Donnerstag, 24. Juli 2008
"So ist Paris"
"So ist Paris" ("Paris"). Cédric Klapisch, Fr. 2008. ****1/2

Filme gelingen dann, wenn sie auf ästhetisch ansprechende Weise erstens neue Perspektiven auf sonst verschlossene Welten eröffnen oder zweitens Identifikationsmöglichkeiten bieten. Mit "So ist Paris" (im Original schlicht: "Paris") schafft Cédric Klapisch beides und legt ein faszinierendes Porträt der französischen Metropole vor. Die ProtagonistInnen sind "normale" Bewohner der Stadt, deren Geschichten die Zuseher und einander immer wieder berühren: Da ist die allein erziehende Sozialarbeiterin (Juliette Binoche), die ihrem plötzlich lebensgefährlich herzkranken Bruder zur Seite steht; ein Gemüsehändler, der die Asche seiner früheren Geliebten vom Tour Monparnasse verstreut; ein Geschichtsprofessor, der sein Wissen über Paris aus dem Elfenbeinturm vors Fernsehpublikum trägt und der nach einer Affäre mit einer Studentin meint, sein so lange unbenutzter Penis müsste eigentlich mit Hilfe der Radiokarbonmethode untersucht werden; eine gegenüber ihren Kunden zückersüße und gegenüber ihren Angestellten säuerliche Bäckersfrau; ein illegaler Immigrant auf dem Weg aus Kamerun in der Stadt seiner Träume; ein Gruppe gestylter Tussis, die sich einen Kick durch Sex mit Markthallenarbeitern verschaffen wollen.

Auf all das wirft Klapisch einen versöhnlichen, aber nie idyllisierenden Blick, es ist jener Blick, mit dem der herzkranke Tänzer am Ende zu seiner Transplantation mit ungewissem Ausgang ins Spital fährt - und diese kaleidoskopische Liebeserklärung an das (Pariser) Leben nehmen die Zuschauer aus dem Kinosaal mit in ihren eigenen Alltag...