Donnerstag, 26. Februar 2009
"Milk"
"Milk". Gus Van Sant. USA 2008 **1/2

Du brauchst eine neue Umgebung, sagt der junge Lover Scott zu dem in New York lebenden, noch ungeoutetem Bürohengst Harvey Milk. Und setzt den späteren ersten deklariert schwulen Volksvertreter Amerikas auf ein Geleise, das angetrieben von einer politisch korrekten Mission schnurstracks in den Märtyrertod führt. Schade, dass Regisseur Gus Van Sant - von dem man Weißgott schon Subtileres ("Drugstore Cowboy", "Elephant", "My Private Idaho") gesehen hat, die zwangsläufige Brüchigkeit einer politischen Existenz, das Zaudern und Zweifeln, in die Nebenfigur Scott verlagert - er verlässt Harvey aus Frust über die Kandidatur-Mühle, in die sich dieser begeben hatte. Psychologisch interessanter ist allemal Dan White, der irischstämmig-konservative, unbeholfene, erfolglose Stadtrat-Kollege von Harvey im liberalen San Francisco der Mitt70er Jahre, der den charismatischen Schwulen schließlich für sein Scheitern mit Tod durch Erschießen bestraft.

Sean Penn spielt den Milk der frommen Denkungsart, der auf einem "Umweg" zeigt, was für ein tolles Land Amerika letztendlich doch ist, mit aller Virtuosität, die in seiner eindimensionalen Rolle möglich ist. Und doch hätte ich den Oscar nur aufgrund des dreiminütigen Vorspanns von "The Wrestler" lieber Mickey Rourke verliehen.

Was ich in der "Nachbesprechung" zu fragen vergaß, Doris: Wie hast du das Schwulenviertel Castro bei deinem US-Besuch im Vorjahr erlebt?