Montag, 25. August 2008
"The Dark Knight"
"The Dark Knight". Christopher Nolan, USA 2008. *****

"But my point is... my point is, I went crazy. When I saw what a black, awful joke the world was, I went crazy as a coot! I admit it! Why can't you? I mean, you're not unintelligent! You must see the reality of the situation. Do you know how many times we've come close to world war 3 over a flock of geese on a computer screen?": Dieses Zitat des von Heath Ledger virtuos gespielten Batman-Widersachers The Joker soll hier an der Spitze stehen - quasi als Verbeugung vor dem im Jänner 2008 ums Leben gekommenen 28-jährigen Schauspielers. Sein Joker ist die eigentliche Hauptfigur von "The Dark Knight", der zweiten Comic-Adaptation von Regisseur Christopher Nolans nach seinem ebenfalls schon überzeugenden "Batman Begins" aus dem Jahr 2005.

Nolans düsterer Ritter bietet spektakuläre Action-Einlagen und Effekte – und ist zugleich ein fast philosophischer Autorenfilm, der sich trotz allen Comic-Gags ernsthaft mit individueller Ethik und gesellschaftlicher Moral, Recht und Gerechtigkeit, Terror und Antiterror, Wahrheit und Mythos auseinandersetzt. Anders als in "Batman Begins" verzichtet Nolan diesmal völlig auf eine Ausleuchtung des psychologischen Hintergrunds der Hauptpersonen: Der Joker ist personifiziertes Chaos, Regeln überschreitende Anarchie, Monster, Mephisto und Punk zugleich, James Dean, Alex aus "Clockwork Orange" und Sid Vicious. Er mischt anfangs Gothams Unterwelt auf und schwört sie gleichzeitig auf seine Therapie "Kill the Batman!" ein, den er als eine Art Alter Ego betrachtet. Und Bruce Wayne alias Batman muss im Verlauf dieses Duells erkennen, dass er dem bösen Spiel des Jokers nicht die Stirn bieten kann, ohne sich selbst die Finger schmutzig zu machen und Regeln zu verletzen.

Wichtige Nebenfigur ist der unbestechliche Staatsanwalt Harvey Dent, der in Batman die Hoffnung keimen lässt, dass Gothams Verbrecherszene auf legalem Weg besiegbar und er mit seiner Langzeitangebeteten Rachel ein normales Leben beginnen kann. Doch der Joker macht diesen Träumen ein Ende, tötet Rachel und macht aus dem integren Staatsanwalt, der Rachel ebenso liebte, einen entstellten Rächer jenseits allen Rechts. Um des Jokers habhaft zu werden, startet Batman (wie die amerikanischen Behörden im Antiterrorkampf) eine großangelegte Bespitzelungsaktion, die seinen Langzeitgefährten Lucius Fox (Morgan Freeman) von ihm abrücken lässt. Um den Bürgern nicht den Glauben an Harvey Dent als Retter mit Gesicht zu nehmen, übernimmt Batman die Schuld für dessen Morde und fügt sich in die Rolle des einsamen Helden und gejagten Wächters - eben des dunklen Ritters.

Messerscharfe Dialoge, ein trotz der Länge des Films (152 Minuten!) wendungsreicher Handlungsbogen, tolle Schauspieler bis in die Nebenrollen, Action vom Feinsten und eben die genre-unübliche Nechdenklichkeit machen "The Dark Knight" zu einem echten Kinoerlebnis.