Montag, 31. März 2008
"Albin Egger-Lienz. 1868-1926", Leopold Museum Wien
"Albin Egger-Lienz. 1868-1926", Leopold Museum Wien ****

Zu Albin Egger-Lienz hatte ich immer Nazi-Assoziationen, weil die heimatverbundenen "Schollen"-Themen des Osttiroler Malers der Blut- und Boden-Ideologie der braunen Jungs sehr entgegenkamen. Zugleich faszinierten mich die wuchtigen, holzschnittartigen Arbeiten Eggers, die auch den Vergleich mit Schiele nicht scheuen müssen. Der natürlich ungleich großstädtischer war, während Egger sich in Wien und später in Weimar nicht wirklich wohl fühlte und sich mit seiner Familie am liebsten in seine Tiroler Bergtäler zurückzog und dort nach kantigen Charakterköpfen Ausschau hielt, die er dann in seinen Werken als Prototypen für menschliche Gefühlszustände abbildete.

Bäuerliches Leben, Berglandschaften, Religion, aber auch Krieg waren seine Themen. Und die Darstellungen der sich im Tod verrenkenden Soldaten im Schützengraben spielten den Nazis und ihrer Kriegsverherrlichung wirklich nicht in die Hände.

180 Werke des bedeutenden österreichischen Expressionisten sind derzeit im Wiener "Leopold-Museum" zu sehen. Es ist die bisher größte Werkschau des Osttiroler Malers, zu dem das "Leopold-Museum" 30 Gemälde und Grafiken aus seinem eigenen Sammlungsbestand beitrug. Anlass für die Ausstellung ist die 140. Wiederkehr des Geburtstages des Künstlers, der am 29. Jänner 1868 in Dölsach bei Lienz zur Welt kam. Seine Berufung zum Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien wurde 1910 übrigens vom Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand verhindert, der in Eggers berühmtestem Bild "Der Totentanz" sozialdemokratische Tendenzen zu erkennen meinte.

Und auch die Kirche hatte mit Egger ihre Probleme: 1923 bis 1925 - kurz vor seinem Tod - beschäftigte ihn die Ausgestaltung der von Clemens Holzmeister entworfenen Kriegergedächtniskapelle in Lienz. Eggers dafür geschaffenes Gemälde "Christi Auferstehung" führte zu Protesten; ein Gottesdienstverbot für die Kapelle war die Folge, das erst in den 1960er Jahren aufgehoben wurde.