Donnerstag, 17. April 2008
Erika Stucky, „Bubbles & Bangs“, Porgy & Bess
Erika Stucky, „Bubbles & Bangs“, 16.4.2008, Porgy & Bess *****

Wer wie Erika Stucky sowohl im San Francisco der Flower Power-Ära als auch im Schweizerischen Oberwallis musikalische Wurzeln hat, hat viiiel Platz dazwischen: Die vitale Mittvierzigerin mixt Jazz, Rock, Beat, Blues, Experimentalgesang à la Meredith Monk und Jodeln zu einer mitreißenden Bühnen-Show voll Vokalakrobatik, Humor und Authentizität.

So auch gestern im "Porgy": Im Programm „Bubbles & Bangs“ stellt Erika ihr musikalisches Tagebuch der letzten Jahre zusammen - „Titel, die ich während meiner Tourneen gehört habe – auf Flughäfen, in Taxis, in Hotelbars: Stones, Beatles, Eminem und Frank Sinatra“. Ihre sparsamen, zu Recht auf die Wirkung ihrer Stimme und ihrer Bühnenpräsenz vertrauenden Cover-Versionen wurden kongenial begleitet vom riesigen Jon Sass auf der Tuba und dem kleinen Lucas Niggli an drums und percussion.

Erika Stucky ist ein Live-Ereignis erster Güte, eine der besten Performerinnen, die ich je erlebt habe. Sie findet mit ihrer Ungezwungenheit sofort einen Draht zum Publikum; spielt mit ihrer Schweizer Mund- und Singart ebenso wie sie ihre wunderbare Stimme für Klangexperimente nutzt; sie erzählt von einem Scorsese-Film, in dem ein Diabetiker zum Trinken eines dutzendfach gezuckerten Kaffees gezwungen wird und zeigt genau diese Szene in einem selbstgefertigten Video, während sie live "Die Like A Heroe" singt; sie beginnt mit der Zugabe und hat offenbar aus den "Make it slow"-Anregungen japanischer Bondage-Girls gelernt und trägt - weil sie Metzgerstochter ist - Schweinsohren und skizziert akustisch einen Dialog zwischen Lennon und Dylan und singt eine faszinierende Version von "Gimme Shelter" und geht vor der endgültigen Zugabe nicht hinter den Vorhang, weil ihr das zu blöd ist... - und lässt nach zwei Stunden ein rundum beglücktes, dankbares Publikum zurück.

Am 22. Mai ist sie um 20 Uhr in der Strandbar Hermann am Donaukanal zu hören...