Dienstag, 27. November 2007
"Lady Chatterley"
"Lady Chatterley", Pascale Ferran, Frankreich/Belgien/Großbritannien 2007 ***

Lady Chatterley langweilt sich auf einem abgelegenen englischen Schloss, da Sie als Aufgabe nur die Pflege ihres aus dem ersten Weltkrieg verkrüppelt zurückgekommenen Mannes hat. Durch Depressionen krank und matt geworden, übergibt Sie die Pflege einer Krankenschwester und nutzt die neue Freiheit, um das Jagdgebiet des Anwesens zu erkunden und trifft dabei auf den Wildhüter Parkin. Dieser erweist sich anfangs als eigenbrötlerisch und abweisend gegenüber der Lady.

Dennoch kommen sich die beiden über ihre Liebe zur Natur näher, es entwickelt sich eine sexuelle Beziehung, die vor allem durch Hauptdarstellerin Marina Hands nuancenreich mitzuverfolgen ist: Auf ihrem Gesicht spiegeln sich erst teenagerhafte Neugier und Verlegenheit beim "ersten Mal", dann zunehmende Lust und Unbefangenheit.

Im Verlauf der Geschichte machen beide Charaktere eine grundlegende Wandlung durch: Die Lady verliebt aus tiefsten Herzen in den zuerst noch groben Wildhüter, der aber, ausgelöst durch ihre Offenheit und Unvoreingenommenheit gegenüber seiner niederen Stellung, zusehends zärtlicher und verspielter agiert. Gegen Ende hüpfen die Lady und Parkin nackt im Regen durch den Wald. Solche Szenen zu spielen, ohne dass es peinlich wird, das ist schon eine Leistung. Lady Chatterley und ihr Geliebter lernen sowohl den jeweils anderen als auch sich selbst kennen – und bei weitem nicht nur in körperlicher Hinsicht.

Die schönen, vielschichtigen Bilder der sich stetig verändernden, die Jahreszeiten durchlaufenden Natur fließen zusammen mit dem erwachenden und sich entwickelnden Begehren von Constance - eine filmische Einheit von Seele und Natur, die dem lyrischen Ideal der Romantik nahe kommt.