Dienstag, 5. Februar 2008
"4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage"
"4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage", Cristian Mungiu, Rumänien, 2007 ***

Beklemmend, karg, kompromisslos harter Realismus - mit Umschreibungen wie diesen würdigte die Filmkritik den 2007 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichneten Film von Cristian Mungiu über die Atmosphäre im Rumänien kurz vor dem Fall des Ceaucescu-Regimes. Und ja - man braucht einen gute Magen, um diese triste Geschichte um eine illegale Abtreibung inklusive unverstelltem Blick auf den zu entsorgenden Fötus zu ertragen.

Es geht um Otilia und Gabita, zwei Freundinnen, die sich ein Zimmer im Studentenwohnheim in einer rumänischen Kleinstadt, irgendwann Ende der Achtziger Jahre, teilen. Kinderkriegen ist staatlicherseits erwünscht, abtreiben streng verboten. Doch Gabita ist schwanger. Und sie will dieses Baby nicht.

Mühsam haben Otilia und sie genug Geld aufgetrieben, um einen illegalen Engelmacher zu bezahlen. Bis zum Eingriff tun sich jede Menge Hindernisse auf: Das Hotel, in dem Gabita telefonisch ein Zimmer reserviert hat, weist die Mädchen ab. Mr. Bebe, der Engelmacher, ist nicht zufrieden mit der Alternative, und als er merkt, dass Gabita mit ihrer Schwangerschaft schon viel weiter ist, als sie zugegeben hat, verlangt er mehr Geld – das die beiden nicht haben. Mr. Bebe fordert statt des Geldes sexuelle Gegenleistungen ("Ich bin nett zu euch, jetzt sollt ihr auch nett zu mir sein..."). Den Mädchen bleibt keine Wahl. Die Männer kommen schlecht weg in diesem Film: Auch Otilias Freund erweist sich als überfordert und wenig sensibel.

Die Geschichte von Otilia und Gabita und ihrem Höllentrip zur Abtreibung ist einer Bekannten von Cristian Mungiu genau so passiert. Mungiu wirft einen schonungslosen Blick auf ein Regime und auf das, was es aus Menschen macht. Der ohne Musik auskommende Film endet mit der Versicherung der beiden Frauen, nie mehr über das eben Erlebte zu reden. Und mit einem Abendessen in einem Hotel, in dem gerade eine Hochzeit stattfindet. Deshalb gibt es nur die dort angebotenen Gerichte. Die beiden Frauen sehen sich erschöpft und mit trostlosen Augen an. Gefeiert wird anderswo.