Donnerstag, 1. November 2007
Adventmails 2004
LiebeR FreundIn!

„Und – hast du für heuer schon eine Idee?“

Fragen wie diese zeigen mir, dass meine in den letzten beiden Jahren per Mail verbreiteten „virtuellen Adventkalender“ nicht nur für mich zu einer lieb gewonnenen Tradition geworden sind. Du erinnerst dich: Im Dezember 2002 versandte ich jeden Tag einen bemerkenswerten Bucheinstieg; im Vorjahr ging es mir um gute „letzte Sätze“ – also darum, mit welchen Worten AutorInnen ihre Bücher beenden. Mir hat es Spaß gemacht, allmorgendlich einen Adventgruß an mir liebe Menschen zu richten, und fast alle AdressatInnen haben es genossen, jeden Tag was Lustiges/Nachdenkliches/Originelles in ihrer Mailbox vorzufinden.

Das soll auch heuer wieder so sein.

Doch ich brauch diesmal deine Hilfe.

Ich stelle mir vor, „geglückte Momente“ zu sammeln. Und zwar „leichte“, nicht schicksalsschwere, von tiefsten Gefühlen triefende Begebenheiten – nein, „sparkling short stories“ sollen es sein. Augenblicke, die das Leben lebenswert machen. Kleine, nachvollziehbare Erfahrungen und Eindrücke, die auf das Besondere statt auf das Allgemeine abzielen, die konkret und anschaulich zu schildern sind.

Und genau darum bitte ich dich: Dir einen solchen geglückten Moment zu vergegenwärtigen, auf einer Länge von 5 bis 15 Zeilen niederzuschreiben und bis zum ersten Adventsonntag, dem 28. November, an mich zu mailen.

Am Ende des Kurztextes sollte dein Name stehen, dein Alter und dein Beruf – damit man/frau sich vorstellen kann, WER da was erlebt hat. Es macht ja einen Unterschied, wann und wie ein 8jähriger Schüler glücklich ist, und wie das bei einer 72jährigen Pensionistin aussieht. Ich reihe die Texte dann und schicke 24 Mails mit einem (oder auch zwei, denn aussortiert wird niemand) Glücksmoment/en an genau jene Leute, die diesen meinen Brief erhalten. Die meisten werden einander fremd sein, manche werden sich (er)kennen. Wie auch immer, es wird mit einem Lächeln zu lesen sein. Denke ich.

Es mag mit Mühe und Nachdenkarbeit verbunden sein, schwer in Worte zu Fassendes dennoch zu versprachlichen. Bitte nimm diese Anstrengung auf dich. Der Lohn wird eine Perlenkette voller aufbauender Erfahrungen sein, die gerade in der lichtarmen Zeit des Jahres gut tut…

Eine schöne Zeit bis zum Adventbeginn wünscht dir

Robert

PS: Wer die „Adventkalender“ der beiden letzten Jahr nicht bekommen hat und sie gern möchte, kriegt sie von mir als Einzeldatei.
PSPS: Wer seinen Namen lieber nicht preisgeben möchte, weil das bei einem Glücksmoment wie der gelungenen Flucht nach einem Banküberfall oder einem sexuellen Höhenflug peinlich wäre, kann ein Pseudonym wählen; ich schweige über die wahre Identität wie ein Grab. Versprochen.


Liebe FreundInnen,

das ist das erste in einer Reihe von 24 Mails für meinen dritten elektronischen Adventkalender. Bisher haben 18 Leute auf meine Bitte reagiert, als Beitrag dafür Glücksmomente schriftlich festzuhalten. Und manche haben noch Bereitschaft signalisiert, sich der Mühe des Formulierens zu unterziehen. Vielleicht fühlen sie sich ja motiviert durch die täglichen Zusendungen, dafür zu sorgen, dass die Serie nicht vor dem Heiligen Abend abreißt und ich improvisieren muss… Für die nächsten zweieinhalb Wochen hab ich jedenfalls viel schönen Lesestoff. DANKE allen dafür.

Und hier das erste Adventmail (übrigens das erste von allen, das ich bekommen hab), alle weiteren unkommentiert:


1. Dezember

Es gibt Glücksmomente in meinem Leben, die lassen sich zu jeder Tageszeit und bei jedem Wetter wiederholen, und das geht so:
Ich komme vom Michaelerplatz, durchquere den Inneren Burghof und trete auf den Heldenplatz hinaus. Nach einigen Schritten bleibe ich stehen und schaue mich um, und Begeisterung erfüllt mich angesichts der Fülle an Schönheit. Ich sehe - im Sonnenglanz oder von Regenwolken verhangen - die Hofburg, die beiden Museen, das Parlament, das Rathaus, das Burgtheater, die Minoritenkirche, dazu noch die Reiterstandbilder, blühende oder auch schneebedeckte Sträucher, alte Bäume, Rasenflächen, Menschen.
Andere Leute mögen darüber lächeln, aber bei mir stellt sich da jedes Mal wieder dieses Glücksgefühl ein: Hier, wo ich zur Welt gekommen bin, hier darf ich leben, hier in Wien!

Christa, 72, Pensionistin (Übersetzerin)


2. Dezember

Ich liege in meinem Zimmer und lese, als mein 12-jähriger jüngster Sohn mit seiner Decke zu mir kommt und sich neben mich legt, um zu plaudern und zu kuscheln.
Plötzlich setzt er sich auf und sieht mich mit einem eigenartigen Ausdruck im Gesicht an. Auf meine Frage, warum er mich so ansieht, wird er verlegen.
Dann sagt er: "Du schaust schon so alt aus."
Und plötzlich ist er ganz gerührt und birgt seinen Kopf in meiner Armbeuge. Ich sage zu ihm: " Na ja, mit 45 ist man auch nicht mehr jung. Machst du dir schon Sorgen?"
Darauf er: "Nein, jetzt noch nicht."
Anschließend haben wir darüber gesprochen, was nach dem Sterben wohl kommt.

Gaby, 45, Psychotherapeutin


3. Dezember

So ist das bei uns…

Eines schönen Sommerabends sitze ich im ältesten Cafe der Welt, im Cafe Nofara - gleich neben der prächtigen Ommayaden-Moschee in der historischen Altstadt in Damaskus. Ich trinke vorzüglichen arabischen Kaffee mit - sicher frisch gemahlenem - Kardamom. Glück.
Hier gibt es auch noch jede Woche den alten Geschichtenerzähler.
Neben mir zwei junge Syrer. Ich komme mit ihnen ins Gespräch. Sie stellen sich vor: Einer ist Zahnarzt, der andere ... vergessen. Dann sagen sie - stolz: "Wir haben aber nicht die gleiche Religion!" Sie ahnen, dass mich das überrascht. Einer ist Moslem, der andere Christ. Sie sind schon lange Freunde, die Religion ist kein Hindernis dafür: "So ist das bei uns ..."

Ich ändere meine "Voreinstellungen", denke noch an all das, was sich einige hundert Kilometer von hier - im Irak - abspielt. Ich unterhalte mich gut mit ihnen, trinke den letzten Schluck Kaffee sehr nachdenklich und verabschiede mich.

Ich habe in Damaskus nicht nur Arabisch gelernt.

Rudi, so um die 50, Computer-Layouter


4. Dezember

Der Hohe Riffler

Für mich als Tirolerin haben Berge naturgemäß eine besondere
Bedeutung. Der prägendste Berg war und ist für mich der Hohe Riffler.
Der höchste Berg der Verwallgruppe zwischen Stanzertal und Paznauntal
hat mich während meiner ganzen Kindheit und Jugend begleitet. Von
dem Schreibtisch in meinem Zimmer im Elternhaus sah ich direkt auf den
Riffler mit seinem weißen Gletscher.
Und auch in unserer jetzigen Wohnung haben wir ein Fenster extra so
geplant, dass wir gerade noch einen Blick auf den Riffler erhaschen.

Trotzdem hat es 33 Jahre gedauert, bis ich es geschafft habe, diesen
Berg zu besteigen.

Ein paar Jahre vorher hatten wir schon den halben Weg zurückgelegt und
mussten dann aber im dichten Schneetreiben umkehren. Ende August 2001
war es dann aber so weit: Mit einer Gruppe von Arbeitskolleginnen und
-kollegen wanderten wir zunächst auf die Edmund Graf Hütte. Nach einem
gemütlichen Hüttenabend stiegen wir am nächsten Tag bei wunderschönem Wetter auf den Gipfel. Das Panorama war überwältigend, die Sicht klar bis weit über Landeck
hinaus.

Jedes Mal, wenn ich jetzt zum Riffler hinaufschaue, freue ich mich
darüber, dass auch ich einmal dort oben war.

Isolde, 36 Jahre, Biologin


5. Dezember

Es war einer dieser Tage, an denen ich aus mir selbst heraus zufrieden und voller Lebensfreude war, ohne dass ich einen konkreten Grund dafür hätte nennen können. Schon auf der Treppe zum Bahnsteig hinauf half ich einer jungen Frau den Kinderwagen hochzutragen. Die U-Bahn war schon eingefahren und damit Sie in den niederen Einstieg des mittleren Waggons noch einsteigen konnte, lief bis zur Mitte des Zuges vor um ihr die Türe aufzuhalten... und bin auch selbst dort eingestiegen. Zum Glück! Da stand ich nun, ein wenig außer Atem, und ließ meinen Blick über die anderen Fahrgäste schweifen.
Meine Augen blieben an einem Mann hängen, der in einem Buch las. Braungebrannt, dunkle Haare, grau melierter Drei-Tage-Bart, heller Sommeranzug.... Er gefiel mir und ich ließ meinen Blick auf ihm ruhen. Die Energie meiner unbewussten Aufmerksamkeit hat ihn wohl berührt, er sah hoch und fing meinen Blick auf. Ich lächelte ein wenig verlegen - fühlte mich ertappt. Er aber erwiderte mein Lächeln gleich, ermunterte mich mit seinem Blick und nickte mir zu. Wir lächelten uns ungewöhnlich lange an. So lange ich es eben konnte, dann musste ich verlegen wieder wegsehen, wieder hinsehen... - bis er ein kleines Büchlein aus der Jackentasche zog und anfing etwas aufzuschreiben. Ich war mir ganz sicher: "Der schreibt mir jetzt seine Telefon-Nummer auf! Endlich ein Mann, der in einer einmaligen Situation ‚richtig’ reagiert!", dachte ich.
Kurz bevor er aussteigen musste, stand er auf, kam auf mich zu und sagte mit angenehm tiefer Stimme: "Sie haben ein wunderschönes Lächeln. Trauen Sie sich!" Dann gab er mir den Zettel, lächelte mich noch mal mit leuchtenden Augen an, und stieg aus. Er hatte mir seinen Namen und seine Telefon-Nummer aufgeschrieben!

Nun - ich habe mich getraut (!), und wir sind seit eineinhalb Jahren ein Paar…

Damaris, 41, Sozialarbeiterin


6. Dezember

Ich war an dem Tag noch Drittklässler. Wir (also die Drittklässler) gingen mit der vierten Klasse turnen. Wir spielten Völkerball. Unsere Mannschaften waren gemischt. Unsere Spieler wurden der Reihe nach abgeschossen. Als unser Freigeist besiegt war, war nur noch ich am Feld. Ich hatte 3mal Ausweicherfolg. Beim dritten Mal schoss der Freigeist den Ball auf mich zu. Der Ball rollte über das Feld bis zu unserem Freigeist. Der Reihe nach schossen wir uns frei. Dann kam der Freigeist der anderen ins Spielfeld. Der verlor nacheinander seine ganzen Leben. Wir hatten noch gewonnen!

Fabian, Schulkind, 8,3 Jahre


7. Dezember

„Feel the sunshine on your face...“ Immer wenn diese Passage aus dem Walkman ertönt ist, ist es mir kalt über den Rücken gelaufen, auch wenn es 30 Grad plus hatte. Jetzt liebe ich diese Musik schon so lange, habe Schwärmereien und Bilder-Ausschneiden des hübschen Sängers hinter mir; der Wandel vom luftig leichten Getüdel hin zum erwachsenen Tiefgrund fiel zeitlich ziemlich mit meiner persönlichen Entwicklung und Wandlung zusammen. Aber noch nie hat mich ein Lied so bewegt wie jenes, das im Frühling 2003 als erster Song auf dem Album "Think Tank"* veröffentlicht wurde. Wenn es das einzige Lied gibt, das Lied schlechthin, dann ist das Lied meines!
Die Stimmung, das Licht, die Aura am 9. November 2003 im Wiener Gasometer, als "feel the sunshine on your face, it's in a computer now, gone at the future way out in space. And you've been so busy lately that you haven't found the time, to open up your mind. And watch the world spinning gently out of time..." erklungen ist, hat für größeren Schauder gesorgt, als die Hand, die ich dort für Sekunden ergattern konnte – aber das wäre eine eigene Geschichte...

Martina, Soziologin, 27

*Der Song der britischen Rockgruppe Blur heißt „Out Of Time“; Text siehe http://www.lyricsfreak.com/b/blur/21090.html


8. Dezember

Für mich ist das Leben durch meine kleinen beiden Söhne und die Arbeit an einem Buch sehr intensiv, aber trotzdem gibt es unbeschreibliche - im wahrsten Sinne des Wortes - Momente, die mich innehalten lassen und mein Glück genießen lassen. So ein Moment war, als sich meine Söhne (bald 5 und 16 Monate) vor kurzem innig auf unserer Treppen küssten.

Ulrike, 44, Sprachwissenschaftlerin


9. Dezember

ich komme von einem seminar im waldviertel nach hause ... hungrig.
im wohnprojekteigenen beisl nach studium der speisekarte hab' ich gebratene eierschwammerln auf blattsalat bestellt.
nach einer weile kam das essen. ich sah viel blattsalat.

ich: wo sind die eierschwammerl???
beislwirt: öh...
ich: jetzt bin ich aber enttäuscht, ich hab mir so viele gebratene eierschwammerl erwartet, und jetzt hab ich so viel salat.
beislwirt: verschwindet.

ich beginne zu essen, stochere die schwammerln aus dem salat, bemühe mich zu genießen.
......
nach kurzer zeit steht ein kleiner teller mit einer extraportion duftender schwammerln neben mir.
ich (ganz gerührt): danke
beislwirt: soll aber nicht zur gewohnheit werden!
dankbar genieße ich nun wirklich.

beatrix, 46, shiatsu praktikerin und selbstheilungsberaterin


10. Dezember

Ich bin letzten Freitag müde im Auto von der Arbeit nach Hause wieder viel zu langsam weitergekommen – und schon dunkel, und November, und leichtes Nieseln und viel zu kalt und viel zu viele Menschen – genug, um grantig zu sein... Vor, hinter, neben mir Autos.

Neben mir ein rotes, im Vorbeifahren seh ich ein Kind, vermutlich ein Mädchen hinten sitzen, gelangweilt. Ein erster Blick, sie schaut auch. Dann geht’s bei mir wieder weiter, also neue Nachbarn. Kurz darauf zieht das rote Auto wieder auf gleiche Höhe, wieder ein Blick, ein Erkennen. Und so ging’s weiter, beim zweiten Mal schon mit einem Lächeln, und dann hatten wir beide Spaß am einander Wiedersehen, Verlieren und wieder Finden. Als sie dann endgültig links abbog, blieb das Lächeln in mir.

Marion, 46, Psychologin


11. Dezember

Bis heute habe ich jene SMS nicht gelöscht, die mir meine 19jährige Tochter am 4. Februar von Wien nach Kaprun geschickt hat, wo ich mit Freunden Schi fahren war.
Ich hatte seit allzu jugendlichen Tagen nicht über-, aber regelmäßig geraucht – abgesehen von den paar Jahren zwischen Schwangerschaft und Kindergartenalter meiner beiden Prachtstücke. So sehr ich den blauen Dunst auch von ihnen fernzuhalten trachtete (Rauchen unter der Dunstabzugshaube, auf der Terrasse, am Gang …), so vehement, vorwurfsvoll und angewidert waren ihre Missfallensäußerungen, derer sie nicht müde zu werden schienen. Ich quittierte diese meist mit der lakonischen Bemerkung, dass ich das Rauchen sicher eines Tages aufgeben würde.
Wie sehr meine Glaubwürdigkeit in dieser Hinsicht nach all den Jahren gelitten hatte, zeigte sich, als sie mir nach dem 4. November des Vorjahres, meinem ersten „Nichtraucher-Tag“, immer und immer wieder ihre Bewunderung über meine Stärke aussprachen. Das trübte meine Freude über ihre Anerkennung doch ein wenig und ich spielte die Entrüstete. Hatten sie mir das etwa nicht zugetraut? Also wirklich!
Der 4. Februar war – wie die übrigen Tage der Semesterferienwoche - sonnig und außergewöhnlich warm – selbst in der luftigen Höhe des Kitzsteinhorns. Nur die sternklare Nacht war kalt, als während eines Abendspazierganges mein Handy tönend diese SMS empfing: „Hallo Mutti! Alles Gute zum 3monatigen Nichtrauchen! Dickes Stolzseinbussi! Lena“
Nichts konnte die sonnige Wärme trüben, die in mir aufstieg und der nächtlichen Kälte trotzte.

Christine, 48, AHS-Lehrerin


12. Dezember

ich sitze in einem raum mit ca. 30 anderen leuten. den kopf auf die hände gestützt warte ich jetzt schon fast eine stunde dass mein name aufgerufen wird. ich muss an die schule denken. an der wand ein foto von thomas klestil, der vor ca. zwei monaten gestorben ist. bezeichnend für diese institution dass es noch immer hängt.

es ist mittlerweile schon 11 am vormittag, und ich bin seit 6 Uhr hier in klagenfurt. am vortag noch extra angereist, um nicht zu spät zu kommen. vier der letzten 5 stunden verbrachte ich mit warten. gespräche mit den ärzten. und immer wieder warten. zwei alte kickerkollegen sind auch da. hätte nicht gedacht, dass die dasselbe problem wie ich haben. wir sprechen nur kurz miteinander, denn die stimmung ist gedrückt, und jeder von uns macht ein gesicht, als müsste er in den nächsten minuten sterben. man könnte glauben, man ist auf einer intensivstation. einer meiner kumpels hat schwere herzrhythmusstörungen, beim anderen sind kreuz und knie kaputt und er hat alle allergien, die bis heute bekannt sind.

dann meint eine ärztin, ich muss in einem jahr wiederkommen. ich war fertig: "aber warum? ich war doch schon zweimal hier". – „Ja, aber der psychologe sagt, sie müssen wiederkommen.“ Ich entgegne, dass ich heute noch mit keinem psychologen gesprochen habe. sie kontrolliert ihre unterlagen und meint, da ist ein fehler passiert, sie hat irrtümlich die unterlagen vom letzten besuch verwendet. ich werde sofort zum psychologen geschickt. was wäre passiert, wenn ich nichts gesagt hätte?

"T. in zimmer 8 bitte". anspannung pur. ich spüre meinen herzschlag im hals. ich betrete den raum und ein mann um die 50 stellt mir einige kurze fragen. wie ich heiße, wann ich geboren bin usw... "aufgrund ihrer schwer wiegenden und seit mehreren jahren andauernden panikstörungen und phobien werden sie für den wehrdienst für untauglich erklärt..."

dann habe ich den bescheid in händen. endlich. ich fühle mich besser als bei meiner sponsion und nehme die urkunde wie einen pokal entgegen, verlasse das gebäude auf schnellstem weg, und schreie mir auf dem parkplatz meine freude aus dem leib. meine zwei kumpels haben es auch geschafft, und wir gehen noch einen trinken. das war einer der besten tage seit langem...

Tom, 29, Manager


13. Dezember

Ich hatte ein tolles Erlebnis, als ich diesen Sommer beim 'Two Days A Week'-Festival in Wiesen war. Spätabends, es spielten gerade die 'Kings of Leon' - eine großartige amerikanische Rockband - und ich war ziemlich weit vorne in der Menge. Die Stimmung war atemberaubend, und ich selbst gebadet in Schweiß und gefüllt mit Bier.
Das einzig nervige war, das man ständig aufpassen musste, nicht plötzlich einen Schuh im Gesicht zu haben. Denn überall wanderten 'Crowdsurfer' durch die Menge, also Leute, die sich auf den Armen der anderen nach vorne tragen ließen (oder wieder fallengelassen wurden). Doch ich kann ihnen nachträglich nicht böse sein - denn auch ich durfte ihre Erfahrungen teilen. Ich hörte ihn nur jemanden sagen: "Willst du auch mal?", und im selben Moment wurde ich gepackt und in die Lüfte gehoben. Obwohl nachher noch Franz Ferdinand, die beste Band auf dem Festival, spielten, waren diese 10 Sekunden, in denen ich über den Köpfen schwebte und von zig Armen bis hinter die vordere Absperrung zu den Securities gereicht wurde, die denkwürdigsten des Abends. Und ein Ereignis, das mich in der kalten Weihnachtszeit an das unbeschwerte Glück des Sommers zurückerinnert.

Gregor, 17, Schüler


14. Dezember

Glück, weiblich, 36: Zeit, Sonne, Ruhe

Wer hätte mit 20 gedacht, dass das Leben so sein wird:
Glück heißt schon, wenn der Sonntag mal frei ist, Zeit für einen Spaziergang, an einem kalten, sonnigen Nachmittag durch Schönbrunn hinauf zur Gloriette, und Kaffee mit einer Freundin.
Oder Leute nach Haus einladen, sie fühlen sich wohl und es schmeckt (wollte man nicht mal die Welt verändern?)
Oder durch die Stadt flanieren, ein Buchgeschäft, eine Boutique, was Schönes finden.
Am Morgen die Kinder im Bett und Zeit zum Spielen und Kuscheln.
Der Tag, nachdem die Arbeit glückte.
Einfach in der Kirche sitzen.
Der Mann guter Dinge.

Nora, 36, Journalistin


15. Dezember

„Eine Bettumrandung, Norbert“, antwortete meine Mutter endlich, nachdem ich sie wochenlang durch den Advent hindurch mit der Frage gequält hatte, was ich denn als größtes Weihnachtsgeschenk bekommen würde.

Was das genau war, verstand ich nicht, auch wenn sie es mir mehrmals zu erklären versuchte. Irgendwie klang es sehr teuer, jedenfalls hatte so was nicht jeder in meinem Alter! Immerhin - aber nicht das, was ich mir so sehr gewünscht hatte - eine Gitarre.

Natürlich nahm die Bettumrandung – wahrscheinlich unter dem magischen Einfluss des Christbaums, von dem der damals 7jährige Bub noch heute überzeugt ist - dann doch noch rechtzeitig die Gestalt des ersehnten Instrumentes an.

Dass der jetzt 41jährige Berater dem 7jährigen Schüler seine unschreibbare Freude lassen konnte, nein kann, macht den Moment, in dem zwischen den anderen Geschenken eine Westerngitarre sichtbar wurde, zu einem Augenblick zeitlosen Glücks, aus dem beide bis heute Kraft schöpfen.

Norbert, 41, Organisationsberater und Supervisor


16. Dezember

Ich spürte, dass ich dabei war, über eine Schwelle zu gehen. Mein Körper war warm, insbesondere mein Bauch. Ich hatte einen Stift in der Hand und malte zuerst den Umriss meiner linken Hand auf die Mappe. Ich wollte mit der Hand schreiben, und die Hand sollte mein Zeichen sein.
Dann schrieb ich.
Ohne innezuhalten, ohne zu überlegen, den Schreibfluss mit allen Sinnen genießend. Ein paar Zentimeter unter meinem Nabel machte sich ein Freudenpunkt bemerkbar. Während ich schrieb, ließ ich meinen Atem tief hinunter sinken, bis zu diesem Punkt, von dem sich ein Gefühl von Glück und Lust über meinen ganzen Körper ausbreitete. Und darüber hinaus.

astrid, 41 jahre jung, literaturwissenschaftlerin / autorin


17. Dezember

Am vorletzten Freitag im November hab ich mir im Walkman die brandneue U2-CD angehört (die übrigens nicht wirklich gut ist).

Wollt eine rauchen. Jetzt haben wir aber in der Wohnung sozusagen Rauchverbot, außer wenn Gäste da sind.

Bin raus auf den Balkon, hab den Walkman mitgenommen, Abend war's und ruhig da draußen. Hab mir eine Zigarette angeraucht.

Zufällig kam in dem Moment ein Lied auf der CD, das passte zur Stimmung um mich. Das Lied heißt "One Step Closer", nebenbei. Zufällig fiel eine Schneeflocke vom Himmel. Die erste, die ich diesen Winter gesehen hab.

Und ich stand da draußen am Balkon meiner neuen Wohnung. Und der erste Schnee fiel. Hab mich umgedreht, bei der Balkontür reingeschaut, meine Frau hat mich gesehen und mir ein Bussi zugeworfen.

Hab mich wieder umgedreht. Die Musik im Ohr. Stand da draußen am Balkon. Innenhof, in Graz. Hab Schneeflocken gesehen, die ersten im Jahr.

Ich hab geweint.

Es war so ein Moment, in dem ich gespürt habe: Es ist gut, so wie es ist.

Manfred, 27, freiberuflicher Grafik-Designer


Sommer 2004. Volleyball-Match. Auswärtsturnier in Haarlem/Amsterdam.
Obwohl es ein verregneter Sommer war, glaube ich, hat mein Körper selten so geglüht, wie in diesen sagenhaften zwei Minuten.
Mein Blick schweift zum Schiri ab. Wir führen 25:24, das wird knapp. Ausgerechnet ich auf der Serviceposition. Völlig k.o. von der stundenlangen Anstrengung. Der Ball kommt zu mir gerollt. Die übermotivierten Amis auf der Gegenseite, mein angespannter Trainer, der fast mehr zu "leiden" scheint als ich, rechts von mir. Das Publikum, die Mannschaft, die Gegner. "All eyez on me!" Gekreische von der Gegenüberseite. Wie nervös kann man eigentlich sein? "Dabei sein ist alles!", schießt es mir durch den Kopf... haha!
Ich dribble den Ball auf, um mir Zeit zu verschaffen, die ich aber nicht habe. Auf der Anzeigetafel rasen die letzten hundertstel Sekunden nur so dahin. Zeitlupe. Tief einatmen. Aufwerfen. Smash. Völlig perplex renne ich vor. Noch mehr Geschrei. Verwirrung von meiner Seite. Block am Netz. Rrrrrrrrrrrrrrrring.
Verschwitzte Körper, die sich an mich pressen, Gelächter, Gejubel, Seufzer. Alles gar nicht real für mich. Es dauert ein paar endlos lange Sekunden, bis auch ich begriffen habe, dass wir gesiegt haben. Unbeschreiblich dieses Gefühl. Völlig am Ende zu sein, sich nicht mehr bewegen zu können UND gesiegt zu haben.
Maira, 16, Schülerin



18. Dezember

Brrrrr, wie kalt und windig ist dieser November-Sonntag. Zeit ist’s, sich wieder gemütlich einzurichten, mal gründlich aufzuräumen und ein paar Dinge zu ordnen.

Dabei fällt mir ein schwarzes, in Leinen gebundenes Notizbuch in die Hände. Schon lange habe ich es nicht mehr durchgesehen. Beim Aufschlagen kollern mir lose eingelegte Blätter entgegen. Ich schmunzle: Was in früheren Zeiten ein Stapel Briefe war, mit einem rosa Bändchen umschlungen, sind jetzt auf bräunlichem Recyclingpapier ausgedruckte Mails, in einem ganz persönlichen „Schatz-Buch“ gesammelt.

Neugierig beginne ich zu lesen – vieles habe ich längst vergessen. Gefühle werden wieder wach. Da finde ich doch glatt noch ein paar Seiten meiner letzten unglücklichen Liebe, dabei war ich überzeugt, jede Erinnerung daran dem Feuer – oder zumindest dem Restmüll – übergeben zu haben.
Und hier, schöne Zeilen von meinem lieben Freund Robert an die „Herzogin der Wälder“.
Da, ein paar Seiten weiter ein Satz meiner Lieblingskollegin Gabi: „Bewahre die Sonnenstrahlen in deinem Herzen, die deine Umgebung so oft erhellen“...
Ohhhh, ein Brief meiner pubertierenden Tochter, zu der ich gerade so gar keinen Draht habe: „Du bist soooo lieb zu mir, obwohl ich manchmal echt nerven kann“. (Na so was, da dürfte ein Funken Selbsterkenntnis durchgeschlagen haben).
Viele witzig-sinnliche Briefe von Manfred – ach, das ist auch schon einige Zeit her und hinterlässt noch immer wunderschöne und tiefe Gefühle.
Ein paar liebe Karten von Männern, denen ich in meinem Herzen keinen Platz eingeräumt habe – warum eigentlich nicht?

Momentan erscheint mir alles leicht und schön – ein ganzes Buch voll Liebe! Ich könnte springen vor Glück. Was ich alles erleben und erfühlen durfte in den letzten paar Jahren!

Und hier noch ein Blatt mit Gedichten von Hans Kruppa. An einem bleibt mein Blick hängen:

Nutze den magischen Augenblick,
der dir die Tür öffnet
in ein Lebensgefühl,
das dich erfüllt und inspiriert

Annemarie, 44, Redakteurin

19. Dezember

Wien – eine Buchhandlung mit vielen Mängelexemplaren – ein >modernes Antiquariat<. Vom Begriff her ein Unding. Aber ich fühl mich wohl darin und finde mich öfter unversehens da drin.

Letzte Woche halte ich dort ein Taschenbuch in Händen. Ein Freund ist mit dabei.
1) Ich kann ihm das Buch zeigen und
2) so ein wenig angeben, was für tolle Bücher ich nicht kenn und
3) meine Freude kann ich auch sofort teilen.
4) Ich brauch ohnehin ein Geschenk und freunde mich schweren Herzens mit dem Gedanken an es weiterzuschenken.
5) Es bleibt eh im gleichen Haushalt und ich kanns lesen und
6) Wahrscheinlich landets ohnehin in „meinem“ Bücherregal
7) Wie ich das Buch in Händen halt denk ich an einen lieben Menschen, der´s mir empfohlen hat
8) An die Zeitschrift, wo die Rezension dazu zu finden war und die dazugehörige Redakteurin und den Layouter muss ich denken
9) Ein gutes Gefühl stellt sich ein und geht auch nicht gleich wieder weg
10) Der Buchhändler merkt meine Begeisterung
11) Ich zahl und hab noch genug Geld im Börsel
12) für einen Punsch gleich ums Eck

Irre, wie Glück kumuliert in einen Moment hinein.
Ach ja: http://www.perlentaucher.de/buch/5456.html

Josef , angehender Soziologe und Zuwenig-Leser trotz bald 38 Jahre


20. Dezember

Kennt ihr das? Es gibt Lieder, die einen einfach nicht loslassen. Lieder, die dich einen guten Teil des Lebens begleiten. Ich bin mir sicher, dass jedeR von Euch auf Anhieb ein, zwei Songs im Kopf hat, deren Melodie du liebst, wo es vielleicht nur ein zwei Textpassagen, einzelne Sätze sind, die dich in den Bann gezogen haben.

Aber am schönsten ist es, dann während eines Konzertes diese Songs live zu hören. Ich habe dann dieses warme Gefühl im Magen, dieses Kribbeln, diese Gänsehaut am Rücken und diesen unsichtbaren Druck, der meine Mundwinkel nach oben sausen lässt.

So passiert bei (eine kleine Auswahl) Cure „Boys don’t cry“, Nick Cave „Tupelo“ und letztens bei Die Sterne „Fickt das System“.

Andreas, 34, Sozialmanager


21. Dezember

Eines meiner schönsten Erlebnisse in diesem Jahr:

Am höchsten Punkt...

...des Indischen Ozeans. Nach fünf Tagen steilem Auf und Ab, durch Flüsse und über Pässe kam endlich der Tag des Höhepunkts. Um 4 Uhr früh raus aus den Federn in der kalten Hütte, rein in alle Kleidungsstücke, die wir mitgetragen hatten, die Stirnlampe rauf und dann 600 weitere Höhenmeter rauf auf den Piton de Neiges (3069 m). Auf dem schwarzen Lavaboden konnte man nichts sehen als die weißen Markierungen im Schein der Stirnlampe, und der klare Sternenhimmel wölbte sich
über uns. Weithin sichtbare Lichter markierten die Küstenorte der Insel La Reunion. Es wurde immer
kälter, je höher wir stiegen. Der gefrorene Boden knirschte unter unseren Tritten, und ich musste an Max Frisch denken, wenn er in "Homo Faber" sagt, dass die Minuten vor Sonnenaufgang die kältesten sind.

Endlich am Gipfel: Langsam beginnt die Sonne den Himmel, die Berge und das Meer in rosarotes, dann violettes und schließlich oranges Licht zu tauchen. Aus den schemenhaften Umrissen taucht eine Landschaft auf, die mir die Worte nimmt und das Herz öffnet. Ich stehe am höchsten Punkt, und rundherum fällt es steil ab bis zur nahen Küste. Sogar jetzt, wenn ich das schreibe, spüre ich wieder dieses Gefühl der Einheit mit allem, aber auch den Stolz, es geschafft zu haben.
Es hat sich gelohnt.

Karin, 48, Psychotherapeutin und Lehrerin


22. Dezember

Im Dunkeln blitzt schon Banales hell. Klingt verdammt philosophisch, ist aber so.

Zum Beispiel gestern Nacht: halb zwei Uhr früh, das Büro geleert, die letzten Muntermacher verdrückt (halbroher Hotdog und TWIX – aber reden wir nicht davon), das Wasser im Glas abgestanden, der Schreibtisch unter den Zetteln unauffindbar. Und vor der trüben Linse am verschmierten Monitor: ein halbfertiger Artikel.
Es ist wie Fegefeuer: Schreibblockade, Sinnsturm im Hirn, fast fertig – aber am Ende fehlt immer noch das dicke Ende. Was ja – wie alle wissen – das schwierigste ist. Langsam kriecht auch noch die übernächtigte Kälte in den Pullover, und der Möchtegern-Schlafschweiß dazu. Lieber heimgehen kuscheln? Sinnlos, am Morgen muss das Opus fertig sein.
Jetzt auch noch Unklarheit wegen zweier Telefonnummern. Welche ist richtig: die oder die? Da hilft nur probieren. Der Anrufbeantworter wird’s schon richten.
Doch – oops: Da ist ja wer. Da kämpft auch jemand gegen seine Synapsen. Da klingt es genauso müde und mürbe vom Hörer zurück.
"Ja unglaublich: Sie sind noch im Büro?", stammle ich.
"Ja, das ist eben so, wenn man das Büro neben dem Schlafzimmer hat."
"Was machen Sie denn noch, um Gottes Willen?"
"Ich plage mich durch drei Gesetzestexte. Und Sie?"
"Ich wollte eigentlich nur die Telefonnummer ausprobieren. Sie ist offenbar richtig. Gute Nacht – und tun Sie nicht mehr zu lange…"

Das war fein. Das war richtig nett. Ganz Wien schnarcht vor sich hin – und die zwei Traumtänzer, die sich das selbst vermurkst haben, finden sich…

Doris, 30, Journalistin


23. Dezember

Es beginnt mit dem Einkauf beim Inder am Naschmarkt. Gerichte, Gerüche, Farben und eine Ahnung von diesem einzigartigen Geschmack. Am allerliebsten koche ich Thomi mahaar dhal, ein Gericht aus diesen wunderbaren weißen Linsen, die es nur in Indien gibt. Das braucht Zeit – und es lohnt jede Minute davon.
Zuerst wird eine Tasse der Linsen gut gewaschen und mit zwei Tassen Wasser - gewürzt (und gefärbt) mit ein bisschen Salz und Kurkuma (oder Gelbwurz, wie es auch heißt) - dreißig Minuten lang geköchelt. Dann wird der Topf halb zugedeckt und die Linsen dürfen noch eine Viertelstunde weiter köcheln, eventuell mit ein bisschen zusätzlichem Wasser, sie sollen nicht trocken werden.
Schließlich noch einmal 15 Minuten mit ganz zugedecktem Topf.
Währendessen schneide ich eine Zwiebel und mindestens drei, wenn nicht vier Knoblauchzehen, gebe drei Dosentomaten in den Mixer, lasse Zwiebel und Knoblauch rösten, bis sie eine wunderbar goldene Farbe haben, rühr den Tomatenbrei dazu und würze mit frischem Ingwer, ein wenig grünen Chilis – je nach Lust und Laune auf Schärfe – ein bisschen Garam Masala und Asafoetida.
Den frischen Koriander lasse ich weg, weil ich - bei aller Liebe zur indischen Küche - finde, dass er nach Seife schmeckt.
Zuletzt wird das Dhal (das sind die Linsen) aus dem Topf in eine Pfanne gegeben, ein bisschen angebraten und dann mit der Tomatensauce serviert.
Das ist wirkliches „comfort food“ wie die Engländerinnen sagen würden. Beim Kochen, beim Riechen, bei Essen wird dir unweigerlich wohlig warm. Zuerst in der Nase, dann in den Händen, schließlich im Bauch - und überall.

Michaela, 37, Theologin und PR-Beraterin


24. Dezember

Wieder einer dieser unnötigen Arbeitsaufträge, dachte ich. Ins Kardinal König Haus schickte mich mein Chef, wo Ordensleute aus ganz Österreich zum Thema „Lebensquelle Liturgie“ tagten: „Berichten Sie darüber, irgendwas. Die Kathpress muss dort präsent sein.“ (Bei derart „brisanten“ Storys heißt es bei uns in der Redaktion meist ironisch: „Ruf schon mal den Kindermann an, damit er die Titelseite in der ‚Krone’ freihält…“) Ich erwartete also nichts, was journalistisch etwas abwerfen würde, zumal ich nur noch zum letzten Tagungspunkt, dem abschließenden Gottesdienst, zurechtkam.

Lustlos setzte ich mich in die Konzilsgedächtniskirche, einen großen Kirchenraum mit dem Charme einer Tiefgarage. Rund um mich etwa 300 Frauen und Männer in ihrer Ordenstracht, bis auf einige musizierende Klosterschüler fast alle jenseits der 50.

Die Liturgie begann. Alle hatten ein Heftchen mit Liednoten und -texten vor sich. Ich gestehe, ich bin kein großer Fan von Messen. Meist langweile ich mich, finde die liturgische Sprache angestaubt, die Musik betulich oder eben nicht die meine. Und dieses Aufstehen und wieder Setzen und noch immer nicht genau wissen, wann was.

Nach wenigen Minuten wurde ich ruhig. Der Stress des Tages (ich hatte schon eine Pressekonferenz und einige Kurzberichte hinter mir) fiel von mir ab, jetzt schätzte ich den altbekannten Ablauf und registrierte die achtsame Gottesdienstgestaltung.

Dann sang der Ordensschüler-Chor das Kyrie. „Meine engen Grenzen, meine kurze Sicht bringe ich vor dich“, tönte es in hübschen Harmonien. Nicht nur wegen meiner sechs Dioptrien fühlte ich mich betroffen. „Wandle sie in Weite, Herr, erbarme dich.“

Jetzt passierte etwas: Ich wusste mich mit einem Mal unmittelbar gemeint, in meinem Innersten berührt. „Meine tiefe Sehnsucht nach Geborgenheit bringe ich vor dich. Wandle sie in Heimat, Herr, erbarme dich.“ Es war, als sängen sie für mich. Und ich fühlte mich nicht ertappt in meiner Bedürftigkeit, nicht erniedrigt durch die Bitte um Erbarmen, sondern mit einem Mal, völlig unerwartet, grund-los, unendlich getragen, beheimatet und geliebt.

Nach der letzten Strophe hatte ich Tränen in den Augen, vor Glück, vor Rührung und Dankbarkeit, dass so was passieren kann, mitten im Alltag, allen Umständen zum Trotz…

Robert, 45, Redakteur

Nach dem letzten Glücksmoment in diesem elektronischen Adventkalender möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Noch in der ersten Dezemberwoche hat es nicht danach ausgesehen, als könnte ich jeden Tag mit einer Geschichte füllen. Doch dann trudelten doch genug Beiträge ein und es entstand – wie erhofft – eine Perlenreihe mit ganz unterschiedlichen Facetten dessen, was das Leben lebenswert macht. Es war schön, dabei zu sein beim Aufstieg auf einen 3.000er im Indischen Ozean oder beim Crowd-Surfen während eines Konzerts, beim nachhaltigen Flirt in der U-Bahn oder beim Blickkontakt in der Autoschlange…
DANKE an alle, die sich trotz Vorweihnachtsstress die Mühe gemacht haben, sich hinzusetzen und zu formulieren.
An sie und an alle anderen AdressatInnen dieser Reihe (to continue!) richte ich jetzt noch die besten Wünsche für ein fried- und freudvolles Weihnachtsfest und ein glücksmomentgesegnetes Jahr 2005!

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Adventmails 2002
Bucheinstiege...

1. Dezember:

Wenn einer in sein dreißigstes Jahr geht, wird man nicht aufhören, ihn jung zu nennen. Er selber aber, obgleich er keine Veränderungen an sich erkennen kann, wird unsicher; ihm ist, als stünde es ihm nicht mehr zu, sich für jung auszugeben. Und eines Morgens wacht er auf, an einem Tag, den er vergessen wird, und liegt plötzlich da, ohne sich erheben zu können, getroffen von harten Lichtstrahlen und entblößt jeder Waffe und jeden Muts für den neuen Tag.

(Ingeborg Bachmann; Das dreißigste Jahr)

2. Dezember:

Ziehende Landschaft

Man muss weggehen können
Und doch sein wie ein Baum;
Als bliebe die Wurzel im Boden,
als zöge die Landschaft und wir ständen fest.

(Hilde Domin; Nur eine Rose als Stütze)

3. Dezember:

Bei einem Denker sollte man nicht fragen, welchen Standpunkt nimmt er ein, sondern: wie viele Standpunkte nimmt er ein? Mit anderen Worten: hat er einen geräumigen Denkapparat oder leidet er an Platzmangel, d.h. an einem „System“?

(Egon Friedell; Abschaffung des Genies)

4. Dezember:

Nachdenken, ihr nach-denken. Dem Versuch, man selbst zu sein. So steht es in ihren Tagebüchern, die uns geblieben sind, auf den losen Blättern der Manuskripte, die man aufgefunden hat, zwischen den Zeilen der Briefe, die ich kenne. Die mich gelehrt haben, dass ich meine Erinnerung an sie, Christa T., vergessen muss. Die Farbe der Erinnerung trügt.
So müssen wir sie verloren geben?
Denn ich fühle, sie schwindet. Auf ihrem Dorffriedhof liegt sie unter den beiden Sanddornsträuchern, tot neben Toten. Was hat sie da zu suchen? Ein Meter Erde über sich, dann der mecklenburgische Himmel, die Lerchenschreie im Frühjahr, Sommergewitter, Herbststürme, der Schnee. Sie schwindet. Kein Ohr mehr, Klagen zu hören, kein Auge, Tränen zu sehen, kein Mund, Vorwürfen zu erwidern. Klagen, Tränen, Vorwürfe bleiben nutzlos zurück. Endgültig abgewiesen, suchen wir Trost im Vergessen, das man Erinnerung nennt.

(Christa Wolf; Nachdenken über Christa T.)

5. Dezember:

Edek Zepler hatte früher immer polnische Mädchen gebumst. Die meisten von ihnen waren Dienstmädchen, und er hatte sie im Stehen in den Fluren der Häuser gebumst, in denen sie arbeiteten.
Esther Zepler hatte erst kürzlich davon erfahren. Sie saß in ihrem Büro und dachte über ihren Vater nach. Etwas feinfühliger wäre er ihr lieber gewesen.

(Lili Brett; Einfach so)

6. Dezember:

Als ich sechs Jahre alt war, sah ich einmal in einem Buch über den Urwald, das „Erlebte Geschichten“ hieß, ein prächtiges Bild. Es stellte eine Riesenschlange dar, wie sie ein Wildtier verschlang.“

(Antoine de Saint-Excupéry; Der kleine Prinz)

7. Dezember:

Als man mir vor langer Zeit den Vorschlag machte, meine Selbstbiographie zu schreiben, fiel mir sofort der Titel „Streitbares Leben“ ein. Zu meinem eigenen Erstaunen. Denn ich war ja längst dazu gelangt, alles Polemische zu verabscheuen; hatte erkannt, dass derjenige, der „ja“ zu einem Menschen oder einer Situation sagt, tausend Mal mehr von diesem Menschen, dieser Tatsache erfasst und weiß als jener, der „nein“ zu ihnen sagt. Obwohl ich also diesen Lehrsatz vom „Nicht-Befeinden“ mit mir herumtrug und auch zu praktizieren suchte, bin ich zum Polemiker geworden.

(Max Brod; Streitbares Leben)

8. Dezember:

Das schönste aller Lieder, von Salomo.
Komm doch und küss mich!
Deine Liebe berauscht mich mehr als der Wein.
Weithin verströmen deine kostbaren Salben herrlichen Duft.
Jedermann kennt dich, alle Mädchen im Land schwärmen für dich!
Komm, lass uns eilen, nimm mich mit dir nach Hause, fass meine Hand!

(Gute Nachricht Bibel; Das Hohelied)

9. Dezember:

Ich habe lange gezögert, ein Buch über die Frauen zu schreiben. Das Thema ist ärgerlich, besonders für die Frauen; außerdem ist es nicht neu. Im Streit um den Feminismus ist schon so viel Tinte geflossen, zur Zeit ist er fast beendet: reden wir nicht mehr davon. Man redet aber doch davon.“

(Simone de Beauvoir; Das andere Geschlecht)

10, Dezember:

John Franklin war schon zehn Jahre alt und noch immer so langsam, dass er keinen Ball fangen konnte. Er hielt für die anderen die Schnur. Vom tiefsten Ast des Baumes reichte sie herüber bis in seine empor gestreckte Hand. Er hielt sie so gut wie der Baum, er senkte den Arm nicht vor dem Ende des Spiels. Als Schnurhalter war er geeignet wie kein anderes Kind in Spilsby oder gar in Lincolnshire.

(Sten Nadolny; Die Entdeckung der Langsamkeit)

11. Dezember:

Es war gegen elf Uhr morgens, Mitte Oktober, ein Tag ohne Sonne und mit klarer Sicht auf die Vorberge, was klatschkalten Regen verhieß. Ich trug meinen kobaltblauen Anzug mit dunkelblauem Hemd, Schlips und Brusttaschentuch, schwarze Sportschuhe und schwarze Wollsocken mit dunkelblauem Muster. Ich war scharf rasiert, sauber und nüchtern – egal nun, ob’s einer merkte. Ich war haargenau das Bild vom gut gekleideten Privatdetektiv. Ich wurde von vier Millionen Dollar erwartet.

(Raymond Chandler; Der große Schlaf)

12. Dezember:

Ilsebill salzte nach. Bevor gezeugt wurde, gab es Hammelschulter zu Bohnen und Birnen, weil Oktober. Beim Essen noch, mit vollem Mund, sagte sie: „Wolln wir nun gleich ins Bett oder willst du mir vorher erzählen, wie unsere Geschichte wann wo begann?“

(Günter Grass; Der Butt)

13. Dezember:

Falls Sie wirklich meine Geschichte hören wollen, so möchten Sie wahrscheinlich vor allem wissen, wo ich geboren wurde und wie ich meine verflixte Kindheit verbrachte und was meine Eltern taten, bevor sie mit mir beschäftigt waren, und was es sonst noch an David-Copperfield-Zeug zu erzählen gäbe, aber ich habe keine Lust, das alles zu erzählen.

(J.D. Salinger; Der Fänger im Roggen)

14. Dezember:

Lolita, Licht meines Lebens, Feuer meiner Lenden. Meine Sünde, meine Seele. Lo-li-ta: Die Zungenspitze macht drei Sprünge den Gaumen hinab und tippt bei Drei gegen die Zähne. Lo. Li. Ta.
Sie war Lo, einfach Lo am Morgen, wenn sie vier Fuß zehn groß in einem Söckchen dastand. Sie war Lola in Hosen. Sie war Dolly in der Schule. Sie war Dolores auf amtlichen Formularen. In meinen Armen aber war sie immer Lolita.

(Vladimir Nabokov; Lolita)

15. Dezember:

Ein Orkan, das war ein Vogelschwarm hoch oben in der Nacht; ein weißer Schwarm, der rauschend näher kam und plötzlich nur noch die Krone einer ungeheuren Welle war, die auf das Schiff zusprang. Ein Orkan, der war das Schreien und das Weinen im Dunkel unter Deck und der saure Gestank des Erbrochenen. Das war ein Hund, der in den Sturzseen toll wurde und einem Matrosen die Sehnen zerriss. Über der Wunde schloss sich die Gischt. Ein Orkan, das war die Reise nach Tomi.

(Christoph Ransmayr; Die letzte Welt)

16. Dezember:

Als Gregor Samsa eines Morgens aus unruhigen Träumen erwachte, fand er sich in seinem Bett zu einem ungeheuren Ungeziefer verwandelt. Er lag auf seinem panzerartig harten Rücken und sah, wenn er den Kopf ein wenig hob, seinen gewölbten, braunen, von bogenförmigen Versteifungen geteilten Bauch, auf dessen Höhe sich die Bettdecke, zum gänzlichen Niedergleiten bereit, kaum noch erhalten konnte. Seine vielen, im Vergleich zu seinem sonstigen Umfang kläglich dünnen Beine flimmerten ihm hilflos vor Augen.
„Was ist mit mir geschehen?“, dachte er.

(Franz Kafka; Die Verwandlung)

17. Dezember:

Sechsjähriger

Er durchbohrt Spielzeugsoldaten mit Stecknadeln. Er stößt sie ihnen in den Bauch, bis die Spitze aus dem Rücken tritt. Er stößt sie ihnen in den Rücken, bis die Spitze aus der Brust tritt.
Sie fallen.
„Und warum gerade diese?“
„Das sind doch die anderen.“

(Reiner Kunze; Die wunderbaren Jahre)

18. Dezember:

Die ewigen Top Five meiner unvergesslichen Trennungen für die einsame Insel in chronologischer Reihenfolge:
1. Alison Ashworth
2. Penny Hardwick
3. Jackie Allen
4. Charlie Nicholson
5. Sarah Kendrew
Das waren diejenigen, die wirklich weh getan haben. Findest du deinen Namen darunter, Laura? Ich schätze, du könntest dich unter die Top Ten mogeln, aber unter den Top Five ist kein Platz für dich; diese Plätze sind für Demütigungen und Herzschmerz eines Kalibers reserviert, die du mir gar nicht zufügen könntest.

(Nick Hornby; High Fidelity)

19. Dezember:

In diesem Buch sind die Lehren des Philosophen aufgeschrieben. Er war ein Sohn Davids und König in Jerusalem.
Völlig sinnlos ist alles, pflegte der Philosoph zu sagen, völlig sinnlos. Was auch geschieht, es hat alles keinen Sinn. Der Mensch müht und plagt sich sein Leben lang, und was hat er davon? Die Generationen kommen und gehen; und die Erde bleibt, wie sie ist. Die Sonne geht auf, sie geht unter, und dann wieder von vorn, immer dasselbe.

(Gute Nachricht Bibel; Das Buch Kohelet)

20. Dezember:

Ich wollte es nicht wissen, aber ich habe erfahren, dass eines der Mädchen, als es kein Mädchen mehr war, kurz nach der Rückkehr von der Hochzeitsreise das Badezimmer betrat, sich vor den Spiegel stellte, die Bluse aufknöpfte, den Büstenhalter auszog und mit der Mündung der Pistole ihres eigenen Vaters, der sich mit einem Teil der Familie und drei Gästen im Esszimmer befand, ihr Herz suchte.

(Javier Marias; Mein Herz so weiß)

21. Dezember:

Wie soll ich ihn überhaupt nennen, damit es seine Frau niemals erfährt? Einen bretonischen Vornamen werde ich ihm auf jeden Fall geben, denn einen solchen hatte er ja. Aber es sollte ein Bardenname sein, der Name eines jener irischen Helden, deren Mut absurd war und die ihre Schlachten meistens verloren haben, nie aber ihre Seele.

(Benoite Groult; Salz auf unserer Haut)

22. Dezember:

Diese Erzählung wuchs und wuchs, während ich sie erzählte, bis sie zur Geschichte des Großen Ringkrieges wurde, in der immer wieder die noch ältere Geschichte flüchtig auftauchte. Ich hatte damit begonnen, kurz nachdem „Der Hobbit“ geschrieben und noch ehe das Buch 1937 erschienen war; aber dann fuhr ich mit der Erzählung nicht fort, denn zuerst wollte ich die Legenden und die Mythologie der Altvorderenzeit, die damals schon seit einigen Jahren Gestalt angenommen hatten, vervollständigen und ordnen. Das wollte ich gern zu meiner eigenen Freude tun, und ich hatte wenig Hoffnung, dass andere Leute sich für diese Arbeit interessieren würden, zumal sie in erster Linie sprachwissenschaftlich inspiriert war und ursprünglich darauf zielte, den notwendigen „geschichtlichen“ Hintergrund für die Elbensprachen zu schaffen.

(J.R.R. Tolkien; Der Herr der Ringe, Vorwort)

23. Dezember:

Im achtzehnten Jahrhundert lebte in Frankreich ein Mann, der zu den genialsten und abscheulichsten Gestalten dieser an genialen und abscheulichen Gestalten nicht armen Epoche gehörte. Seine Geschichte soll hier erzählt werden. Er hieß Jean-Baptiste Grenouille und wenn sein Name im Gegensatz zu den Namen anderer Scheusale, wie etwa de Sades, Saint-Justs, Fouchés, Bonapartes usw., heute in Vergessenheit geraten ist, so sicher nicht deshalb, weil Grenouille diesen berühmteren Finstermännern an Selbstüberhebung, Menschenverachtung, Immoralität, kurz an Gottlosigkeit nachgestanden hätte, sondern weil sich sein Genie und sein einziger Ehrgeiz auf ein gebiet beschränkte, welches in der Geschichte keine Spuren hinterlässt: auf das flüchtige Reich der Gerüche.

(Patrick Süskind; Das Parfüm)

24. Dezember:

Ich bin dazu verdammt, mit der Erinnerung an einen Jungen mit einer entsetzlichen Stimme zu leben – nicht wegen seiner Stimme, auch nicht, weil er der kleinste Mensch war, der mir je begegnet ist, und nicht einmal, weil er das Werkzeug zum Tod meiner Mutter war, sondern weil er der Grund ist, warum ich an Gott glaube: wegen Owen Meany bin ich Christ geworden.

(John Irving; Owen Meany)

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Adventmails 2003
Liebe FreundInnen!

Im Vorjahr habe ich vom 1. bis 24. Dezember jeden Tag Bucheinstiege als "literarische Adventkästchen" versendet. Heuer geht es mir - als nunmehriger Single schon allein aus biographischen Gründen - weniger um Anfänge als vielmehr um die Frage, wie man ein gutes Ende findet. Ich werde euch somit ab heute 24 "famous last words" aus mehr oder weniger berühmten Werken der Weltliteratur schicken, also Schlusssätze aus Romanen, Dramen, Gedichtbänden u.a. Texten, die ich in meiner eigenen Bibliothek, aber auch z.B. in der Städtischen Bücherei am Gürtel (große Empfehlung für einen Besuch!) vorfand. Ich hoffe ihr habt damit heuer ähnlich viel Freude, wie viele von euch im Vorjahr in Feedbacks bekundeten.

Einen Advent mit Muße zum Lesen, Nachdenken und Herzerweitern wünscht euch
Robert

Und hier der Text zum 1. Dezember (ab morgen unkommentiert):
1. Dezember
Herr Lehmann stand da, verkehrsumtost, und fühlte sich leer. Er wollte nicht nach Hause, da erwartete ihn nichts außer ein paar Büchern und einem leeren Bett. Vielleicht sollte ich mir doch wieder einen Fernseher anschaffen, dachte er. Oder mal Urlaub machen. Mit Heidi nach Bali. Oder nach Polen. Oder was ganz anderes anfangen. Man könnte auch noch einen trinken, dachte er, irgendwo.
Ich gehe erst einmal los, dachte er. Der Rest wird sich schon irgendwie ergeben.
(Sven Regener: Herr Lehmann)

2. Dezember
Ohne dieses einfache Vertrauen, dass uns nichts erreicht, was uns nichts angeht, und dass uns nichts verwandeln kann, wenn wir uns nicht verwandelt haben, wie könnte man über die Straße gehen, ohne in den Irrsinn zu wandeln? Natürlich lässt sich denken, dass wir unser mögliches Gesicht, unser mögliches Gehör nicht immer offen haben, will sagen, dass es noch manche Zufälle gäbe, die wir übersehen und überhören; aber wir erleben keine, die nicht zu uns gehören. Am Ende ist es immer das Fälligste, was uns zufällt.
(Max Frisch: Tagebücher 1946-1949)

3. Dezember
Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.
(Ludwig Wittgenstein: Tractatus logico-philosophicus)

4. Dezember
„Sch’ma Jisruel, kalt is ma in die Fiß, Sch’ma, die Fiß so kalt, oj is ma in die Fiß Israel. Sch’ma Jisruel, in die Fiß is ma soi koit in die Fiß adonai.“
Da denk ich mir, wann endlich warm werden die Füße, und der Kopf bleibt wunderbar kühl, kann passieren, dass kommt nicht der Messias, sondern ein schönes Gefühl.
(Robert Schindel: Gebürtig)

5. Dezember
Weder die Autorin noch der Verlag sind gegenüber Personen oder Gesellschaften für tatsächlichen oder angeblichen Verlust, Schaden, Verletzungen oder Leiden haftbar, die direkt oder indirekt durch die Informationen oder das Fehlen von Informationen in diesem Buch verursacht werden.
(Lou Paget: Der perfekte Liebhaber. Sextechniken, die sie verrückt machen)

6. Dezember
Sie hat ihn noch immer nicht berührt. Aber trotzdem hat er sie vom Kopf bis zu den Zehenspitzen gespürt, als hätte die Notapothekerin sich in eine Art Gänsehaut auf dem Brenner-Körper verwandelt. Aber er hat sich noch immer mit eiserner Disziplin gezwungen, die Augen nicht aufzumachen.
„Wenn du nicht aufpasst, nehm ich dir auch gleich dein Rachenzäpfchen weg“, hat die Notapothekerin aus ungefähr null Zentimeter Entfernung behauptet.
„Geh“, hat der Brenner mit geschlossenen Augen gelächelt.
Und dann hat die Notapothekerin nichts mehr gesagt.
Und dann hat sie sich auf ihn gestürzt. Hyäne nichts dagegen.
(Wolf Haas: Silentium)

7. Dezember
Alles Vergängliche
Ist nur ein Gleichnis;
Das Unzulängliche,
Hier wird’s Ereignis: Das Unbeschreibliche,
Hier ist’s getan; Das Ewigweibliche
Zieht uns hinan.
(Johann Wolfgang von Goethe: Faust. Der Tragödie zweiter Teil)

8. Dezember

Als Onkel Nolte dies vernommen,
War ihm sein Herze sehr beklommen.

Doch als er nun genug geklagt:
„Oh!“ sprach er – „Ich hab’s gleich gesagt.“

„Das Gute – dieser Satz steht fest –
Ist stets das Böse, was man läßt!“

„Ei ja! – da bin ich wirklich froh!
Denn, Dott sei Dank! Ich bin nicht so!“

(Wilhelm Busch: Die fromme Helene)

9. Dezember
Die Bösen sind nur eine Bande blöder dummer weißer Männer, und wir sind verdammt viel mehr als sie. Nutzt eure Macht.
Ihr habt etwas Besseres verdient.
(Michael Moore: Stupid White Men)

10. Dezember
„Gute Nacht, Nini.“
„Gute Nacht.“
Die Amme reckt sich in die Höhe und macht mit ihrer kleinen Hand, an deren Knochen die Haut gelb und faltig klebt, das Kreuzzeichen auf die Stirn des Greises. Sie geben sich einen Kuss. Es ist ein ungeschickter, kurzer, merkwürdiger Kuss: Wenn ihn jemand sähe, müsste er lächeln. Aber wie jeder Kuss ist auch dieser eine Antwort, eine unbeholfene, zärtliche Frage auf eine Frage, die nicht in Worte zu fassen ist.
(Sandor Marai: Die Glut)

11. Dezember
Bei all dem muss sich Bildung als Kommunikation bewähren. Sie darf sie nicht erschweren, sondern muss sie bereichern. Sie darf deshalb nicht als bedrückende Norm, als unangenehme Aufgabe, als eine Form der Konkurrenz oder gar als gespreizte Selbstbeweihräucherung daherkommen. Sie darf überhaupt nicht separat als „Bildung“ in Erscheinung treten oder gar zum Thema werden; vielmehr ist sie der Stil der Kommunikation, durch die Verständigung zwischen Menschen zum Genuss wird. Kurzum: Sie ist die Form, in der Geist, Fleisch und Kultur zur Person werden und sich im Spiegel der anderen reflektiert.
(Dietrich Schwanitz: Bildung. Alles, was man wissen muss)

12. Dezember
Und doch, als er gestorben war, als sie ihm ihre Lippen auf die Stirn gedrückt hatte und mit Denise und Gary in die warme Frühlingsnacht hinausging, da spürte sie, dass es nun nichts mehr gab, was ihre Hoffnung zunichte machen konnte, nichts. Sie war fünfundsiebzig Jahre alt, und sie würde einiges in ihrem Leben ändern.
(Jonathan Franzen: Die Korrekturen)

13. Dezember
Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.
(Das Evangelium nach Matthäus)

14. Dezember
Den Rest seiner Zeit verwendete er auf eine Reihe von Gewohnheiten, die ihn erfolgreich davor bewahrten, unglücklich zu sein. Bisweilen, an windigen Tagen, ging er zum See hinunter und schaute stundenlang hinaus, denn es schien ihm, als zeichne sich auf dem Wasser das unerklärliche, schwerelose Schauspiel dessen ab, was sein Leben gewesen war.
(Alessandro Baricco: Seide)

15. Dezember
In unseren besten Augenblicken, wenn vor lauter Gelingen auch das energischste Tun in Lassen aufgeht und die Rhythmik des Lebendigen spontan uns trägt, kann sich der Mut plötzlich melden wie eine euphorische Klarheit oder ein wunderbar in sich gelassener Ernst. Er weckt in uns die Gegenwart. In ihr steigt die Wachheit mit einem Mal auf die Höhe des Seins. Kühl und hell betritt jeder Augenblick deinen Raum; du bist von seiner Helle, seiner Kühle, seinem Jubel nicht verschieden. Schlechte Erfahrungen weichen zurück vor den neuen Gelegenheiten. Keine Geschichte macht dich alt. Die Lieblosigkeiten von gestern zwingen zu nichts. Im Licht solcher Geistesgegenwart ist der Bann der Wiederholungen gebrochen. Jede bewusste Sekunde tilgt das hoffnungslose Gewesene und wird zur ersten einer Anderen Geschichte.
(Peter Sloterdijk: Kritik der zynischen Vernunft)

16. Dezember
Das Schlimmste, was einem Menschen, glaube ich, passieren kann, ist, wenn er sich von seinen drei Kindern trennt. Das ist ganz schlimm.
(Dieter Bohlen: Hinter den Kulissen)

17. Dezember
Zusammen mit dem Gefühl, wirklich erfüllt gelebt zu haben, sind Erinnerungen die einzigen wahren Geschenke, die wir unseren Kindern hinterlassen können.
(Elisabeth Kübler-Ross: Was können wir noch tun? Antworten auf Fragen nach Sterben und Tod)

18. Dezember
In diesem Augenblick kommen mir so viele fundamentale Gedanken, so viele wahrhaft metaphysischen Dinge möchte ich mitteilen, dass ich auf einmal müde werde und die Entscheidung fälle, nicht weiter zu schreiben, nicht weiter zu denken, sondern geschehen zu lassen, dass mir das Ausdrucksfieber Schlaf schenkt und ich mit geschlossenen Augen all das, was ich gesagt haben könnte, wie eine Katze streichle.
(Fernando Pessoa: Das Buch der Unruhe)

19. Dezember
Die Wahrheit ist sehr einfach. Sie braucht kein Training, keine Übung, keine Probe. Du bist einfach, was du bist. Akzeptiere es und zeige es vor der Welt.
(Osho: Heilung)

20. Dezember
Christa T. wird zurückbleiben.
Einmal wird man wissen wollen, wer sie war, wen man da vergisst. Wird sie sehen wollen, das verstände sie wohl. Wird sich fragen, ob denn da wirklich jene andere Gestalt noch gewesen ist, auf der die Trauer hartnäckig besteht. Wird sie, also, hervorzubringen haben, einmal. Dass die Zweifel verstummen und man sie sieht.
Wann, wenn nicht jetzt?
(Christa Wolf: Nachdenken über Christa T.)

21. Dezember
And in the end, the love you take,
Is equal to the love you make.
(Beatles: Abbey Road)

22. Dezember
Estragon: Also, wir gehen?
Wladimir: Zieh deine Hose rauf.
Estragon: Wie bitte?
Wladimir: Zieh deine Hose rauf.
Estragon: Meine Hose ausziehen?
Wladimir: Zieh deine Hose herauf.
Estragon: Ach ja.
(Er zieht seine Hose herauf. Schweigen)
Wladimir: Also? Wir gehen?
Estragon: Gehen wir!
(Sie gehen nicht von der Stelle)
(Samuel Beckett: Warten auf Godot)

23. Dezember
Ich war plötzlich so verflucht glücklich, weil Phoebe immer im Kreis herum fuhr. Ich hätte beinah geheult, so verflucht glücklich war ich, falls das jemand interessiert. Ich weiß nicht warum. Einfach weil sie so verdammt nett aussah, während sie dort herumfuhr – in ihrem blauen Mantel und allem. Großer Gott, so was muss man gesehen haben.
(J.D. Salinger: Der Fänger im Roggen)

24. Dezember
Und seine Schbäze haum si d Schuach gschmiad und haum iwaroe gschüdad, wia des ois is und woa und sei wiad, und da Heagod hod eana ghoefm dabei, indem das a mid ole meglichn Deita fa da Hää owa zaagd hod, das des woa is, wos s dazöön.
(Wolfgang Teuschl: Da Jesus und seine Hawara)

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Dienstag, 23. Oktober 2007
Adventmails 2005
Liebe FreundInnen!

Alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christuskind, sondern auch ein virtueller Adventkalender von mir. Ihr erinnert euch, sofern ihr schon in den letzten Jahren von mir bedacht worden seid: 2002 gab’s täglich Buchanfänge, 2003 „letzte Worte“ in Büchern, im Vorjahr sammelte ich mit eurer Hilfe knapp beschreibbare Glücksmomente. Heuer habe ich „warten“ als Leitmotiv gewählt – was ja gut zum Advent passt. Ich habe im Internet Spuren des Wartens in unterschiedlichsten Zusammenhängen verfolgt, habe frei assoziiert und möglichst auch um die Ecke gedacht. Das Ergebnis werdet ihr in den kommenden 24 Tagen täglich in eurer Mailbox vorfinden und hoffentlich ähnlich viel Spaß daran haben wie ich beim Zusammenstellen.

Habt eine möglichst geruhsame Vorweihnachtszeit mit reichlich Muße-Inseln für Dinge, die euch Freude machen!

Alles Liebe,
Robert

1. Dezember

Die Spielregeln des Wartens

Wir warten auf das, was wir schätzen. Je länger die Warteschlange, umso wertvoller ist das Produkt.
Wir schätzen das, worauf wir warten müssen. Wartezeit erhöht den Wert.
Der Mächtigere bestimmt, wer wie lange wartet. Komme bei ihnen nie zu spät.
Je länger man auf dich wartet, umso höher ist dein Status. Denn Warten bedeutet auch Respekt.
Geld verschafft einen Platz vorne in der Warteschlange.
Wenn man sich in eine Warteschlange drängelt, sollte man es hinten tun. Dort wird es noch am ehesten akzeptiert.

(nach Robert Levine, Autor des – sehr empfehlenswerten! – Buches „Eine Landkarte der Zeit“)


2. Dezember

Die Domain warte.de steht zum Verkauf, ebenso wie…
warten.biz
Wirwarten.de
Wartensienicht.de
Wirerwartensie.de
warten-sie-nicht.de
wirerwartenihrenbesuch.de

Leider vergeben ist inzwischen warten.de, wo sich lange Zeit eine spartanisch gestaltete website mit einem blinkenden Pfeilchen und dem Wort „waiting“ daneben fand.

siehe www.sedo.de/search


3. Dezember

Samuel Beckett, "Warten auf Godot"

Der Titel lässt vermuten, dass Godot eine abgeleitete Form des englischen Wortes "God" (Gott) ist. Godot ist die "Verkleinerungsform", die im Französischen ähnlich wie Pierrot von Pierre abgeleitet wird. Wenn das Warten auf Godot ein Warten auf Gott ist, der die beiden Protagonisten Wladimir und Estragon erlösen soll, ergibt sich eine denkbare Erklärung: Die Menschen streben auf einen Gott hin, der sie erlöst.

Es besteht eine starke Unsicherheit durch das ganze Stück hindurch, die zwei Landstreicher warten auf Godot, obwohl sie gar nicht mehr genau wissen, ob sie tatsächlich mit ihm verabredet sind. Estragon erinnert sich nicht mehr, Wladimir weiß nicht mehr, was sie ihn genau gefragt haben: "... Eigentlich nichts Bestimmtes ... Eine Art Gesuch ... Eine vage Bitte ..." und Godot hat ihnen versprochen: "... Er würde mal sehen ...Er müsse überlegen..."

Wiederkehrende Motive sind die andauernde Ungewissheit in der Verabredung mit Godot, die Irrationalität dieser Person an sich und die sich steigernde Hoffnungslosigkeit. Nur weil sie an den Versuchen scheitern, sich umzubringen, verbleiben sie wartend. Die beiden führen einen unaufhörlichen Dialog mit dem Ziel sich abzulenken, Estragon: "Das tun wir, um nicht zu denken".

PS: Eine Ergänzung zum gestrigen Mail: www.zeitverein.com (Danke, Petra!)


4. Dezember

„Wie sprichst du sie/ihn an?
Was tun bei Schüchternheit?
Wie nimmst du Signale wahr?
Viel sagen ohne Worte - wie geht das?
Wie schaffst du eine Atmosphäre, in der sich beide wohl fühlen?“

Hier findest du die Antworten:
www.flirten-statt-warten.de


5. Dezember

Berliner Student bietet Anstehservice an

Mit dem Slogan: "Ich stehe für Sie an - Sie haben Zugang ohne Warten", wirbt Martin Schwedusch beim Auktionshaus Ebay für seinen Anstehservice zur MoMA-Ausstellung. Zum Preis von zehn Euro pro Stunde stellt sich der Student geduldig in die meterlange Schlange vor der Neuen Nationalgalerie. "Inzwischen muss man mit vier bis sechs Stunden Mindestanstehdauer rechnen", meint der Wartespezialist. Sein Rekord liege jedoch bei neun Stunden. Die Nachfrage seiner Dienste ist enorm; der clevere Geschäftsmann hat sogar schon eine Kollegin, die sich die Aufträge mit ihm teilt. "Ich selbst kann mich nämlich immer nur für eine Gruppe von bis zu fünf Personen anstellen. Ansonsten würde ich wohl Ärger mir den anderen Besuchern bekommen", so Schwedusch. "Hektisch wird es erst im Eingangsbereich." Er hält die Geduld und Disziplin, die in der Schlange herrschen, für bemerkenswert. Zum Zeitvertreib hat der Profi Hörbücher und einen Audiokurs für Chinesisch griffbereit.
(Aus: Berliner Morgenpost, Freitag, 3. September 2004)


6. Dezember

It’s been a long time, now I’m coming back home,
I’ve been away now, oh how I’ve been alone,
Wait till I come back to your side,
We’ll forget the tears we cried.

(Beatles, “Wait”, LP “Rubber Soul”)


7. Dezember

Heute zwei Bilder...

“… warten auf … die Kunst..”
http://www.fotocommunity.de/pc/pc/display/1588019

„Warten auf den großen Fang……..“
http://www.fotocommunity.de/pc/pc/cat/1926/display/1940644


8. Dezember

Fegefeuer

Das Fegefeuer (lat.: purgatorium) ist nach der römisch-katholischen Lehre ein Ort der Läuterung, in dem die Seele eines Verstorbenen auf das ewige Leben im Himmel vorbereitet wird. Im Fegefeuer besteht die Qual darin, dass der Verstorbene zwar schon die vollkommene Gegenwart und Liebe Gottes spürt, sich aber auf Grund seiner Sünden dieser Liebe nicht würdig fühlt. Der Mensch wird so von seiner letzten Schuld durch seine Reue geläutert. Die so genannten armen Seelen sind im Fegefeuer also nicht endgültig festgehalten, sondern sie haben immer die Gewissheit, daraus entlassen zu werden. Die Wurzeln zu dieser Idee reichen bis ins frühe Christentum.

In der neueren Theologie wird der Gedanke des Fegefeuers als eines Ortes mit "zeitlichen Strafen" abgelehnt. Stattdessen sprechen die Theologen von einem Reinigungsgeschehen. Fegefeuer sei ein Bild der Hoffnung des Gläubigen auf eine Läuterung und Reinigung durch Gott. Mit Mutmaßungen über zeitliche und räumliche Dimensionen dieses Geschehens hält man sich heute zurück. Weiterhin wird jedoch daran festgehalten, dass die Lebenden den Verstorbenen durch Gebet, Feier der Messe und Taten der Nächstenliebe zu Hilfe kommen können.

In der Kunst wurde der Zustand des Menschen im Fegefeuers immer mit preisenden Gestiken dargestellt, während in Höllendarstellungen der Mensch nur leidet. Die berühmteste literarische Darstellung des Fegefeuers findet sich in der Göttlichen Komödie von Dante.

Es gibt immer wieder auch säkulare Versionen des Fegefeuer-Themas, etwa in der Film-Komödie "Und täglich grüßt das Murmeltier": Ein zynischer, selbstsüchtiger Reporter (Bill Murray) gerät in eine "Zeitfalle", aus der er erst befreit wird, als er gelernt hat, Gutes zu tun und andere Menschen zu lieben.


9. Dezember

Was zu tun ist, wenn man sich einem Stau nähert:
Fahrgeschwindigkeit rechtzeitig reduzieren
Plötzliches Abbremsen vermeiden
Warnblinkanlage aktivieren, um nachkommende Lenker zu warnen

Wenn man bereits im Stau steht:
Pannenstreifen immer freihalten. Im Ernstfall müssen Einsatzfahrzeuge vorbeifahren können
Niemals wenden oder rückwärts fahren
Bei längerem Verkehrsstillstand: Motor abstellen
Ruhe bewahren, Kinder und Tiere beschäftigen
Nach Möglichkeit immer im Auto bleiben und nicht Arme oder Kopf aus dem Fenster strecken
Wenn man trotzdem aussteigen müssen: Warnweste überziehen und vor Öffnen der Türe immer Blick in den Spiegel

Wenn es wieder weiter geht:
Auf keinen Fall versuchen, durch den Stau verlorene Zeit wieder aufzuholen.
Sondern: Immer gleichmäßig und vorausschauend fahren


(aus: ÖAMTC-Tipps: Richtiges Verhalten im Stau)


10. Dezember

Etymologie von „warten“

„Warten“ kommt vom althochdeutschen und mittelhochdeutschen „warten“ (ausschauen, erwarten), die germanische Wurzel hat auch die Bedeutung „bewachen“, „auf etwas achten“ und kommt zB. im französischen Lehnwort „guarder“ (bewachen) oder im italienischen „guardare“ (schauen, behüten) vor.

„Grundbedeutung ist somit ‚sehen’, woraus sich im Deutschen ‚auf jemanden hinsehen, den man erwartet’ entwickelt hatte.“ (Kluge, Etymologisches Wörterbuch)

Verwandt sind die Nomina „Wart“ und „Wärter“.


11. Dezember

Die 4D des BG/BORG Graz-Liebenau plante heuer im technischen Werkunterricht Wartehäuschen für den öffentlichen Verkehr und baute Modelle im Maßstab 1:20.

Sieben Beispiele sind im Internet zu sehen: http://www.hib-liebenau.at/g_wh05.htm


12. Dezember

Warum heute drei Adventmails auf einmal?
Vielleicht weil der Absender die letzten drei Tage zum Schifahren auf der Reiteralm nutzte?
Oder weil er meint, dass ein wenig warten gut zum Thema der diesjährigen Adventmails passt?
Aus Ratlosigkeit? Rastlosigkeit? Heiserkeit? Heiterkeit?
Oder nichts von alledem?
Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?

Fragen über Fragen...

Antworten auf
www.antworten.de


13. Dezember

Als Henry Van Cleve 1943 stirbt, begibt er sich in die Hölle, wo er glaubt hinzugehören. Im Vorzimmer trifft er auf Seine Exzellenz, den Satan persönlich, einen eleganten, freundlichen Mann mit Sinn für Humor. Der bezweifelt, dass Van Cleve genug gesündigt hat, um sich für den Verbleib in der Hölle zu qualifizieren. Henry aber besteht darauf, ein sündiges Leben geführt zu haben und beginnt, dem Teufel sein Leben zu erzählen.

Dieses ist geprägt durch die Ereignisse, die jeweils an seinen Geburtstagen stattfanden. So betrinkt er sich an seinem 15. Geburtstag und wird von dem französischen Hausmädchen verführt. Als er 21 wird, brennt er mit Martha Strabel, der hübschen Verlobten seines steifen Cousins Albert, durch und heiratet sie, begleitet von dem stillschweigenden Wohlwollen seines Großvaters, dem die Eskapaden seines Enkels einen Riesenspaß bereiten.

Zehn Jahre später ist Martha Henrys harmloser Flirts überdrüssig und flieht zu ihren Eltern, die sie nach ihrer Liebesheirat von zu H ause verstoßen hatten. Henrys Großvater befiehlt seinem Enkel, Martha zurückzuholen, und leistet tatkräftige Mithilfe bei deren erneuter Entführung.

Wiederum 20 Jahre später, Henry wird jetzt 51 und hat einen erwachsenen Sohn Jack, besucht er eine Revuetänzerin mit eindeutigen Absichten und erfährt, dass sie die Geliebte seines Sohnes ist. Gegen 25.000 Dollar nimmt er ihr, plötzlich sehr moralisch, das Versprechen ab, Jack nicht wieder zu sehen. Martha amüsiert sich über das Verhalten ihres Mannes, weiß sie doch, dass Jack schon aufgegeben hatte, die Tänzerin zu treffen.

Weitere zehn Jahre vergehen und Henry tanzt an seinem Geburtstag einen letzten Walzer mit seiner Frau, die wenig später stirbt.Nun wird Henry selbst zum kauzigen Großvater, der wegen seiner vermeintlichen Eskapaden mit jungen Frauen von seinem konservativen Sohn gerügt wird.

1943 schließlich ist es soweit, Henry haucht als 70-Jähriger sein Leben aus. Er besteht gegenüber Seiner Exzellenz darauf, in die Hölle zu kommen, doch der verwehrt ihm den Zutritt mit dem Hinweis, Henrys einzige Sünde sei gewesen, sein Leben ausgekostet und viel Glück erfahren zu haben. Und solche Leute seien in der Hölle nun mal nicht erwünscht. Dann geleitet er Henry zum Fahrstuhl und schickt ihn "aufwärts".

Das ist der Inhalt des Films "Heaven Can Wait", dessen deutscher Titel "Ein himmlischer Sünder" die Ironie des Originals nicht ganz trifft. Es war der erste Farbfilm von des Berliner Hollywood-Emigranten Ernst Lubitsch (Drehbuch nach dem Theaterstück "Szuletsnap" von Laszlo Bus-Fekete), dessen Karriere 1943 ihrem Ende entgegen ging. Nur noch zwei Filme inszenierte er danach, bevor er am 30. November 1947 an einem Herzinfarkt starb.


14. Dezember

Kate Bush* („Wuthering Heights“, 1978) hat nach zwölf Jahren Pause mit „Aerial“** ein neues Album herausgebracht und erntete dafür fast durchwegs Kritikerlob.

Im Vorjahr schrieb der amerikanische Popkritiker John Mendelssohn einen Roman, der das lange Warten auf ein neues Werk der einflussreichen Popsängerin thematisiert: „Waiting for Kate Bush“ (Omnibus Press 2004) ist seit November auch auf Deutsch („Warten auf Kate“, Rockbuch Verlag Buhmann & Haeseler 2005) erhältlich.

Rezensent fritz-the-lovehound (s. amazon.de) aus Berlin schrieb darüber:

„Ich habe das Buch in einem Rutsch durchgelesen und habe mich köstlich amüsiert. Der Roman ist absolut spannend und überaus geistreich geschrieben. Wenn man einen Schuss schwarzen Humor verträgt, kommt man voll auf seine Kosten.

Der Romanheld Leslie Herskovits steht auf einem Hochhaus und will seinem Leben ein Ende setzen, weil es ihm auf der Erde zu kompliziert geworden ist und er zu oft seelische Verletzungen erlitten hat - und - weil Kate Bush, sein heiß geliebter Stern am Horizont schon seit Jahren kein neues Album herausbringt. Er weiß alles über sie und es liest sich überaus unterhaltsam, welche Details der Autor aus Kates Leben wahrheitsgetreu in die Handlung hineinwebt. Schnell schlägt das eigene Herz für den Romanheld Herskovits, der zielstrebig immer wieder in Situationen hineingerät, die ihm zum Verhängnis werden. Beim Lesen kommt man sich unwillkürlich selbst ein Stück näher, so alltäglich und doch manchmal faszinierend komisch ist unsere moderne und manchmal echt kaputte Welt mit all den Fallen, die sie uns stellt. Ob Herskovits nun tatsächlich in die Tiefe springt wird nicht verraten.

Lest dieses Meisterstück eines modernen, einfühlsamen und faszinierenden Romans selbst - er ist unbedingt empfehlenswert und überaus gewinnbringend für die eigene Befindlichkeit in schlechten Tagen.“

*http://de.wikipedia.org/wiki/Kate_Bush; www.katebush.com/
**www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B000BEPLUE/303-6577185-8705804


15. Dezember

Was empfinden junge Leute, die sich für das Lebenskonzept „Kein Sex vor der Ehe“ entschieden haben und heute verheiratet sind?

Ulrike: "Mein Mann und ich sind seit fast 4 Jahren verheiratet. Vor unserer Ehe haben wir nicht miteinander geschlafen. Damals waren wir uns einig, dass wir mit Sex bis zur Ehe warten wollen. Es half uns einmal einen festen Entschluss gefasst zu haben und klar Stellung zu beziehen, um Situationen zu meistern, wo es nicht leicht ist…

Es ist für mich auch wichtig zu wissen, dass mein Mann nicht nur „das Eine“ von mir wollte, sondern mich als Persönlichkeit schätzt und liebt. Ich denke, dass es gerade bei einem Mann von Stärke und Charakter zeugt, wenn er warten kann, aber natürlich auch bei einer Frau.“

Siehe: www.wahreliebewartet.de

1993 haben in Amerika 59 Teenager aus freiem Willen schriftlich versprochen, ihre Reinheit für die Ehe zu bewahren und bis zur Hochzeit sexuell enthaltsam zu leben. Seither sind viele Jugendliche diesem Aufruf gefolgt. 1994 versammelten sich vor dem Weißen Haus in Washington bereits 200.000 Jugendliche zu einem "True Love Waits"-Festival.


16. Dezember

Bumerang

War einmal ein Bumerang;
War ein Weniges zu lang.
Bumerang flog ein Stück,
Aber kam nicht mehr zurück.
Publikum - noch stundenlang -
Wartete auf Bumerang.

Joachim Ringelnatz


17. Dezember

Tom Waits ...

...wurde als Thomas Alan Waits am 7. Dezember 1949 in Pomona, Kalifornien, geboren. Seine Eltern trennten sich, als er noch ein Junge war.

Waits arbeitete als Küchenhilfe, Kneipenpianist und Türsteher und tingelte als Musikerpoet durch die Lande. Er schrieb Songs, die von Unterprivilegierten erzählten und sich in miesen Kneipen und schäbigen Motels abspielten.

Sein Debütalbum "Closing Time" wurde 1973 zum Szene-Geheimtipp und seine Fans verehrten ihn als neuen Jim Morrison. Mit seinen folgenden Alben avancierte er zum Kultidol und erlangte weltweite Berühmtheit als Interpret von schwermütig stimmenden Songs.

Er arbeitete mit Bette Middler und Crystal Gayle, mit der er 1982 einen Song zu Francis Ford Coppolas Musical-Film "One From The Heart" beisteuerte. Der Film floppte zwar, die Musik wurde allerdings für einen "Oscar" nominiert.

Neben seiner Musik zeigte sich Tom Waits auch als Schauspieler und hatte Rollen in "Rumble Fish", "Cotton Club" und "Ironweed". Sein Auftritt als inhaftierter Radio-DJ in "Down By Law" brachte ihm sehr gute Kritiken ein.

Im Jahr 1981 heiratete Waits die Dramaturgin Kathleen Brennan. Diese brachte 1983 Tochter Kellesimone und 1985 Sohn Casey Xavier zu Welt. Sie war außerdem von nun an Waits Partnerin und arbeitete an dessen Projekten mit.

Mitte der 80er Jahre schaffte Waits den internationalen Durchbruch als Musiker und veröffentlichte die Alben "Swordfishtrombones" und "Rain Dogs", auf dem Titel wie "Soldier´s Thing", "Blind Live" und "Downtown Train" veröffentlicht wurden. 1990 schaffte Rod Stewart mit seiner Version von "Downtown Train" Platz drei der US- Charts.

Waits widmete sich mit seiner Frau der Arbeit an einer einem ungewöhnlichen Projekt. Er vertonte mit ihr den Monolog "Frank´s Wild Years" von seinem Album "Swordfishtrombones" zu einem musikalischen Stück, was im gleichen Jahr in Chicago Theaterpremiere feierte.

Mitte der 90er Jahre führte Waits Prozesse gegen seinen Verlag "Third Music Story", die er beide gewann. Es ging um Veräußerungen von Titeln für Werbezwecke ohne die Zustimmung von Waits. "Heart Attack And Wine" war an Levi´s Jeans und "Ruby´s Arms" an eine französische Käsefirma verkauft worden.

In den 90er Jahren war Waits weiterhin zweigleisig unterwegs. Er spielte in Filmen wie "Dead Man Walking", "Night On Earth" und 1999 in "Mystery Men" neben Ben Stiller. Und Waits brachte weitere Alben auf den Markt. Mit seinem 1992 veröffentlichten "Bone Machine" konnte er 1993 seinen ersten "Grammy" in der Kategorie "Best Alternative Music" feiern.

Waits lebte abgeschieden und war nur selten auf der Bühne zu erleben. 1998 verließ er das Major-Label "Island" und unterschrieb für ein Album beim Independent-Label "Epitaph", welches "Bad Religion"-Gitarrist Brett Gurewitz gehörte. Das Werk erschien 1999 als "Mule Variations" und verschaffte Waits erneut weltweiten Erfolg. Chart-Platz vier in Deutschland, Top Ten in anderen europäischen Ländern und in Japan, Platz 30 in den USA. "Mule Variations" wurde in der Sparte Blues mit einen "Grammy" für das "Beste zeitgenössische Folkalbum" ausgezeichnet.

Wiederum mit seiner Frau erarbeitete Tom Waits in der Folge gleich zwei neue Alben auf einmal und brachte diese im Mai 2002 in den Handel - "Alice" und "Blood Money".

Im Oktober 2005 war Waits in dem neuen Film des italienischen Regisseurs Roberto Benigni zu sehen: "La tigre e la neve" behandelt mit der üblichen Kombination von Humor und Tragik das Thema des US-amerikanischen Krieges im Irak.

Biographie siehe auch www.allmusic.com


18. Dezember

Bücher rund ums Warten:

"Warten". Roman. Ha Jin, dtv premium 2000
(National Book Award 1999, PEN/Faulkner Award 2000, nominiert für den Pulitzer 2000)

China, zur Zeit nach der Kulturrevolution. Lin Kong stammt aus der Provinz und lebt als Arzt im Armeekrankenhaus am Rande der Stadt Muji. Das Leben ist geprägt von Regeln, Vorschriften und Rangordnungen, und Lin Kong hat diese Art Leben verinnerlicht. Er ist intelligent, aber unkreativ, er denkt viel nach - sehr viel -, hat aber eigentlich nicht die Kraft, eigene Entscheidungen zu treffen.

Auf dem Land, im heimischen "Gänsedorf", lebt Shuyu, seine ungeliebte Frau, die er auf Drängen seiner Eltern geheiratet hat und nur während seines Jahresurlaubes sieht. Lin Kong lernt die Krankenschwester Manna Wu kennen, die sich langsam in ihn verliebt, während er sich an die freundliche, bestimmte Frau gewöhnt, und mit ihr eine distanzierte Freundschaft aufbaut, die er irgendwann für Liebe hält. Fortan bemüht sich Lin Kong, ganz ein Mann des Prinzips und der Unumstößlichkeit einmal getroffener Entscheidungen, um die Scheidung von seiner Frau - keine leichte Sache im China kurz nach Mao. Achtzehn Jahre dauert das "Warten" auf die Trennung, während sich die Protagonisten ändern - und, natürlich, das ganze China drumherum.

weiters:

"Warten auf Schnee in Havanna" von Carlos Eire, Wolfgang Müller
Heyne (Mai 2005)

"Der Himmel soll warten" von Katja Henkel
Bloomsbury (Oktober 2005)

"Warten auf den Bumerang", 1 Audio-CD von Joachim Ringelnatz, Robert Gernhardt, Universal Music (2005)

"Schule ist wie Robinson - alle warten auf Freitag",
von David Lawrence, Brunnen-Verlag 2005

"Warten auf die Barbaren" Roman von J. M. Coetzee (2001, S. Fischer).

"Warum noch darauf warten? Sextipps für Frauen" von Sylvia de Bejar. dtv 2003

"Wer warten kann, hat mehr vom Leben. Der entspannte Weg zu mehr Gelassenheit" von John Selby. dtv 2004.


Und:

Ohne Autor: "Warten auf Weihnachten"
Igel Records, 2003, 2 CD-Hüllen im Schuber,

Informationen des Verlages: Mit 24 wunderbaren Weihnachtsgeschichten für Kinder zum Hören, Wundern, Lachen und Träumen wird das Warten auf Weihnachten zum wahren Vergnügen. Eine Geschichte für jeden Tag im Advent.
Dieser „erzählende Adventskalender“ öffnet für den begeisterten Zuhörer jeden Tag eine weitere Wundertür. Bekannte Autoren wie Erich Kästner, Paul Maar, Astrid Lindgren, Christine Nöstlinger, Kirsten Boie schreiben heitere oder besinnliche Texte über die schönste Zeit des Jahres. Dazu enthält diese Weihnachtsanthologie viele Originalbeiträge junger deutscher Autoren - und als echtes Weihnachtsgeschenk von Astrid Lindgren die bislang unveröffentlichte und erstmals auf Tonträger erklingende Geschichte „Pippi Langstrumpf feiert Weihnachten“.
Zwischen den Geschichten gibt es kleine „musikalische Weihnachtsplätzchen“ von Bach über Mozart bis Schumann, engelleicht arrangiert für Konzertharfe oder luftig fliegend für Flöte mit Klavierbegleitung: mal silbrig glitzernder Gitarrenklang, mal biblisch tönendes Gebläse.
Spielzeit 4 Stunden 25 Minuten.


19. Dezember

Warten

Die Nacht ist ein Schnee gefallen
und fällt auch am grauen Morgen noch.
Du hast dich gehüllt so tief
in deinen Mantel aus Schweigen.

Ich hab mein Herz eingezogen
zwischen seine wunden Schultern.
Die Blumen der Sehnsucht,
nun schlafen sie unterm dünnen Eis.

Das klirrt wie Glas mit
zerbrochenen, kleinen Schollen
am windigen Ufer unserer Träume.

Friedrich-Carl Dieskau


20. Dezember

Nach dem Profi gestern darf heute ein Laie seine Poesie entfalten. Es handelt sich um "Brallo", den gelernten Holzmechaniker aus Gesmold, der die Welt auf seiner eigenen Homepage mit Gedichten der klobigen Art beglückt (www.brallo.de).

Warten...

Die rote Rose in der Hand,
wartet er schon Minuten an der Wand.
Wäre sie doch schon hier,
in Gedanken ist er tief bei ihr.

Sein Herz schlägt jetzt mit lautem Ton,
sie kommt, und er freut sich schon.
Worte fallen nun, wie vom Himmel die Sterne,
jeder sieht es, sie haben sich gerne.

(Copyright by Brallo 6/99 - 12/99)


21. Dezember

Indem die Frau den Mann ein paar Augenblicke warten lässt,
protestiert sie vor allem gegen das lange Warten,
das ihr Leben ist.
(Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht)

Ich bin unpünktlich,
weil ich die Schmerzen
des Wartens nicht fühle.
Ich warte wie ein Rind.
(Franz Kafka, Tagebücher)

Warten lernen wir gewöhnlich erst,
wenn wir nichts mehr zu erwarten haben.
(Marie von Ebner-Eschenbach, Aphorismen)

Kein Problem wird gelöst, wenn wir träge
darauf warten, dass Gott sich darum kümmert
(Martin Luther King)


22. Dezember

Wolfgang Krisch, Mandatar der grünen Bezirksvertretung Penzing,
informiert auf seiner Homepage "über Aktuelles, Bemerkenswertes sowie Dauerthemen und Materialien aus Penzing und der Penzinger bzw. der Wiener Kommunalpolitik".

Am 22. Dezember 2004 brandmarkte er einen "Schildbürgerstreich besonderer Güte", betreffend ein 42,5 cm weit in einen Gehsteig hineinragendes Wartehäuschen. Sapperlot! Da sage noch einer, die Grünen kümmerten sich - sogar so knapp vor Weihnachten - nicht um die Nöte der kleinen Leute. Aber lest selbst:

http://www.wolfgangkrisch.at/Penzing/01Aktuelles,Neuigkeiten/Deutschordenstr.-Fahrgastunterstand,24.12.04.htm


23. Dezember

Ich steh' im Regen und warte auf Dich auf Dich
Auf allen Wegen erwart' ich nur Dich, immer nur Dich
Der Zeiger der Kirchturmuhr rückt von Strich zu Strich,
ach, wo bleibst Du denn nur? Denkst nicht mehr an mich?
Und ich steh' im Regen und warte auf Dich, auf Dich
Immer warten nur die Menschen, die wirklich lieben
Kommst Du noch nicht? Wie die fallenden Tropfen am Ärmel zerstieben

Ich steh' im Regen und warte auf Dich, auf Dich
Auf allen Wegen erwart' ich nur Dich, immer nur Dich
Der Zeiger der Kirchturmuhr rückt von Strich zu Strich,
ach, wo bleibst Du denn nur? Denkst nicht mehr an mich?
Und ich steh' im Regen und warte auf Dich, auf Dich...

(Songtext: Zarah Leander - Ich steh' im Regen,
aus dem Film „Zu neuen Ufern“, 1937)


24. Dezember

Über den Messias und sein Friedensreich, auf das die Juden noch warten und das die Christen mit der Menschwerdung Gottes in Jesus bereits angebrochen sehen, schrieb der Prophet Jesaja vor ca. 2700 Jahren:

„…Dann wohnt der Wolf beim Lamm, der Panther liegt beim Böcklein. Kalb und Löwe weiden zusammen, ein kleiner Knabe kann sie hüten. Kuh und Bärin freunden sich an, ihre Jungen liegen beieinander. Der Löwe frisst Stroh wie das Rind. Der Säugling spielt vor dem Schlupfloch der Natter, das Kind streckt seine Hand in die Höhle der Schlange. Man tut nichts Böses mehr und begeht kein Verbrechen auf meinem ganzen heiligen Berg; denn das Land ist erfüllt von der Erkenntnis des Herrn, so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.“ (Jes 11, 6-9)


Das war's für heuer mit dem Advent und meinem virtuellen Kalender, liebe Leute. Ich danke euch für die vielen wertschätzenden Rückmeldungen und wünsch euch von ganzem Herzen ein fröhliches Weihnachtsfest und ein gutes Neues Jahr mit vielen netten Überraschungen!

Alles Liebe,
Robert

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