Mittwoch, 20. Februar 2008
"Die zweigeteilte Frau"
"Die zweigeteilte Frau" (La fille coupée en deux). Claude Chabrol, Fr./D. 2007. ***1/2

Die zweigeteilte Frau wird ganz am Ende von Claude Chabrols jüngstem Anti-Bourgeoisie-Film (unnötigerweise) als altbekannter Varieté-Zaubertrick gezeigt. Davor entwickelt der Regie-Altmeister eine fatale Dreiecksbeziehung, in der sich die kluge, schöne und talentierte TV-Moderatorin Gabrielle (Ludivine Saginer) zwischen dem alt werdenden Erfolgsautor und Bonvivant Charles (François Berléand) und dem arroganten und reichen Schnösel Paul (Benoît Magimel) hin und hergerissen fühlt.

Hingerissen ist sie bald von der abgeklärten Bildung und der erregenden Genusssucht von Charles; der flirtet mit der naiven Gabrielle, obwohl er mit seiner langjährigen Ehefrau und seiner verführerischen Verlegerin selbst eine offene Dreiecksbeziehung führt. Ohne jemals explizit zu werden, zeigt Chabrol, dass die junge Frau immer mehr in eine sexuelle Obsession verfällt. "Je unklarer für den Betrachter es ist, was wirklich passiert, desto eher vermutet er etwas Abartiges", so der Regisseur dazu. Wobei halt auf diese Weise nicht ganz nachvollziehbar bleibt, was Gabrielle so sehr in den Bann zieht.

So umgarnt Paul - als einziger Sohn einer schwerreichen Industriellenfamilie gewohnt, dass er bekommt, was er will - Gabrielle lange Zeit umsonst. Erst als Charles sich seiner jungen Gespielin wieder einmal auf demütigende Weise entzieht, darf sich der gutaussehende, verwöhnte junge Mann als "Retter" fühlen - und sogar als Sieger im Kampf mit dem gehassten Nebenbuhler, als Gabrielle in eine Heirat einwilligt. Eine krasse Fehlentscheidung, wie sich bald herausstellt, denn wen Gabrielle wirklich liebt, wem sie "gehört", ist Charles.

Seit fünfzig Jahren widmet sich Chabrol dem falschen Schein der Bourgeoisie (etwa 1995 in "Biester" und 2006 in "Geheime Staatsaffären"), und auch diesmal gelingt ihm eine beeindruckende Skizze der menschlichen Befindlichkeit zwischen Liebessehnsucht und Lebenssattheit.