Freitag, 22. Februar 2008
Lucien Clergue, "Der Dichter mit der Kamera"
Lucien Clergue, "Der Dichter mit der Kamera", Fotographien, Kunst Haus Wien ***1/2

Ein auf Plakatgröße vergrößertes der mehr als 200 Fotos von Lucien Clergue, die bis vor kurzem im Kunst Haus Wien zu sehen waren, hatte mich in die dortige Ausstellung gelockt: Ein vor einer Lamellenjalousie liegender Frauentorso, auf dem sich wie auf einem Zebra Schatten ihre Lnien ziehen. Faszinierend, und sehr sexy.

Und auch andere Akte des 1934 in Arles geborenen Fotografen und Picasso-Freundes lohnten einen Besuch. Frauenkörper am Strand, hintereinander liegend und wie eine Hügellandschaft wirkend. Oder Wasser, das sich in der Schamregion kräuselt.

Noch stärker beeindruckend die Serie mit fast abstrakten Schwarzweiß-Motiven aus der Camargue: Gräser im Wasser, Spiegelungen, Schatten von Pflanzen...

Und Stierkampfbilder, mit archaischer Wucht und manieristischen Posen dieses Machismo-Ritual Spaniens eingefangen in Bilder voll Staub und Stolz.

Jean Cocteau bezeichnete Clergue als den "Dichter mit einer Kamera". Und er hat Recht. Der Südfranzose verzichtete von seinen Anfängen an auf Popularität, Star-Status und Geld, um seine künstlerische Unabhängigkeit und Individualität bewahren zu können. Im Oktober 2007 wurde Clergue als erster Fotograf Mitglied in der französischen Academie des Beaux-Arts, sein fotografisches Werk ist in allen bedeutenden Museen der Welt ausgestellt und in zahlreichen internationalen Publikationen veröffentlicht.