Mittwoch, 23. Juli 2008
Ilija Trojanow: "Der Weltensammler"
ikairos, 14:28h
Ilija Trojanow: "Der Weltensammler". Roman, D 2006. ***
Richard Francis Burton kam 1842, als 21-jähriger Offizier der Britischen Ostindien-Kompanie, nach Bombay. In den folgenden sieben Jahren erlernte er Hindustani, Sindhi, Persisch und drei weitere Fremdsprachen; 20 sollten es letztlich werden. 1849 kehrte Burton nach Europa zurück und lebte dann längere Zeit in Ägypten, lernte arabisch und reiste 1853 als muslimischer Pilger verkleidet nach Mekka, was für Christen damals wie heute verboten war. 1854 traf er in Aden mit John Hanning Speke und leitete 1857 gemeinsam mit seinem späteren Widersacher eine Expedition ab Sansibar, um die großen ostafrikanischen Seen und die Quellen des Nils zu finden. Burton übersetzte Werke wie die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht und das Kama Sutra ins Englische. 1890 starb er als britischer Konsul in der K.u.K.-Hafenstadt Triest.
Aus so einer Biographie lässt sich leicht ein spannendes Buch machen. Ilija Trojanow zeichnet Burton als "Weltensammler", der in andere Kulturen so tief einzutauchen vermag, dass sie Teil seiner eigenen Identität werden. Das macht ihn zum unverstandenen Außenseiter und Eigenbrötler, wie sich auf allen drei von Trojanow geschilderten Lebensstationen Bombay, beim Hadsch nach Mekka und bei der entbehrungsreichen Reise durch Afrika zeigt. Burton eigene Darstellungen (basierend auf seinen zahlreichen Veröffentlichungen) kontrastiert der aus Bulgarien stammende, selbst polyglotte und multikulturelle Autor dabei literarisch reizvoll und (allzu?) kenntnisreich mit den fiktiven Sichtweisen eines indischen Dieners, der muslimischen Obrigkeit und eines afrikanischen Führers. Mir als Leser blieb der "Weltensammler" dabei fremd, am ehesten lernte man ihn noch in Indien kennen, wo er als Liebender erscheint. Trojanow verweigert sich Fragen wie: Was trieb Burton an? Warum entfremdete er sich immer mehr seinen eigenen Wurzeln? Was war das überhaupt für ein Mensch, der all seine Abenteuer unbeschadet überstand und offenbar gelassen und - erstmals - mit einem Schuss Humor in einem Teil Kakaniens starb?
Richard Francis Burton kam 1842, als 21-jähriger Offizier der Britischen Ostindien-Kompanie, nach Bombay. In den folgenden sieben Jahren erlernte er Hindustani, Sindhi, Persisch und drei weitere Fremdsprachen; 20 sollten es letztlich werden. 1849 kehrte Burton nach Europa zurück und lebte dann längere Zeit in Ägypten, lernte arabisch und reiste 1853 als muslimischer Pilger verkleidet nach Mekka, was für Christen damals wie heute verboten war. 1854 traf er in Aden mit John Hanning Speke und leitete 1857 gemeinsam mit seinem späteren Widersacher eine Expedition ab Sansibar, um die großen ostafrikanischen Seen und die Quellen des Nils zu finden. Burton übersetzte Werke wie die Geschichten aus Tausendundeiner Nacht und das Kama Sutra ins Englische. 1890 starb er als britischer Konsul in der K.u.K.-Hafenstadt Triest.
Aus so einer Biographie lässt sich leicht ein spannendes Buch machen. Ilija Trojanow zeichnet Burton als "Weltensammler", der in andere Kulturen so tief einzutauchen vermag, dass sie Teil seiner eigenen Identität werden. Das macht ihn zum unverstandenen Außenseiter und Eigenbrötler, wie sich auf allen drei von Trojanow geschilderten Lebensstationen Bombay, beim Hadsch nach Mekka und bei der entbehrungsreichen Reise durch Afrika zeigt. Burton eigene Darstellungen (basierend auf seinen zahlreichen Veröffentlichungen) kontrastiert der aus Bulgarien stammende, selbst polyglotte und multikulturelle Autor dabei literarisch reizvoll und (allzu?) kenntnisreich mit den fiktiven Sichtweisen eines indischen Dieners, der muslimischen Obrigkeit und eines afrikanischen Führers. Mir als Leser blieb der "Weltensammler" dabei fremd, am ehesten lernte man ihn noch in Indien kennen, wo er als Liebender erscheint. Trojanow verweigert sich Fragen wie: Was trieb Burton an? Warum entfremdete er sich immer mehr seinen eigenen Wurzeln? Was war das überhaupt für ein Mensch, der all seine Abenteuer unbeschadet überstand und offenbar gelassen und - erstmals - mit einem Schuss Humor in einem Teil Kakaniens starb?