Montag, 7. April 2008
"Große Freiheit Nummer 7"
ikairos, 13:44h
"Große Freiheit Nummer 7". Hemut Käutner, Deutschland 1944. ***
Retrospektiven des Film Archivs Austria haben einen speziellen Charme. Erstens, weil sie im Metrokino und damit im schönsten Kinosaal von Wien abgehalten werden. Zweitens weil ein lustiges Publikum zu den Premieren kommt - alte schrullige Filmliebhaber ebenso wie solche, die eher Interesse am Gratiswein danach haben. Und drittens gibt es immer fundierte Info über das ausgewählte Thema bzw. die gewürdigten Filmschaffenden. Diesmal informierte ein Münchner Filmhistoriker über Helmut Käutner, mein alter Berliner Bekannter (und DEFA-Experte) Ralf Schenk über Wolfgang Staudte, zwei Regisseure, die ihre je eigenen Probleme mit den Nazis und deren Zensur hatten.
Der Premieren-Film "Große Freiheit Nr. 7" von Käutner entstand 1943 und war Herrn Goebbels nicht genehm. Die Akteure (betrunkene, sich prügelnde Seemänner mit außerehelichen Liebesverhältnissen) entsprachen nicht dem NS-Idealbild von deutschen Frauen und Seeleuten. Der ursprünglich vorgesehene Titel "Große Freiheit" (nach der Straße in Hamburg-St.Pauli) wurde um die Straßennummer ergänzt, Hans Albers stellte nun nicht "Jonny", sondern einen deutsch klingenden "Hannes" dar. Trotz dieser Entgegenkommen wurde Käutners Film in Deutschland verboten, wenn auch aus wirtschaftlichen Gründen für das Ausland zugelassen. Seine Uraufführung begab sich in Prag (wo auch die Dreharbeiten stattfanden), der Streifen wurde ein Erfolg, er gehört zu den Terra-Filmklassikern mit vielen bekannten Liedern wie "Auf der Reeperbahn nachts um halb Eins", "La Paloma" (mit neuer Textfassung von Käutner) und "Beim ersten Mal da tut's noch weh".
Der Inhalt: Der in die Jahre gekommene Hannes Kröger (Hans Albers) verdient sich seinen Unterhalt als Animateur und Sänger im Rotlichtviertel auf der Reeperbahn. Am Sterbebett seines Bruders verspricht er, sich um dessen Geliebte zu kümmern, die dieser vor einiger Zeit sitzengelassen hat. Er reist aufs Land und holt das junge Mädchen Gisa (Ilse Werner) nach Hamburg, wo sie in seinem Zimmer wohnt und sich um den Haushalt kümmert. Kröger verschafft ihr Arbeit als Verkäuferin, wo sie den Werftarbeiter Georg (Hans Söhnker) kennen lernt, der sich in sie verliebt. Hannes empfindet ebenfalls Zuneigung für Gisa, die er (La) Paloma nennt. Er will sein unstetes Leben aufgeben und eine Familie gründen. Doch Gisa erscheint nicht am festlich gedeckten Verlobungstisch, sondern bleibt über Nacht bei Georg, dessen Beharrlichkeit sich letztlich gelohnt hat. Hannes aber folgt desillusioniert den Rufen seiner früheren Matrosengenossen und atmet endlich wieder Seeluft...
Sympathischer, etwas "altbachener" Film, der deutlich vor Augen führt, wie sehr sich die Filmsprache seit damals verändert hat.
Retrospektiven des Film Archivs Austria haben einen speziellen Charme. Erstens, weil sie im Metrokino und damit im schönsten Kinosaal von Wien abgehalten werden. Zweitens weil ein lustiges Publikum zu den Premieren kommt - alte schrullige Filmliebhaber ebenso wie solche, die eher Interesse am Gratiswein danach haben. Und drittens gibt es immer fundierte Info über das ausgewählte Thema bzw. die gewürdigten Filmschaffenden. Diesmal informierte ein Münchner Filmhistoriker über Helmut Käutner, mein alter Berliner Bekannter (und DEFA-Experte) Ralf Schenk über Wolfgang Staudte, zwei Regisseure, die ihre je eigenen Probleme mit den Nazis und deren Zensur hatten.
Der Premieren-Film "Große Freiheit Nr. 7" von Käutner entstand 1943 und war Herrn Goebbels nicht genehm. Die Akteure (betrunkene, sich prügelnde Seemänner mit außerehelichen Liebesverhältnissen) entsprachen nicht dem NS-Idealbild von deutschen Frauen und Seeleuten. Der ursprünglich vorgesehene Titel "Große Freiheit" (nach der Straße in Hamburg-St.Pauli) wurde um die Straßennummer ergänzt, Hans Albers stellte nun nicht "Jonny", sondern einen deutsch klingenden "Hannes" dar. Trotz dieser Entgegenkommen wurde Käutners Film in Deutschland verboten, wenn auch aus wirtschaftlichen Gründen für das Ausland zugelassen. Seine Uraufführung begab sich in Prag (wo auch die Dreharbeiten stattfanden), der Streifen wurde ein Erfolg, er gehört zu den Terra-Filmklassikern mit vielen bekannten Liedern wie "Auf der Reeperbahn nachts um halb Eins", "La Paloma" (mit neuer Textfassung von Käutner) und "Beim ersten Mal da tut's noch weh".
Der Inhalt: Der in die Jahre gekommene Hannes Kröger (Hans Albers) verdient sich seinen Unterhalt als Animateur und Sänger im Rotlichtviertel auf der Reeperbahn. Am Sterbebett seines Bruders verspricht er, sich um dessen Geliebte zu kümmern, die dieser vor einiger Zeit sitzengelassen hat. Er reist aufs Land und holt das junge Mädchen Gisa (Ilse Werner) nach Hamburg, wo sie in seinem Zimmer wohnt und sich um den Haushalt kümmert. Kröger verschafft ihr Arbeit als Verkäuferin, wo sie den Werftarbeiter Georg (Hans Söhnker) kennen lernt, der sich in sie verliebt. Hannes empfindet ebenfalls Zuneigung für Gisa, die er (La) Paloma nennt. Er will sein unstetes Leben aufgeben und eine Familie gründen. Doch Gisa erscheint nicht am festlich gedeckten Verlobungstisch, sondern bleibt über Nacht bei Georg, dessen Beharrlichkeit sich letztlich gelohnt hat. Hannes aber folgt desillusioniert den Rufen seiner früheren Matrosengenossen und atmet endlich wieder Seeluft...
Sympathischer, etwas "altbachener" Film, der deutlich vor Augen führt, wie sehr sich die Filmsprache seit damals verändert hat.