Donnerstag, 18. Dezember 2008
"So viele Jahre liebe ich dich"
"So viele Jahre liebe ich dich" (Il Y A Longtemps Que Je T'aime). Philippe Claudel, Fr. 2008. ****

Ich gestehe, bei diesem Film bin ich so was von nicht objektiv: Kristin Scott Thomas ist nämlich eine jener Schaupielerinnen, deren Karriere (1992 Polanskis "Bitter Moon", 1994 "Vier Hochzeiten und ein Todesfall", 1996 "Der englische Patient", 1998 "Der Pferdeflüsterer", 2001 "Gosford Park") ich seit langem quasi mit leuchtenden Augen verfolge, eine, die ich nicht von der Bettka...

Aber mangelnde Objektivität ist in diesem Fall egal, denn auch die Kritik lag der 48-jährigen aus Cornwall zu Füßen: Für ihre Darstellung einer Kindsmörderin in Philippe Claudels französischsprachigen Drama (Kristin ging im Alter von 19 Jahren als Au pair nach Paris, absolvierte dort eine Schauspielausbildung und spricht offenbar immer noch exzellent Französisch, und in dem Film singt sie sogar *schmacht*) erhielt sie den Europäischen Filmpreis 2008 als Beste Darstellerin und ist für den diesjährigen Golden Globe nominiert.

Der Plott: 15 Jahre lang hatte die wegen Mordes an ihrem achtjährigen Sohn verurteilte Juliette keinerlei Kontakt zu ihrer Familie. Nach der Entlassung aus dem Gefängnis trifft sie ihre jüngere Schwester Léa wieder. Léa führt mit ihrem Mann Luc und ihren beiden Töchtern ein glückliches Familienleben, in das sie die verschlossene Juliette warmherzig aufnimmt. Gemeinsam überwinden die beiden entfremdeten Schwestern die Geheimnisse der Vergangenheit und bauen das verlorene Vertrauen Stück für Stück wieder auf.

All das hat Längen (115 min) und wirft hinsichtlich des Mordes Fragen auf, die unbeantwortet bleiben (Warum sah Juliette als Ärztin keine andere Möglichkeit als die Todesspritze, um mit der Krankheit ihres todgeweihten Sohnes umzugehen?). Dennoch ist der Film insgesamt glaubwürdig und sehenswert in seiner subtilen Zeichnung einer ungewöhnlichen Schwesternbeziehung.