Freitag, 30. November 2007
"Persepolis"
"Persepolis", Vincent Paronnaud, Zeichentrick, Frankreich 2007; ****

"Persepolis" ist ursprünglich ein Comic von Marjane Satrapi, einer 1969 im Iran geborenen, heute in Paris lebenden Autorin und Zeichnerin. In dem vierteiligen Werk, das in 25 Sprachen übersetzt und über eine Million Mal verkauft wurde, beschreibt sie ihre Kindheit im Iran, ihre spätere Zeit im Ausland - u.a. ihre vier Jahre in Wien - und die Rückkehr in ihr Heimatland.

Die Zeichentrickfilmversion von "Persepolis" unter der Regie von Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud und mit Chiara Mastroianni, Catherine Deneuve und Danielle Darrieux als Synchronsprecherinnen der Hauptrollen wurde 2007 auf den 60. Filmfestspielen von Cannes gezeigt und gewann dort den Preis der Jury. Für mich und meine Kinomittwoch-Runde war der Film eine gleich doppelt positive Überraschung: Wir wollten eigentlich "Prinzessinnenbad" im Filmcasino ansehen, landeten infolge einer falschen "Standard"-Ankündigung jedoch bei iranischen statt bei Berliner Gören. Und das gratis, weil manche Gewinner der FM4-Premiere ihre Tickets nicht abholten.

Der Film ist künstlerisch anspruchvoll und zugleich unterhaltend. Die klaren Schwarzweißzeichnungen erinnern an Art Spiegelmans legendäres "Maus"-Comic, kippen manchmal ins Surrealistische, wenn z.B. Marjanes pubertätsbedingte Veränderungen oder ein himmlischer Dialog zwischen Gott und Marx dargestellt werden. Trotz des ungeschönten Einblicks in die Zeitgeschichte des Iran von der Schah-Ära bis zur islamischen Revolution und dem folgenden Krieg mit dem Irak bringt Satrapi das Publikum immer wieder zum Lachen. Z.B. wenn ihr goschertes Alter Ego den iranischen Tugendwächtern jugendkulturellen Widerstand zeigt - mit dem "Punk is not ded". Schade nur, dass der Film recht abrupt endet und man nicht erfährt, wie das Leben der Heldin in Paris weitergeht...