Donnerstag, 26. Februar 2009
"Frost/Nixon"
"Frost/Nixon". Ron Howard, USA 2008. ****1/2

Ein packendes Duell zwischen dem mit allen Wassern gewaschenen Watergate-Präsidenten Richard Nixon und der smarten Talkshow-Größe David Frost hat Hollywood-Veteran Ron Howard da nach einem formidablen Buch/Stück von Peter Morgan in Szene gesetzt! Wie bei "Die Queen" baut Morgan seine Fiktion auf Historischem auf - in diesem Fall auf dem tatsächlich geführten Serien-Interview des damaligen TV-Stars Frost mit "tricky Dick" Nixon.

Howard zeichnet den britischen Talkmaster als politisch unerfahrenen, auf massentaugliches Entertainment ausgerichteten Sonnyboy, der dem rhetorisch versierten Strategen, der wegen als erster und bisher einziger US-Präsident sein Amt niederlegen musste, aufs erste in keiner Weise gewachsen ist. Ganz so ein oberflächlicher Playboy, wie Howard ihn zeichnet, war Frost aber nicht: Immerhin hatte er schon in den 1960ern eine politische Talkshow, interviewte alle britischen Premierminister seit 1964 und alle US-Präsidenten seit 1969, aber auch z. B. den Schah von Persien (in dessen letztem Interview), oder Golda Meir. Weltweit bekanntwurde Frost allerdings 1977 durch seine Nixon-Interviews, die in einer Serie von 12 Tagen mit insgesamt 28 Stunden Länge entstanden (und deren vollständige Version 2008 auf DVD erschien). Die Erwartungen, dass Frost dem auf "elder statesman" machenden Nixon Substanzielles oder gar Entlarvendes entlocken könnte, waren bei den TV-Anstalten so gering, dass Frost die Gespräche mit hohem finanziellen Eigenrisiko einging. Doch das Unerwartete geschah: Beim konfrontativen letzten Interview über Watergate äußerte Nixon die verstörende Ansicht, dass der Präsident über dem Gesetz stehe. Schließlich brachte ihn Frost dazu einzugestehen, die Interessen der US-amerikanischen Bevölkerung verraten zu haben.
Ganz nachvollziehbar wird der Schwenk Nixons nicht. Entsteht, wenn man ein heikles Thema lang genug umkreist, bei einem sich schuldig Fühlenden eine Dynamik des Einbekenntnisses? Drängt es einen Machtmissbraucher oder anderweitiger Vergehen Schuldigen, durch einen öffentlichen Bussakt mit sich ins Reine zu kommen? Wenn ja, wäre dann das Verscheinden des christlichen Bußsakramentes nicht ein ungeahnter Verlust auch für gesellschaftlich relevante Psychohygiene? Und würde erklären, dass immer mehr Menschen in Talk-Shows Selbstentblößung betreiben?

"Frost/Nixon" wirft Fragen auf und ist schon deshalb unbedingt sehenswert, nicht nur für politisch Versierte.