Dienstag, 25. März 2008
"Juno"
"Juno". Jason Reitman, USA 2007 *****

Die 16-jährige Schülerin Juno MacGuff aus Minnesota (Ellen Page) wird beim ersten "one-afternoon-stand" mit ihrem besten Freund, dem Schüchti "Bleek, schwanger. Die Abtreibungsklinik wirkt so abschreckend, dass sich Juno entschließt, das Kind auszutragen und zur Adoption freizugeben. Unterstützung bekommt sie von ihrem zunächst konsternierten Vater und ihrer Stiefmutter ("I didn't know you're sexual active!?").

Als Adoptionseltern werden der Komponist Mark (der mehr von Grunge als von Werbejingles träumt) und seine etwas überspannte und die Mutterschaft heiß ersehnende Frau Vanessa ausgewählt. Juno löst das Versprechen ein, die beiden über den Verlauf der Schwangerschaft auf dem Lafenden zu halten und versteht sich bald vor allem mit Mark immer besser. Umso konsternierter ist sie, als Mark sich von Vanessa trennt, da er sich noch nicht reif für die Vaterrolle fühlt.

Juno fragt sich, ob es sowas wie eine stabile, liebevolle Beziehung überhaupt geben kann. "Halt dich an die, die dich vorbehaltlos lieben", rät ihr Vater. Und Juno tut dies: Sie wendet sich dem sympathisch-tollpatschigen Bleek zu, der sie lange aus der Ferne bewundert hat. Der Gefahr eines allzu kitschigen Ende widersteht die Drehbuchautorin (und frühere Stripteasetänzerin) "Diablo" Cody, die für ihr Werk übrigens den Oscar bekam: Nach der Geburt überlässt Juno Vanessa vereinbarungsgemäß das Kind.

Jason Reitmans (der mir schon bei "Thank you for smoking" positiv auffiel) Film bekommt als erster von mir die Punktehöchstzahl von 5 Sternen. Und zwar, weil er 1.) überaus witzig ist und fast schon zuviel Pointenfeuerwerk bietet; 2.) dabei glaubhaft und tiefgründig und Fragen aufwirft wie: Wie geht man als Eltern am besten mit Turbulenzen im Leben seiner Kinder um? Wird das Leben nicht gerade dadurch lebenswert, dass es Überraschungen und Unplanbares aufwirft, das es dann anzunehmen und nicht auszumerzen gilt?; 3.) spielt Ellen Page sensationell gut, und auch die anderen Rollen sind bestens besetzt; 4.) hat der Film einen höchst sympathischen Soundtrack. Kurz: Ein Film, den man in seiner DVD-Sammlung haben - oder aber (wie ich) mit seinen fast erwachsenen Kindern ansehen sollte...