Mittwoch, 19. März 2008
Wiener Kindervorlesung: Rudolf Taschner
Wiener Kindervorlesung: Rudolf Taschner - "Die Sterne gehorchen den Zahlen - der Ursprung der Mathematik" ***

Rudolf Taschner ist DER Starmathematiker Österreichs. Und das zurecht, wenn man seinen Auftritt im Zoom-Kindermuseum als Maßstab nimmt. Sein Beitrag "Die Sterne gehorchen den Zahlen - der Ursprung der Mathematik" zur Reihe
"Kindervorlesungen" war kindgemäß anschaulich und verständlich und gefiel auch Erwachsenen (die nur in den seltensten Fällen Probleme mit leichtfasslichen Erklärungen komplexer Inhalte haben) wie mir.

Kinder rotierten als Sonne und Planeten vor dem Publikum, Taschner dirigierte mit lauter Stimme und erklärte Zusammenhänge zwischen den Bahnen der Gestirne, deren Beobachtung und die dafür notwendige Tätigkeit des Zählens. Fazit: Kalender und Mathematik sind Geschwister.

... link


Donnerstag, 21. Februar 2008
Maschek: "maschek redet drüber"
"maschek redet drüber", Orpheum.****

Das Kabarett-Trio maschek redet drüber und macht somit das, was sie am besten können: Synchronisationen von TV-Berichten aller Art - von Parlamentssitzungen über Opernballübertragungen bis hin zu Meldungen über den kranken Fidel aus Cuba - werden respektlos, anspielungsreich und zum Brüllen komisch durch den Kakao gezogen. Einige dieser z.B. in der ORF-Donnerstagnacht bereits gezeigten Sequenzen sind schon Klassiker und auf YouTube nachzuvollziehen: Seiji "Mecki Igel" Ozawa, der als designierter österreichischer Verteidigungsminister am Opernball auf zwei in eine Vase urinierende Rumänen hinweist; oder "Herr Habakuk", der den Kasperl und die kleinen Besucher des TV-Puppentheaters irrtümlich zu Drogenexperimenten verführt; Fredi Gusenbauer, der seiner Mutter nuschelnd erklärt, "Geh Mama, I wü net Bundeskanzla wer'n", dafür aber kein Verständnis erntet; und der Papst, der bei seinem Österreich-Besuch gleich mal um seinen Segen für ein neues Bauwerk gebeten wird und dem ein Kinderchor entgegenschmettert: "Lieber Papa Benedikt, den uns der liebe Gott geschickt, segne für uns alle, diese Mehrzweckhalle! Halle, halle, halle, halleluja!"

Die drei sitzen bei all dem unter der Großleinwand, sprechen live und mit beachtlicher "Stimmitationskunst" ihre Neuvertonungen und können sich manchmal selber ein Lachen nicht verkneifen. Und das Publikum erst recht nicht...

... link


Mittwoch, 28. November 2007
„Projektionen der Sehnsucht. 12 ausgewählte Saturn-Filme 1906-1910“
„Projektionen der Sehnsucht. 12 ausgewählte Saturn-Filme 1906-1910“, Veranstaltung im Rahmen der Reihe "Sex und Kunst", Aktionsradius Wien. ***

Das Filmarchiv Austria sammelt und restauriert altes Filmmaterial - auch solches, das vor 100 Jahren bei "hochpikanten Herrenabenden" gezeigt wurde. Zwölf Beispiele der in der Frühzeit des Films durchaus verbreitete Genre des erotischen Films zeigte der Aktionsradius Augarten im Rahmen seiner Reihe "Sex und Kunst". Die in Wien entstandenen "Saturn"-Filme waren freizügiger als die zur selben Zeit in Paris entstandenen Vorbilder - und zu erfolgreich. Denn der reißende Absatz in ganz Europa rief die K.u.K.-Zensur auf den Plan. Und die zensurierte die Produktionen zu Tode, "Saturn" machte Pleite.

Als unzumutbar galt etwa ein Film über die Rekrutierung von weiblichen Armeeangehörigen, bei dem Brust- und Schenkelumfang penibel vermessen wurden. Oder der Ehebruch einer gelangweilten Ehefrau mit dem eilends herbeigerufenen Hausfreund, während der Ehemann seinerseits Vergnügungen nachging - die weniger anstößig waren als die Untreue einer Frau.

Einen amüsanten und oft auch skurrilen Blick in die Wiener Kultur- und Sittengeschichte gestattete nicht nur der Abend im Aktionskreis, sondern verspricht auch das Video plus Erläuterungsbuch mit den 12 Filmen. Beides kaufte meine Begleiterin als Weihnachtsgeschenk für ihre Mutter...

... link


Donnerstag, 25. Oktober 2007
Cirque du Soleil, "Delirium"
Cirque du Soleil, "Delirium", Wiener Stadthalle, 24. Oktober 2007 ***

Und jetzt das Problem, DAS einzuordnen...
Unter "Konzerte"? Musiktheater"? "Event"? "Zirkus" passt wohl am wenigsten, denn mit den herkömmlichen Assoziationen zu diesem Begriff hatte die gestrige Performance des derzeit erfolgreichsten Cirque der Welt kaum mehr etwas zu tun.

Roter Faden des Abends sind die Träume der Hauptfigur Bill, der hoch über der Bühne unter einem wechselnd farbigen Mond schwebt. Wobei: Hauptdarsteller sind diesmal die Musiker, die aus früheren CdS-Programmen bekannte Songs in neuen Arrangements interpretieren. Die Artisten geraten so eher zum Aufputz der großorchestralen Ethnopopsongs. Und würden sie nicht auf Großbildschirmen zu sehen sein, hätte ich von meinem Platz hoch oben im 2. Rang wohl kaum etwas von diesen großen KönnerInnen mitbekommen. Manch tolle Akrobatik-Nummer blieb im Gewirr an Großleinwandüberblendungen, Laserstrahlen, im Publikum päppelnden Riesenballons und der Musik bloßes Beiwerk - eine Vergeudung, wie ich meine.

... link