Mittwoch, 10. Oktober 2007
"Vier Minuten"
"Vier Minuten", Chris Kraus, D 2006 ****

Ein richtig böses Mädchen (Hannah Herzsprung), das in ihrem kurzen Leben vor ihrem Gefängnisaufenthalt schon Erlebnisse wie Missbrauch durch ihren eigenen Vater, eine Totgeburt und einen bestialisch begangenen Mord hinter sich hatte, erweist sich als musikalisches Wunderkind. Dass Jenny ihr Talent als Pianistin nicht vergeudet, sondern als Aufgabe begreift, die ihr wieder eine Perspektive gibt, versucht ihr die 80-jährigen Haftanstalts-Klavierlehrerin Traude Krüger (Monica Bleibtreu) zu vermitteln. Und die hat selbst einiges an dunklen Kapiteln in ihrer Biographie aufzuweisen, die durch die Begegnung mit Jenny wieder aufgeschlagen werden. Nach zähen Auseinandersetzungen mit der strengen Lehrerin, die neben Jennys Traumatisierung auch die Verletzungen einer langen Liebes- und Leidensgeschichte der alten Frau zu Tage fördern, lässt die Rebellin sich schließlich darauf ein, an einem Klavierwettbewerb teilzunehmen. Und die Musik erweist sich als ungeheure Energiequelle, die aufrichtet und dort standhalten lässt, wo harte Gefängnismauern auch die Menschlichkeit wegsperren - sogar die "Negermusik", die Traude Krüger als frühere Furtwängler-Schülerin doch so vehement ablehnt.

Es gibt gute ("Shine", "Das Piano", "Vitus") und weniger gute ("Schlafes Bruder", "Die Klavierspielerin") Filme über die obsessive Kraft, die Musik auf suchende Seelen ausüben kann. "Vier Minuten" gehört zu den besseren und wurde nicht umsonst mit dem Deutschen Filmpreis 2007 ausgezeichnet. Das liegt nicht zuletzt an den beiden herausragenden Hauptdarstellerinnen; schon allein wegen der letzten vier Minuten ist der zweite Film des deutschen Regisseurs Chris Kraus absolut sehens- (und hörens-!!!)wert.