Donnerstag, 28. August 2008
Günter Grass: "Das Treffen in Telgte"
ikairos, 15:43h
Günter Grass: "Das Treffen in Telgte". (1979, SPIEGEL-Edition Band 2, 2006) **
Im Nachkriegsdeutschland des Septembers 1947 rief Hans Werner Richter, dem diese Erzählung gewidmet ist, erstmals einen Kreis von Autoren, Kritikern und Gästen zusammen, die sich fortan "Gruppe 47" nannte. Man las einander Unveröffentliches vor, kritisierte, kommentierte ,verlieh sich später Preise und stritt darüber, was aus den noch rauchenden Trümmern Nazideutschlands, durch Literatur genährt, emporwachsen könnte und sollte.
Grass verlegt dies um 300 Jahre zurück ans Ende des Dreißigjährigen Krieges, das eine ähnliche Zäsur in der Deutschen Geschichte darstellte wie das Jahr 1945. In einer eigentümlichen, aber jedenfalls sprachmächtigen Mischung aus Gegenwartsanalyse und Literarhistorie verarbeitet Grass seine Erfahrungen mit der "Gruppe 47" mit einem fiktiven Treffen von über 20 Dichtern, Verlegern und Kritikern aus der Barockzeit - es kommen u.a. Gryphius, Grimmelshausen, Gerhardt, Hofmannswaldau, Scheffler (später Angelus Silesius), aber auch der Komponist Heinrich Schütz als Zwischendurchgast vor; allesamt sehr unterschiedliche und teilweise eitle Persönlichkeiten.
Als die Zusammenkünfte zunehmend orgiastische Züge annehmen, gekennzeichnet durch Völlerei und Ausschweifungen mit Mägden, und der ungeladene Schütz die unrechte Requirierung von Schweinen und Gänsen durch Grimmelshausen anprangert, wird den Anwesenden die Tragik ihres Tuns klar. Obwohl die Dichter schuldlos sein wollen an den Verwüstungen des Krieges, verstricken sie sich in Schuld: "Derweil das Vaterland zerrissen" ist und die Mächtigen den Westfälischen Frieden vorbereiten, führen die Poeten als arglose Nutznießer des Krieges wirkungslose Debatten. Sie ringen sich zwar zu einer Friedensresolution an die Kriegsparteien durch, doch wird diese durch ein Feuer auf dem Wirtshof vernichtet: Sie war zwischen "den Gräten des Fischgerichtes" vergessen worden.
Grass schildert im barockeskem Sprachduktus Zusammenhänge, die wohl nur wenigen LeserInnen klar sind - außer, sie sind mit den Verhältnissen während des 30jährigen Krieges und mit der Literaturtheorie des Barock vertraut. Aber wer ist das schon. Insofern ermüdet das Buch zunehmend und wirkt heute wie eine Stilübung, mit der überambitionierte Deutschlehrer ihre Schüler ärgern könnten. Ich Ex-Germanist brach die Lektüre nach zwei Dritteln ab.
Im Nachkriegsdeutschland des Septembers 1947 rief Hans Werner Richter, dem diese Erzählung gewidmet ist, erstmals einen Kreis von Autoren, Kritikern und Gästen zusammen, die sich fortan "Gruppe 47" nannte. Man las einander Unveröffentliches vor, kritisierte, kommentierte ,verlieh sich später Preise und stritt darüber, was aus den noch rauchenden Trümmern Nazideutschlands, durch Literatur genährt, emporwachsen könnte und sollte.
Grass verlegt dies um 300 Jahre zurück ans Ende des Dreißigjährigen Krieges, das eine ähnliche Zäsur in der Deutschen Geschichte darstellte wie das Jahr 1945. In einer eigentümlichen, aber jedenfalls sprachmächtigen Mischung aus Gegenwartsanalyse und Literarhistorie verarbeitet Grass seine Erfahrungen mit der "Gruppe 47" mit einem fiktiven Treffen von über 20 Dichtern, Verlegern und Kritikern aus der Barockzeit - es kommen u.a. Gryphius, Grimmelshausen, Gerhardt, Hofmannswaldau, Scheffler (später Angelus Silesius), aber auch der Komponist Heinrich Schütz als Zwischendurchgast vor; allesamt sehr unterschiedliche und teilweise eitle Persönlichkeiten.
Als die Zusammenkünfte zunehmend orgiastische Züge annehmen, gekennzeichnet durch Völlerei und Ausschweifungen mit Mägden, und der ungeladene Schütz die unrechte Requirierung von Schweinen und Gänsen durch Grimmelshausen anprangert, wird den Anwesenden die Tragik ihres Tuns klar. Obwohl die Dichter schuldlos sein wollen an den Verwüstungen des Krieges, verstricken sie sich in Schuld: "Derweil das Vaterland zerrissen" ist und die Mächtigen den Westfälischen Frieden vorbereiten, führen die Poeten als arglose Nutznießer des Krieges wirkungslose Debatten. Sie ringen sich zwar zu einer Friedensresolution an die Kriegsparteien durch, doch wird diese durch ein Feuer auf dem Wirtshof vernichtet: Sie war zwischen "den Gräten des Fischgerichtes" vergessen worden.
Grass schildert im barockeskem Sprachduktus Zusammenhänge, die wohl nur wenigen LeserInnen klar sind - außer, sie sind mit den Verhältnissen während des 30jährigen Krieges und mit der Literaturtheorie des Barock vertraut. Aber wer ist das schon. Insofern ermüdet das Buch zunehmend und wirkt heute wie eine Stilübung, mit der überambitionierte Deutschlehrer ihre Schüler ärgern könnten. Ich Ex-Germanist brach die Lektüre nach zwei Dritteln ab.