Lokalgiganten Roland Neuwirth hab ich bisher ignoriert und von den urig-kritischen "Strottern" oder dem virtuosen Walther Soyka hatte ich bisher nichteinmal gehört. Und dabei viel versäumt.
Und hat Neuwirth nicht Recht, wenn er meint, überall in der Welt bedienen sich Musiker aus dem Fundus ihrer musikalischen Tradition. Nur hierzulande stellt man sich fast ins Out, wenn man auf die Nagl Mally, Hermann Leopoldi, Karl Hodina o.a. Bezug nimmt. Auch für mich Ex-Germanisten waren die musikalischen Verbeugungen vor Literaten wie Ernst Jandl und H.C. Artmann ein lustvolles Spiel mit österreichischer Identität, das gottlob nie ganz ohne Ironie auskommt.
Eine Doku über das Wienerlied anschauen, noch dazu im Kino, also für Geld?!? Das sei fern von mir, hätte ich wohl noch vor zehn Jahren betont. Raunzerischer Kitsch und larmayante Heurigenseligkeit - das waren meine Assoziationen, dazu eine generelle Skepsis gegenüber allen heimischen Profeten (ich hatte nie eine "Es lebe der Zentralfriedhof"-Phase, sogar Danzer hab ich nie sonderlich beachtet und Attwenger nur von sehr fern gemocht).
Doch mit zunehmendem Alter wird man (also: ich) milder, und manchmal sogar offener für neues Altes: Die in Karin Bergers informativer, unterhaltsamer und musikalisch durchaus anregender Doku versammelten Interpreten zeitgenössischer Wiener Musik lohnen allemal die Hinterfragung bisheriger ästhetischer Scheuklappen. Das trinkfest-anarchische "Kollegium Kalksburg" hab ich ja immerhin schon als CD verschenkt, aber den Wiener Lokalgiganten Roland Neuwirth hab ich bisher ignoriert und von den urig-kritischen "Strottern" oder dem virtuosen Walther Soyka hatte ich bisher nichteinmal gehört. Und dabei viel versäumt.
Und hat Neuwirth nicht Recht, wenn er meint, überall in der Welt bedienen sich Musiker aus dem Fundus ihrer musikalischen Tradition. Nur hierzulande stellt man sich fast ins Out, wenn man auf die Nagl Mally, Hermann Leopoldi, Karl Hodina o.a. Bezug nimmt. Auch für mich Ex-Germanisten waren die musikalischen Verbeugungen vor Literaten wie Ernst Jandl und H.C. Artmann ein lustvolles Spiel mit österreichischer Identität, das gottlob nie ganz ohne Ironie auskommt.
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Freitag, 23. Mai 2008
"Iron Man"
ikairos, 13:23h
"Iron Man". Jon Favreau, USA 2008 ***1/2
Wer (so wie ich) kreative Comics-Verfilmungen mag, mag auch Robert Downey Jr.s actionreiche und vergnügliche Darstellung des Technik-Genies und Waffenkonzern-Chefs Tony Stark, der vom Saulus zum Paulus wird: Tony Damaskuserlebnis ist seine Entführung durch Terroristen in Afghanistan, die ihn aus seinem arroganten Playboyleben reißt und ihm vor Augen hält, was seine Waffen so alles anrichten. Er wird zu Iron Man, einer Art fliegender Superwaffe in Menschengestalt, und bekämpft fortan das, wovon er zuvor gemäß der Logik und dem Zynismus der US-Außenpolitik profitiert hat. Kein Wunder, dass er bald selbst zum Zielobjekt der Airforce-Abfangjäger wird...
Robert Downey Jr. galt - wegen seines Vorlebens als "Tony Stark in Phase 1" - als Risikobesetzung für Marvel-Studios, erwies sich aber als Goldgriff: So ironisch und smart muss man die Superheldenrolle anlegen, denn allzu ernst zu nehmen ist das Genre ja nicht. Und auch Jeff Bridges als Tonys böööser Geschäftspartner Obadiah Stane überzeugt, etwas weniger Gwyneth Paltrow als eine Art Miss Moneypenny.
Fazit: Iron Man kann mit meinen favourites Batman und Spiderman durchaus mithalten. Bestes Action-Kino ohne besonderen Tiefgang (trotz der Seitenhiebe für die Waffenlobby, die eben mit einer noch besseren Waffe bekämpft werden muss), aber mit beträchtlichem Unterhaltungswert.
Wer (so wie ich) kreative Comics-Verfilmungen mag, mag auch Robert Downey Jr.s actionreiche und vergnügliche Darstellung des Technik-Genies und Waffenkonzern-Chefs Tony Stark, der vom Saulus zum Paulus wird: Tony Damaskuserlebnis ist seine Entführung durch Terroristen in Afghanistan, die ihn aus seinem arroganten Playboyleben reißt und ihm vor Augen hält, was seine Waffen so alles anrichten. Er wird zu Iron Man, einer Art fliegender Superwaffe in Menschengestalt, und bekämpft fortan das, wovon er zuvor gemäß der Logik und dem Zynismus der US-Außenpolitik profitiert hat. Kein Wunder, dass er bald selbst zum Zielobjekt der Airforce-Abfangjäger wird...
Robert Downey Jr. galt - wegen seines Vorlebens als "Tony Stark in Phase 1" - als Risikobesetzung für Marvel-Studios, erwies sich aber als Goldgriff: So ironisch und smart muss man die Superheldenrolle anlegen, denn allzu ernst zu nehmen ist das Genre ja nicht. Und auch Jeff Bridges als Tonys böööser Geschäftspartner Obadiah Stane überzeugt, etwas weniger Gwyneth Paltrow als eine Art Miss Moneypenny.
Fazit: Iron Man kann mit meinen favourites Batman und Spiderman durchaus mithalten. Bestes Action-Kino ohne besonderen Tiefgang (trotz der Seitenhiebe für die Waffenlobby, die eben mit einer noch besseren Waffe bekämpft werden muss), aber mit beträchtlichem Unterhaltungswert.
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Mittwoch, 21. Mai 2008
"Revanche"
ikairos, 19:10h
"Revanche". Götz Spielmann; Österreich 2008. ****
Alex (Johannes Krisch) ist Ex-Häftling und Handlanger eines Zuhälters, und er liebt Tamara (Irina Potapenko), eine aus der Ukraine stammende Prostituierte. Beide sehnen sich nach einem besseren Leben und überfallen eine Bank in der Provinz. Zufällig gerät der Polizist Robert (Andreas Lust) in das Geschehen, er schießt auf das Fluchtauto und trifft Tamara tödlich. Alex taucht bei seinem Großvater nahe dem Tatort unter und sinnt auf Rache. Susanne (Ursula Strauss), die Frau des von Skrupeln geplagten Todesschützen, sucht die Nähe des grobschlächtigen Alex und eröffnet dem von Verzweiflung verhärteten Bankräuber damit eine Möglichkeit zur "Revanche".
Das ist der Inhalt des beeindruckenden zweistündigen Dramas, zu dem Regisseur Götz Spielmann selbst das Drehbuch schrieb. Gedreht wurde in Niederösterreich und Wien - teils im Rotlichtmilieu, und angenehm "österreichisch" sind auch die lakonischen, knappen Dialoge etwa zwischen dem Großvater und seinem Enkel, die trotz der tragischen Handlung immer wieder für Schmunzeln sorgt. Brillant auch die Kamera von Martin Gschlacht und das optische Leitmotiv des Films: Ein all seiner Perspektive beraubter Mann arbeitet wie ein Berserker an einem riesigen Holzhaufen seine Schuld, sein Versagen, seine Wut ab. Alex hilft damit seinem alt gewordenen einzigen Vertrauten, dem alten Hausner, seinem Großvater. Und indem er gebraucht wird, gewinnt er einen Ort im Leben...
Fazit: Ein wirklich sehenswerter, bestens besetzter österreichischer Film, meiner Ansicht nach besser als die Oscar-prämierten "Fälscher" Stefan Ruzowitzkys.
Alex (Johannes Krisch) ist Ex-Häftling und Handlanger eines Zuhälters, und er liebt Tamara (Irina Potapenko), eine aus der Ukraine stammende Prostituierte. Beide sehnen sich nach einem besseren Leben und überfallen eine Bank in der Provinz. Zufällig gerät der Polizist Robert (Andreas Lust) in das Geschehen, er schießt auf das Fluchtauto und trifft Tamara tödlich. Alex taucht bei seinem Großvater nahe dem Tatort unter und sinnt auf Rache. Susanne (Ursula Strauss), die Frau des von Skrupeln geplagten Todesschützen, sucht die Nähe des grobschlächtigen Alex und eröffnet dem von Verzweiflung verhärteten Bankräuber damit eine Möglichkeit zur "Revanche".
Das ist der Inhalt des beeindruckenden zweistündigen Dramas, zu dem Regisseur Götz Spielmann selbst das Drehbuch schrieb. Gedreht wurde in Niederösterreich und Wien - teils im Rotlichtmilieu, und angenehm "österreichisch" sind auch die lakonischen, knappen Dialoge etwa zwischen dem Großvater und seinem Enkel, die trotz der tragischen Handlung immer wieder für Schmunzeln sorgt. Brillant auch die Kamera von Martin Gschlacht und das optische Leitmotiv des Films: Ein all seiner Perspektive beraubter Mann arbeitet wie ein Berserker an einem riesigen Holzhaufen seine Schuld, sein Versagen, seine Wut ab. Alex hilft damit seinem alt gewordenen einzigen Vertrauten, dem alten Hausner, seinem Großvater. Und indem er gebraucht wird, gewinnt er einen Ort im Leben...
Fazit: Ein wirklich sehenswerter, bestens besetzter österreichischer Film, meiner Ansicht nach besser als die Oscar-prämierten "Fälscher" Stefan Ruzowitzkys.
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Dienstag, 13. Mai 2008
"Tödliche Entscheidung" (Before the Devil Knows You’re Dead)
ikairos, 16:38h
"Tödliche Entscheidung" (Before the Devil Knows You’re Dead); Sidney Lumet, USA 2007 ***1/2
Als durwegs gelungene, hochspannende Mixtur aus Krimi, Thriller und Charakterstudie beschrieben Kritiker einhellig euphorisch Sidney Lumets jüngstes Alterswerk "Before the Devil Knows You’re Dead" (der deutscher Verleihtitel "Tödliche Entscheidung" ist in seiner Unoriginalität fast schon eine Zumutung!). Ich ging also mit hohen Erwartungen ins Kino, sah einen durchaus sehenswerten Film - und war dennoch etwas enttäuscht. Denn für einen Krimi bleibt zuwenig zu rätseln und zu klären; für einen Thriller wird die Story zu ruhig, ja fast behäbig erzählt und für eine Charakterstudie ist das konfliktreiche Beziehungsgeflecht zwischen den beiden Brüdern und ihren Eltern zu wenig differenziert gezeichnet.
Der Plot: Andy (großartig: Philip Seymour Hoffman) ist als Chefbuchhalter einer Immobilenfirma zwar vordergründig erfolgreich und mit einer schönen Frau verheiratet, durch seine Drogensucht und daraus resultierenden Unterschlagungen aber ebenso in Geldnot wie sein jüngerer Bruder Hank (Ethan Hawke), geschieden, mit seinen Unterhaltszahlungen für seine Tochter im Verzug, Liebhaber ausgerechnet von Andys frustrierter Frau und ein richtiger Loser. Andy schlägt Hank einen totsicheren Coup vor: das wenig bewachte, jedoch gut versicherte Juwelliergeschäft der Eltern zu überfallen. Hank soll den Überfall durchführen, doch der fühlt sich dem nicht gewachsen und engagiert den Ganoven Bobby als Komplizen. Im Laden trifft der auf Andys und Hanks Mutter und nicht wie erwartet auf eine andere Angestellte. Es kommt zu einem Schusswechsel, bei dem Bobby sofort ums Leben kommt, die Mutter stirbt wenige Tage darauf.
Hank flieht in Panik, wird bald darauf von Bobbys Schwager bedrängt, eine Entschädigung an die Witwe zu zahlen. Auch Andy gerät unter Druck: durch eine Finanzprüfung in seiner Firma und durch Nachforschungen seines Vaters (Albert Finney), dem die Ermittlungen der Polizei zu langsam gehen. In die Enge getrieben und inzwischen von seiner Frau verlassen, sieht Andy sein Leben zerbröseln und läuft Amok. Er erschießt bei einem Raubüberfall seinen Dealer und einen anderen Kunden, dann auch noch Bobbys Schwager und um ein Haar seinen Bruder Hank, der ihm Hörner aufgesetzt hat. Nach dem Prinzip "Aug um Aug, Zahn um Zahn" sorgt jedoch der Vater für Andys Bestrafung. Was aus Hank wird, erfährt das Publikum nicht (warum eigentlich?).
Die Dramaturgie Struktur des Films springt gegen die Chronologie zwischen verschiedenen Zeitpunkten in der Geschichte. Mal wird über ein paar Tage vor dem Überfall erzählt, dann vom Tag des Überfalls, dann wieder der Tag davor, dann kurz danach: Meist weiß man somit bereits, was als nächstes geschehen wird. Nur zum Ende hin gewinnt der Film an Rasanz.
Als durwegs gelungene, hochspannende Mixtur aus Krimi, Thriller und Charakterstudie beschrieben Kritiker einhellig euphorisch Sidney Lumets jüngstes Alterswerk "Before the Devil Knows You’re Dead" (der deutscher Verleihtitel "Tödliche Entscheidung" ist in seiner Unoriginalität fast schon eine Zumutung!). Ich ging also mit hohen Erwartungen ins Kino, sah einen durchaus sehenswerten Film - und war dennoch etwas enttäuscht. Denn für einen Krimi bleibt zuwenig zu rätseln und zu klären; für einen Thriller wird die Story zu ruhig, ja fast behäbig erzählt und für eine Charakterstudie ist das konfliktreiche Beziehungsgeflecht zwischen den beiden Brüdern und ihren Eltern zu wenig differenziert gezeichnet.
Der Plot: Andy (großartig: Philip Seymour Hoffman) ist als Chefbuchhalter einer Immobilenfirma zwar vordergründig erfolgreich und mit einer schönen Frau verheiratet, durch seine Drogensucht und daraus resultierenden Unterschlagungen aber ebenso in Geldnot wie sein jüngerer Bruder Hank (Ethan Hawke), geschieden, mit seinen Unterhaltszahlungen für seine Tochter im Verzug, Liebhaber ausgerechnet von Andys frustrierter Frau und ein richtiger Loser. Andy schlägt Hank einen totsicheren Coup vor: das wenig bewachte, jedoch gut versicherte Juwelliergeschäft der Eltern zu überfallen. Hank soll den Überfall durchführen, doch der fühlt sich dem nicht gewachsen und engagiert den Ganoven Bobby als Komplizen. Im Laden trifft der auf Andys und Hanks Mutter und nicht wie erwartet auf eine andere Angestellte. Es kommt zu einem Schusswechsel, bei dem Bobby sofort ums Leben kommt, die Mutter stirbt wenige Tage darauf.
Hank flieht in Panik, wird bald darauf von Bobbys Schwager bedrängt, eine Entschädigung an die Witwe zu zahlen. Auch Andy gerät unter Druck: durch eine Finanzprüfung in seiner Firma und durch Nachforschungen seines Vaters (Albert Finney), dem die Ermittlungen der Polizei zu langsam gehen. In die Enge getrieben und inzwischen von seiner Frau verlassen, sieht Andy sein Leben zerbröseln und läuft Amok. Er erschießt bei einem Raubüberfall seinen Dealer und einen anderen Kunden, dann auch noch Bobbys Schwager und um ein Haar seinen Bruder Hank, der ihm Hörner aufgesetzt hat. Nach dem Prinzip "Aug um Aug, Zahn um Zahn" sorgt jedoch der Vater für Andys Bestrafung. Was aus Hank wird, erfährt das Publikum nicht (warum eigentlich?).
Die Dramaturgie Struktur des Films springt gegen die Chronologie zwischen verschiedenen Zeitpunkten in der Geschichte. Mal wird über ein paar Tage vor dem Überfall erzählt, dann vom Tag des Überfalls, dann wieder der Tag davor, dann kurz danach: Meist weiß man somit bereits, was als nächstes geschehen wird. Nur zum Ende hin gewinnt der Film an Rasanz.
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Freitag, 2. Mai 2008
"Once". John Carney, Irl. 2006.
ikairos, 17:30h
"Once". John Carney, IRL 2006.****
Der irische Low Budget-Film "Once" schafft etwas Einzigartiges: Die Intensität seelenvollen Songwritings auf die große Leinwand zu übertragen. Zu Recht avancierte das unpretenziöse Indie-Musical deshalb nicht nur in den USA zum echten Hit und sammelte zahlreiche Auszeichnungen (der Song "Falling Slowly" bekam sogar einen Oscar). Selten hat sich ein Musikfilm verletzlicher und nackter gezeigt, und kaum je zuvor wurde die Faszination des Singer/Song-writings in emotional besser verständliche Bilder gepackt.
Erzählt wird die Geschichte eines Dubliner Straßenmusikers (Glen Hansard von der irischen Band "The Frames"), der tagsüber Staubsauger repariert, um abends seine selbst geschriebenen Songs in der Fußgängerzone zu spielen. Er begegnet einer jungen Pianistin aus Tschechien (Markéta Irglová), die sich als Putzfrau und Blumenverkäuferin durchschlägt - und dazu ihre Mutter und kleine Tochter. Das Leben des in sympathischer Melancholie erstarrten Helden nimmt durch die gemeinsame Liebe zweier sehr unterschiedlicher Menschen zur Musik endlich Fahrt auf; er nimmt mit Hilfe seiner tschechischen Freundin, seine Songs in einem Tonstudio auf und wagt den Absprung nach London.
Regisseur John Carney spielte früher selbst in Glen Hansards Band "The Frames". Mit "Once" schuf er einen authentischen und auch ästhetisch mutigen Film, der sich traut, die Songs zum Hauptgegenstand der Handlung zu machen. Statt ein paar kurzer effektheischender Einblendungen werden etwa zehn extra für diesen Film komponierte Lieder des charismatischen Glen Hansard im Film ausgespielt. Und das ist nie langweilig, weil die Kamera den zerbrechlichen Darbietungen der Musiker fast schon liebevoll über die Schulter schaut. Als Zuschauer fühlte ich mich, als wäre ich Teil eines intimen Vorspielens von berührenden Songs, die einem lang nicht aus dem Kopf gehen.
Der irische Low Budget-Film "Once" schafft etwas Einzigartiges: Die Intensität seelenvollen Songwritings auf die große Leinwand zu übertragen. Zu Recht avancierte das unpretenziöse Indie-Musical deshalb nicht nur in den USA zum echten Hit und sammelte zahlreiche Auszeichnungen (der Song "Falling Slowly" bekam sogar einen Oscar). Selten hat sich ein Musikfilm verletzlicher und nackter gezeigt, und kaum je zuvor wurde die Faszination des Singer/Song-writings in emotional besser verständliche Bilder gepackt.
Erzählt wird die Geschichte eines Dubliner Straßenmusikers (Glen Hansard von der irischen Band "The Frames"), der tagsüber Staubsauger repariert, um abends seine selbst geschriebenen Songs in der Fußgängerzone zu spielen. Er begegnet einer jungen Pianistin aus Tschechien (Markéta Irglová), die sich als Putzfrau und Blumenverkäuferin durchschlägt - und dazu ihre Mutter und kleine Tochter. Das Leben des in sympathischer Melancholie erstarrten Helden nimmt durch die gemeinsame Liebe zweier sehr unterschiedlicher Menschen zur Musik endlich Fahrt auf; er nimmt mit Hilfe seiner tschechischen Freundin, seine Songs in einem Tonstudio auf und wagt den Absprung nach London.
Regisseur John Carney spielte früher selbst in Glen Hansards Band "The Frames". Mit "Once" schuf er einen authentischen und auch ästhetisch mutigen Film, der sich traut, die Songs zum Hauptgegenstand der Handlung zu machen. Statt ein paar kurzer effektheischender Einblendungen werden etwa zehn extra für diesen Film komponierte Lieder des charismatischen Glen Hansard im Film ausgespielt. Und das ist nie langweilig, weil die Kamera den zerbrechlichen Darbietungen der Musiker fast schon liebevoll über die Schulter schaut. Als Zuschauer fühlte ich mich, als wäre ich Teil eines intimen Vorspielens von berührenden Songs, die einem lang nicht aus dem Kopf gehen.
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Donnerstag, 24. April 2008
"Schmetterling und Taucherglocke"
ikairos, 16:56h
"Schmetterling und Taucherglocke" (Le Scaphandre et le Papillon/The Diving Bell and the Butterfly). Julian Schnabel, Fr./USA 2007 ****1/2
"Schmetterling und Taucherglocke" ist eine Filmbiografie über einen französischen Journalisten, der sich nach einem Schlaganfall nur mehr mit den Bewegungen seines linken Auges verständigen kann. Das Drehbuch entstand nach dem autobiografischen Roman von Jean-Dominique Bauby, dessen Leben als Chefredakteur der Zeitschrift "Elle" sich drastisch änderte, als er im Jahr 1995 mit 43 Jahren einen Gehirnschlag erlitt: Bauby war plötzlich vollständig bewegungsunfähig und litt an dem seltenen „Locked-in-Syndrom“ - so wird ein in einem gelähmten Körper gefangener wacher Geist genannt.
Der zunächst Verzweifelte lernt im Spital, sich mit seiner Umgebung zu verständigen, indem er zu einer vorgesagten Buchstabenreihe mit dem Auge zwinkert. Im ersten Satz teilt er seiner Logopädin erst einmal mit, dass er sterben will. Dieser Wunsch wird vergehen, der Film wird, je länger er dauert, desto mehr zur Hymne auf das Leben. Erinnerung und Phantasie sind nicht gelähmt, so der Patient. Und er nützt diese Freiheit, um ein Buch zu diktieren.
Regisseur Julian Schnabel, ein berühmter Maler und Bildhauer, erzählt anfangs konsequent und oftmals humorvoll aus der Perspektive des gelähmten Bauby: Man sieht sein Spitalsumfeld, das Personal und seine Besucher schemenhaft verschleiert wie durch ein getrübtes Auge, mal grotesk verzerrt, mal matt konturlos, bis sich die buchstäblich lichten Momente häufen, weil derjenige, durch dessen Auge wir wahrnehmen, sich offenkundig an die eingeschränkten Verhältnisse gewöhnt. Das ergibt eine spannende Filmästhetik, die sich zu den schnellen Schnitten herkömmlicher Hollywood-Produktionen verhält wie ein liebevoll zubereitetes Festmahl zu Fastfood. Die "FAZ" beschrieb Schnabels Werk als "genau die Sorte Film, die das Kino als populäre Kunstform immer wieder am Leben hält".
Baubys Erinnerungen sind als (sicher lesenswertes) Buch ebenfalls unter dem Titel "Schmetterling und Taucherglocke" erschienen. Es wurde ein großer Erfolg, den der Autor aber nicht mehr miterlebte: Er starb nur zehn Tage nach dem Erscheinen im März 1997 an Herzversagen. In einem Interview schilderte der 56-jährige Julian Schnabel seinen persönlichen Zugang zum Thema: Er habe das Buch zum ersten Mal gelesen, "als mein Vater ans Bett gefesselt war; er hatte Krebs im Endstadium und konnte kaum mehr etwas alleine tun und auch kaum noch kommunizieren. Sein Geist war hellwach, aber sein Körper spielte nicht mehr mit". Baubys Geschichte habe ihm - so Schnabel - "mit ihrer Kraft und ihrer Positivität sehr geholfen, mit der Situation besser umzugehen".
"Schmetterling und Taucherglocke" ist eine Filmbiografie über einen französischen Journalisten, der sich nach einem Schlaganfall nur mehr mit den Bewegungen seines linken Auges verständigen kann. Das Drehbuch entstand nach dem autobiografischen Roman von Jean-Dominique Bauby, dessen Leben als Chefredakteur der Zeitschrift "Elle" sich drastisch änderte, als er im Jahr 1995 mit 43 Jahren einen Gehirnschlag erlitt: Bauby war plötzlich vollständig bewegungsunfähig und litt an dem seltenen „Locked-in-Syndrom“ - so wird ein in einem gelähmten Körper gefangener wacher Geist genannt.
Der zunächst Verzweifelte lernt im Spital, sich mit seiner Umgebung zu verständigen, indem er zu einer vorgesagten Buchstabenreihe mit dem Auge zwinkert. Im ersten Satz teilt er seiner Logopädin erst einmal mit, dass er sterben will. Dieser Wunsch wird vergehen, der Film wird, je länger er dauert, desto mehr zur Hymne auf das Leben. Erinnerung und Phantasie sind nicht gelähmt, so der Patient. Und er nützt diese Freiheit, um ein Buch zu diktieren.
Regisseur Julian Schnabel, ein berühmter Maler und Bildhauer, erzählt anfangs konsequent und oftmals humorvoll aus der Perspektive des gelähmten Bauby: Man sieht sein Spitalsumfeld, das Personal und seine Besucher schemenhaft verschleiert wie durch ein getrübtes Auge, mal grotesk verzerrt, mal matt konturlos, bis sich die buchstäblich lichten Momente häufen, weil derjenige, durch dessen Auge wir wahrnehmen, sich offenkundig an die eingeschränkten Verhältnisse gewöhnt. Das ergibt eine spannende Filmästhetik, die sich zu den schnellen Schnitten herkömmlicher Hollywood-Produktionen verhält wie ein liebevoll zubereitetes Festmahl zu Fastfood. Die "FAZ" beschrieb Schnabels Werk als "genau die Sorte Film, die das Kino als populäre Kunstform immer wieder am Leben hält".
Baubys Erinnerungen sind als (sicher lesenswertes) Buch ebenfalls unter dem Titel "Schmetterling und Taucherglocke" erschienen. Es wurde ein großer Erfolg, den der Autor aber nicht mehr miterlebte: Er starb nur zehn Tage nach dem Erscheinen im März 1997 an Herzversagen. In einem Interview schilderte der 56-jährige Julian Schnabel seinen persönlichen Zugang zum Thema: Er habe das Buch zum ersten Mal gelesen, "als mein Vater ans Bett gefesselt war; er hatte Krebs im Endstadium und konnte kaum mehr etwas alleine tun und auch kaum noch kommunizieren. Sein Geist war hellwach, aber sein Körper spielte nicht mehr mit". Baubys Geschichte habe ihm - so Schnabel - "mit ihrer Kraft und ihrer Positivität sehr geholfen, mit der Situation besser umzugehen".
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Montag, 7. April 2008
"Kirschblüten - Hanami"
ikairos, 14:22h
"Kirschblüten - Hanami". Doris Dörrie, D 2008 ***1/2
Trudi (Hannelore Elsner) erfährt, dass ihr Mann Rudi (Elmar Wepper) schwer krank ist. Das behält sie für sich und folgt dem Rat des Arztes, eine letzte gemeinsame Unternehmung anzuzetteln. Trudi überredet Rudi, die Kinder und Enkel in Berlin zu besuchen. Doch dort müssen die beiden feststellen, dass diese mit ihrem eigenen Leben viel zu beschäftigt sind, um sich um die Eltern zu kümmern.
Das alte Paar fährt an die Ostsee. Dort holt sie der Tod ein. Aber nicht Rudi stirbt, sondern seine Frau, urplötzlich, über Nacht. Rudi ist völlig aus der Bahn geworfen, weiß nicht, wie es weitergehen soll. Als er dann auch noch erfährt, dass Trudi das Leben, das sie leben wollte, offenbar aus Liebe zu ihm geopfert hat, sieht er seine verstorbene Frau mit neuen Augen. Er begibt sich auf die Spuren ihres verpassten Lebens und reist nach Japan, in das Land des Butoh-Tanzes, für den Trudi immer so geschwärmt hat. Ob es wirklich so glaubwürdig ist, dass aus dem pedantischen Weißwurschtesser Rudi plötzlich ein geschminkt tanzender und schließlich erfüllt vor dem Fuji sterbender Stäbchenesser wird, sei dahingestellt. Berührend ist es jedenfalls.
Regisseurin und Drehbuchautorin Doris Dörrie - ein ausgewiesener Japanfan - überrascht nach erfolgreichen Komödien mit einem sehr intimen und persönlichen Werk. "Kirschblüten - Hanami" ist ein ergreifender Liebesfilm über zwei Mittsechziger, die durch den Tod getrennt werden und erst dadurch wirklich zueinander finden. Und ein Film über das Unverständnis zwischen den Generationen, die Achtlosigkeit, die wirkliche Nähe zwischen Eltern und Kindern verhindert.
Trudi (Hannelore Elsner) erfährt, dass ihr Mann Rudi (Elmar Wepper) schwer krank ist. Das behält sie für sich und folgt dem Rat des Arztes, eine letzte gemeinsame Unternehmung anzuzetteln. Trudi überredet Rudi, die Kinder und Enkel in Berlin zu besuchen. Doch dort müssen die beiden feststellen, dass diese mit ihrem eigenen Leben viel zu beschäftigt sind, um sich um die Eltern zu kümmern.
Das alte Paar fährt an die Ostsee. Dort holt sie der Tod ein. Aber nicht Rudi stirbt, sondern seine Frau, urplötzlich, über Nacht. Rudi ist völlig aus der Bahn geworfen, weiß nicht, wie es weitergehen soll. Als er dann auch noch erfährt, dass Trudi das Leben, das sie leben wollte, offenbar aus Liebe zu ihm geopfert hat, sieht er seine verstorbene Frau mit neuen Augen. Er begibt sich auf die Spuren ihres verpassten Lebens und reist nach Japan, in das Land des Butoh-Tanzes, für den Trudi immer so geschwärmt hat. Ob es wirklich so glaubwürdig ist, dass aus dem pedantischen Weißwurschtesser Rudi plötzlich ein geschminkt tanzender und schließlich erfüllt vor dem Fuji sterbender Stäbchenesser wird, sei dahingestellt. Berührend ist es jedenfalls.
Regisseurin und Drehbuchautorin Doris Dörrie - ein ausgewiesener Japanfan - überrascht nach erfolgreichen Komödien mit einem sehr intimen und persönlichen Werk. "Kirschblüten - Hanami" ist ein ergreifender Liebesfilm über zwei Mittsechziger, die durch den Tod getrennt werden und erst dadurch wirklich zueinander finden. Und ein Film über das Unverständnis zwischen den Generationen, die Achtlosigkeit, die wirkliche Nähe zwischen Eltern und Kindern verhindert.
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