Donnerstag, 21. Februar 2008
"Heimatklänge. Vom Juchzen und andern Gesängen"
"Heimatklänge. Vom Juchzen und andern Gesängen". Stefan Schwietert, Dokumentation, Schweiz 2007. ****1/2

Der Schweizer Dokumentarfilmer Stefan Schwietert hat drei Landsleute und Stimmkünstler - Erika Stucky, Noldi Alder, Christian Zehnder - begleitet, die auf teils traditionelle, teils experimentelle Weise mit ihrer Stimme das musikalische Erbe ihrer Heimat bearbeiten. Er schuf einen bemerkenswerten, ja beglückenden (und inzwischen mehrfach ausgezeichneten) Film über Klangwelten, in denen improvisierend gejodelt wird, aber auch Jauchzen vorkommt, Trällern, Heulen, Brummen und was es sonst noch alles für unmittelbare Ausdrucksformen menschlicher Gefühle gibt. Durch die drei beeindruckenden, faszinierend authentischen Persönlichkeiten ist die Doku auch für Menschen spannend, die mit traditioneller Musik aus dem Alpenraum nichts am Hut haben.

Was in "Heimatklänge" zu hören, zu erleben ist, sprengt diesen Rahmen lustvoll, es weitet Horizont und Seele und stellt die Frage nach - nicht nur musikalischer - Identität: Woraus schöpfe ich? Woher komme ich? Woraus schöpfe ich? Woher komme ich? Was ist "meins" abseits des global konsumierten Kultureinheitsbreis? Christian Zehnder z.B. beantwortet diese Frage mit "kopfstimmigen" Tönen und Obertönen, die mühelos Brücken schlagen zu seinen mongolischen Freunden, den Weltmusik-Stars "Huun Huur Tu".

Und Erika Stucky meistert den Spagat zwischen ihren beiden Prägungen - der Lockerheit US-amerikanischer Flower Power ihrer ersten Kindheitsjahre und der traditionsgesättigten Bergwelt des Wallis nach ihrer Übersiedlung - auf polyglott-weltbürgerlich-humorvolle Art.

Bei der Österreichpremiere im Wiener Filmcasino saß sie hinter mir, und ich erlebte aus unmittelbarer Nähe, wie sie nach der Filmvorführung mit einer Schneeschaufel und Kochuntensilien als Rhythmus"instrumenten" eine Staunen machende Musikperformance startete, die in ein von Mirjam Jessa (Ö1) moderiertes Gespräch mit dem Publikum mündete Dabei deponierte ich das aus meiner Sicht einzige Manko des Filmes "Heimatklänge": Eine gemeinsame Improvisation der drei Sänger ist erst im Abspann und viel zu kurz zu hören. Das bedauere sie auch, sagte Erika, aber Regisseur Schwietert habe auf die Sequenz verzichtet, weil bei der Aufnahme im Freien das Licht so schlecht gewesen sei. Nur deshalb: 4 1/2 statt 5 Bewertungspunkten. Und trotzdem: ein Abend, der das Herz vor Freude jodeln ließ.