Donnerstag, 28. Februar 2008
"There will be blood"
"There will be blood", Paul Thomas Anderson, USA 2007. ***1/2

Eigentlich hat Paul Thomas Anderson alles richtig gemacht: Einen Film nach einer hochkarätigen literarischen Vorlage (Upton Sinclairs Roman "Öl!") gedreht, in wuchtigen, holzschnittartigen Bildern in einer kalifornischen Landschaft, die in ihrer Kargheit den Blick auf das Wesentliche lenkt; mit einem grandiosen Daniel Day-Lewis in der Hauptrolle, der zu Recht dafür den Oscar bekam; mit einer bemerkenswerten Filmmusik von "Radiohead" Gitarrist Jonny Greenwood; mit einer Geschichte, das den Aufstieg Amerikas aus Öl, Geld und Bibel, aus den Entbehrungen und Verhärtungen des making money, auf dem heute noch "In God We Trust" steht, veranschaulicht.

"I am an oilman", sagt Daniel Plainview berechnend, nachdem er um 1900 mit Silberfunden zu Geld gekommen ist und nun daran geht, Farmern ihr ölreiches Land abzuluchsen. Trotz mancher Rückschläge hat er Erfolg, er widersetzt sich dem Öl-Multi Standard Oil und zunächst auch dem fanatischen jungen Prediger Eli, ehe er - um eine Pipeline zum Pazifik bauen zu können - doch dessen fundamentalistischer Kirche der Dritten Offenbarung beitritt. Aber im selben Ausmaß, in dem Plainview reich wird, steigt auch sein Hass. Er schiebt den taub gewordenen Ziehsohn ab und verstößt ihn letztendlich, ermordet den schon vertraut gewordenen vermeintlichen Bruder, als sich dieser als Betrüger herausstellt, und konkretisiert schließlich den aus dem Alten Testament entnommenen Filmtitel "There will be blood" im abschließenden Show-down mit dem gedemütigten falschen Prediger. Und bleibt in seiner Residenz einsam zurück wie der Medienmagnat "Citizen Kane" in Orson Welles thematisch vergleichbarem Filmklassiker.

Und doch: Andersons Variante des American Dream beeindruckt, aber sie berührt nicht. Mir gings nach dem Abspann wie nach einem Filmkunstwerk, das "man gesehen haben muss", es tut und sich dann fragt, was denn jetzt genau so toll sein soll. Vielleicht doch zu viel mit der Spitzhacke behauener Holzschnitt, und zu wenig feine Pinselstriche...