Donnerstag, 28. August 2008
Cormac McCarthy: "Kein Land für alte Männer"
Cormac McCarthy: "Kein Land für alte Männer" (No Country for Old Men). USA 2007 ****

Früher war das Hauptproblem in Schulen noch, dass die jungen Leute auf dem Gang gerannt sind oder Kaugummi gekaut haben; heute geht es um Vergewaltigung oder Drogen. Überlegungen wie diese bringen den mit festen moralischen Werten ausgestatteten, alternden Sheriff Ed Tom Bell zur Überzeugung, dass er mit seiner Arbeit höchstens Tropfen auf den heißen Stein bewirken kann, weil er sich mittlerweile in einem Land wiederfindet, das nichts für alte Männer wie ihn ist. Bell fühlt sich der Entwicklung von Kriminalität und Gesellschaft nicht mehr gewachsen und quittiert seinen Dienst, betroffen über die irrsinnige und sinnlose Brutalität seines Berufsalltags.

Im neuen Buch des Kulturpessimisten McCarthy hinkt die Staatsgewalt den allerorts wie ein Krebsgeschwür aufkeimenden Verbrechen stets hinterher, chancenlos gegen skrupellose Killer wie Anton Chigurh, der keine Konflikte hat, weil etwaige Opponenten kein langes Leben haben. Er jagt den Vietnam-Veteran Llewelyn Moss, der in der texanischen Wüste zufällig mehrere Leichen, von Kugeln durchsiebte Autos mit Heroinspuren und einen Koffer mit zwei Millionen Dollar findet. Moss geht zu seiner Frau und sagt ihr, dass sie vorerst zu ihrer Mutter ziehen soll und dass sie nie wieder nach Hause zurückkehren werden. Dann verlässt Moss sein altes Leben, wohl wissend, dass jemand den Koffer mit dem Geld suchen wird, und dass dieser jemand niemals aufgeben wird, bis er es hat. Und obwohl Moss seine Spuren trickreich zu verwischen sucht, ist ihm Killer Chigurh bald auf den Fersen...

McCarthy schuf einen düsteren Thriller mit Western-Atmosphäre, der unter die Haut geht. Bis auf die kursiv gedruckten, eingeschobenen Reflexionen Sheriff Bells bleibt das Innenleben der Protagonisten im Dunkel, sie werden nur als nüchten planende und handelnde Männer gezeigt, die einprägsam karge Sätze sprechen.

Erst kürzlich wurde der Roman von den Brüdern Joel und Ethan Coen - wie es heißt - sehr buchgetreu verfilmt und räumte einige Oscars ab.